Udo Kübler

10897911_953669374663487_5671701962468749708_nAutorenvorstellung Udo Kübler am 06.05.2015

Mein Name ist Udo Kübler, ich bin 1951 in Heidelberg geboren und wohne seit meiner Geburt in Leimen. Seit 1971 bin ich verheiratet, habe drei erwachsene Kinder und mittlerweile drei Enkelkinder.
Von 1968 bis 1972 studierte ich in Mannheim Grafikdesign und freie Grafik und war nach meinem Studium 22 Jahre als Grafiker, Illustrator und Konzeptioner selbständig tätig. Da meine eigentliche Leidenschaft und Begabung der Musik gehört, war ich knapp 25 Jahre vor allem Musiker und ging meiner eigentlichen Profession nur nach, um damit den Lebensunterhalt meiner Familie zu sichern.
Erst als ich 1981 endgültig den Entschluss fasste fürderhin ein Popstar sein zu wollen, einen Plattenvertrag und eine fantastische Band hatte – und nach einem Jahr so hoch verschuldet war, dass ich um die Existenz meiner Familie fürchten musste – wurde mir klar, dass ich mich künftig auf ein einziges Talent konzentrieren musste, um mich nicht weiter zu verzetteln. So löste ich schweren Herzens die wunderbare Band auf und konzentrierte mich darauf ein gefragter Illustrator für Film- und Video-Artworks zu werden. Dieser Profession ging ich knapp 10 Jahre nach – bis1989 das Berufsbild des Illustrators innerhalb weniger Wochen von der Bildfläche verschwand.
1995 hatte ich die Möglichkeit zusammen mit einem Partner eine Werbeagentur zu gründen. Etwa zehn Jahre später trennte ich mich von dem Partner und führe seither die Agentur, die ca. 35 feste Mitarbeiter hat, alleine.
Wobei eine unverzichtbare Stütze des Unternehmens mein Sohn Patrick ist, der mich seit vielen Jahren als Kreativchef abgelöst hat, sodass ich mich nur noch um die Ökonomie, die Strategie und das Personalwesen zu kümmern brauche.
So viel zu mir und meinem alltäglichen Leben.
Mein nicht alltägliches Leben ist das, um was es hier aber gehen soll:
Schon als Kind las ich viel und ausgiebig. Und vor allem tat ich es intensiv. Schon immer galt meine ganz besondere Leidenschaft der Science Fiction. Wobei ich mich mit der Zeit immer mehr für Stories zu interessieren begann, die vom üblichen Schema des Genres abweichen. Und die am meisten abgefahrenen, witzigsten und geistreichsten Stories von allen, sind meines Erachtens die von Robert Sheckley. Bei ihm hat mich schon immer
beeindruckt, dass er einen Astronaut in ein Raumschiff steigen lässt, mit dem dieser mal eben zu einem anderen Sonnensystem fährt, ohne dabei auch nur andeutungsweise den Versuch einer Erklärung des Antriebprinzips zu starten. Bei ihm gibt es mal eben einen Riss durchs Universum und den Wohnzimmerschrank eines Protagonisten, die intergalaktische Lottogesellschaft, die Rasse der Planetenbauer, die für Götter aller Art Planetensysteme entwerfen und bauen – und zwar in sehr unterschiedlichen Preisklassen versteht sich – und bei denen man sich eine Sonne für dieses System in Ausstellungshallen (!) aussuchen kann. Und niemals handelt es sich dabei um
einen schnellen, vordergründig lustigen Gag. Wodurch er sich entscheidend z.B. von seinem Kollegen Douglas Adams abhebt, dessen Werk ich zwar ebenfalls schätze, der aber gerade dadurch, dass er all seinen originellen und abstrusen Ideen mit aller Gewalt noch etwas substanziell Erklärendes zur Seite stellen will, nicht diese
Leichtigkeit und Lockerheit Sheckleys erreicht.
Richtig bewusst wurde mir das übrigens erst, als ich ein Buch über ihn und sein Werk las, in dem auch ein Fragment seines letzten, in Arbeit befindlichen Buchs abgedruckt ist, und in welchem er sich auch zu seinen Ängsten beim Schreiben auslässt. So wird deutlich, dass Adams eine furchtbare Angst davor hatte, dass man sein Manuskript für schlecht durchdacht oder überhaupt „primitiv“ (schlecht) halten könnte. Deshalb litt er oft unter sehr heftigen Schreibblockaden, weil ihm einfach nicht einfallen wollte, wie man den herrlichen Joke, den er gerade geschrieben hatte, mit etwas mehr „Substanz“ ausstatten könnte. Hier hätte ein geeigneter Lektor sicher Wunder wirken können. Denn das vorhin genannte Fragment seines letzten Manuskripts ist auf wunderbare Weise
unbeschwert absurd, hat diese Sheckley’sche Leichtigkeit des Seins, dass mir beim Lesen einfach das Herz aufging. Tragischerweise empfand Adams selbst dieses Manuskript als so „inhaltslos“, dass er fast daran verzweifelte …
Und als mir das bewusst wurde, erkannte ich auch endlich den Wert meiner eigenen Manuskripte.
Ursprünglich hatte ich angefangen zu schreiben, weil ich selbst auch so herrliche Geschichten erzählen wollte, wie Robert Sheckley (der Anarchist der SF), Larry Niven (der begnadete Erzähler der SF) oder eben Douglas Adams (der Clown der SF). Dabei wollte ich aber unbedingt ich selbst bleiben und eben keines meiner Vorbilder kopieren.
So schuf ich mir einen Protagonist, dem ich den Namen Jonathan Simpson (englisch ausgesprochen!) gab.
Dessen Geburt fand angeblich auf dem Planeten Tristan IV statt. Und zwar im Beisein Robert Sheckleys. Wie sich aber sehr schnell herausstellte, war alles bei dieser ersten Begebenheit mit dem Protagonisten ein einziger billiger Schwindel, der zwar seine Aufklärung in einem Gespräch zwischen mir und ihm in dieser seltsamen Bar
„Thelma’s“ fand, aber nur zu entschuldigen war durch eine Story, die der Existenz Jonathan Simpsons in irgendeiner Weise Sinn gibt. Und so reifte in mir der Plan zu „Die große Enseimada“.
Zu diesem ersten Band der „ANSELMO-TRILOGIE“ mit Jonathan Simpson gibt es eine wunderbare Rezension der Bloggerin Karin Futschik, die so atemberaubend auf dem Punkt ist, dass ich sie hier wenigstens im Auszug zitieren möchte: „Man könnte an dieser Stelle herummäkeln, dass dieHandlung etwas flach oder vielleicht gar nicht wirklich
vorhanden wäre. Aber wer das macht, hat den Sinn von Udo Küblers „Die große Enseimada“ schlichtweg nicht verstanden. Der Autor …, … hat einfach Spaß am Schreiben, lässt den Dingen und den Ideen seinen Lauf und nimmt sich selbst nicht zu ernst. Das Resultat ist wirklich eine fabelhafte Unterhaltung mit einer gewichtigen Portion Humor, kleinen Spitzen und offensichtlich spart Kübler auch nicht an Selbstironie. Eins kann er nämlich wirklich. So wunderbar erzählen,dass die Handlung in den Hintergrund rückt …“
Als ich das las, habe ich fastgeweint vor Glück! Nicht, weil es sich hier natürlich um eine sehr positive und vorzeigbare Rezension handelt, sondern weil hier jemand meine Intention zuschreiben zu hundert Prozent erkannte und den Versuch, den Plot und die Handlung hinter die Kraft der Erzählung zu stellen, für gelungen erklärte. Ich hätte mir gewünscht, ich hätte Douglas Adams dies auch mitteilen können. Leider aber ist er ja
verstorben …
Was macht – nach meiner Einschätzung – mein Werk sonst noch aus?
Nun, man könnte anführen, dass es nicht gerade alltäglich ist, dass ein Protagonist die Angewohnheit hat, sich mit seinem Autor an einen Tisch zu setzen und seine Arbeit zu kritisieren. Man könnte ebenfalls anführen, dass es nicht üblich ist, dass Geschichten mit ein und demselben Protagonist zwar immer am selben Ort handeln, dieser Ort aber stets ein ganz anderer Plot ist, da er ständig in einer anderen Wirklichkeit liegt. Und dass der Protagonist zwar immer derselbe ist, aber eben nie wirklich gleich – wenn Sie mir noch folgen können oder wollen. Auch könnte man bemerken, dass die Eigenheit, die Handlung ausschließlich direkt beim Protagonist laufen zu lassen– ohne einen weiteren Handlungsstrang aufzubauen, der irgendwann mit dem Hauptstrang in Berührung kommt – eine außerordentliche Intimität und Vertrautheit zum Protagonisten aufbaut. Dass der Fortgang der Handlung nicht durch ein Konzept oder wenigstens einen Konzeptansatz vorgegeben ist, sondern sich ausschließlich aus der Interaktion der beteiligten Charaktere und deren Eigenschaften ergibt usw. In Wirklichkeit aber ist wohl das Besondere meiner Erzählungen, dass sie zwar dramatische Momente schildern, nie aber Dramen sind. Dass sie sehr wohl spannend sind, aber niemals die Nerven kitzeln. Dass sie vor unerwarteten Wendungen nur so strotzen, aber einfach keinen Thrill haben. Und dass ihr Witz nicht aus Plattitüden kommt, sondern aus einer schonungslosen Selbstironie des Autors, bei der Jonathan Simpson – als ihm hilflos ausgelieferter Protagonist – mitunter eben auch ganz schön sein Fett abbekommt.
Jonathan Simpsons Welt kommt ohne Berge von Leichen, gequälte Kreaturen und schmerzerfüllte Szenarien aus.
Seen aus Blut und Elend sucht man vergebens. Jonathan selbst ist weder ein desillusionierter, noch ein frustrierter, noch sonstwie kaputter Typ, der nur noch am Leben ist, weil er partout den Ausgang aus dem Plot nicht findet oder den verpasst, weil er sich gerade mal wieder die Kanne gibt, sich eine Line reinpfeift oder sonstwie abgelenkt oder verhindert ist. Nein, Jonathan Simpson ist eigentlich immer verdammt gut drauf – als Loser, wie als smarter Wiseguy. Ihn haut es manchmal schon recht heftig hin. Aber er ist ein Ass, was das Aufstehen angeht.
Ich bin ein verdammter Fan von ihm geworden. Und was ich kann, das können Sie auch …

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