DEINTEXTDEINBUCH

19382_764485953658508_2257102009886563470_nInterview – DEINTEXTDEINBUCH am 02.07.2015

DEINTEXTDEINBUCH ist eine Plattform, auf der Autoren Verlagen und Literaturagenturen ihre Manuskripte anbieten. Lektoren und Literaturagenten können gezielt nach Themen oder Genres suchen.
Ich bin die Gründerin von deintextdeinbuch. Die Website ist am 10. April online gegangen und bietet Autoren die Möglichkeit, ihre Bücher Verlagen und Literaturagenturen anzubieten. In der ersten Woche haben sich schon mittlerweile 28 Lektoren und Agenten angemeldet, u.a. von Goldmann, Lübbe, Aufbau und sie suchen nach neuen Autoren.
Die Benutzung der Website ist ganz einfach und läuft etwas so: Registrieren, Einloggen, vorgegebene Felder mit Kurztext etc. befüllen, Leseproben-Dabei hochladen, freigeben, abwarten. Fast 40 Autoren haben sich auch schon registriert, auch aus dieser Gruppe.
Zu mir noch kurz: Ich habe 7 Jahre als Lektorin bei Ullstein gearbeitet und u.a. Autoren wie Inge Löhnig, Oliver Pötzsch betreut. Davor war ich Literaturagentin und habe dort vor allem Jugendbuchautoren vertreten. Vorher war ich Agentin bei Eggers und Landwehr. Daher kenne ich also beide Seiten: die der Agentur und die eines
Verlages. In meinem Job bei Ullstein habe ich festgestellt, dass es für Autoren und Verlage immer noch schwierig ist, zusammenzufinden und das möchte ich mit meiner Website ändern. Sie ist am 10. April in einer Beta-Version online gegangen und seit 10. Mai voll funktionstüchtig. Seitdem haben sich mittlerweile 72 Lektoren und Agenten
von ganz unterschiedlichen Verlagen/Agenturen angemeldet und suchen nach neuen Autoren. Und einige Autoren haben so auch schon ein Zuhause für ihr Buch gefunden.

LINKS
Website
Facebook

Kann man Aussagen über die Erfolgsquote machen?
Ja, kann man: Ich frage einfach regelmäßig Agenten und Lektoren und wenn ich höre, dass sie mit einem Autor Gespräche führen, bleibe ich daran. Auf der Startseite haben drei vermittelte Autoren auch schon davon erzählt.
Gibt es eine Liste der Verlage und Lektoren, die man einsehen kann? Auf der Plattform?
Die Liste steht gleich auf der Startseite.
Ist diese Jahreszeit eine gute Zeit um sein Script vorzustellen?
Die Jahres ist eigentlich egal. Zu Buchmussezeiten ist es aber eher schwierig, weil die Verlage so mit den Terminen und englischen Manuskripten zugeschüttet werden. Im Sommer sind natürlich auch Einige im Urlaub, aber deswegen gibt es ja auch eine Mindestlaufzeit von 2 Monaten, die das Manuskript online ist.
Was muss denn ein Autor mitbringen, damit er eine Chance hat?
Für meine Seite gibt es keinerlei Voraussetzungen. 30 Seiten Textprobe und ein Abriss des Inhalts sind natürlich vonnöten.
Empfiehlst du eine durchgängige Leseprobe, also dreißig Seiten vortlaufend oder macht es Sinn zwei Teile als Leseprobe einzustellen?
Ich empfehle immer durchgehende Leseproben. Lektoren LIEBEN es, wenn ein Sog entsteht und das fällt bei Bruchstücken schwer.
Ich hatte die Probeversion getestet und hatte gehofft, Expose und 30 MS-Seiten hochzuladen.
Vorgeschlagen wurde mir 30 Seiten als pdf und word. Machte ich. Expose war damit nicht mehr möglich. Schade. Könnte man nicht noch eine dritte Wahlmöglichkeit zulassen. Also ein Expose zusätzlich?
Die Exposé-Funktion gibt es mittlerweile als eigene Kategorie Das haben wir also nachgerüstet.
Liest/prüfst Du die Angaben? Also die Zusammenfassung in irgendeiner Form?
Ich sehe mir Inhalt, Vita und Genres an und falls mir Fehler auffallen oder ähnliches, schreibe ich die Autoren an und gebe Tipps.
Gibt es bestimmte Genre die häufiger nachgefragt oder gesucht werden?
Eigentlich nicht. Frauenunterhaltung und Krimi gehen natürlich immer gut. Je spezieller das Genre, desto weniger Lektoren und Agenten gibt es dafür in Deutschland. Das ist leider so.
Was ist Deine bisherige Erfahrung bzüglich Genre. Welches wird am meisten ausgesucht?
Ich denke, Krimi. Aber manche Autoren wählen auch nur ein Obergenre aus (z.B. Belletristik) und dann lässt sich das für mich nicht sehen.
Ich schreibe Chick Lit, mit oftmals sehr erotischem Inhalt. Wie sind die Chancen da?
Bei der Marktlage momentan: Super! Bei Büchern, die ein bisschen zwischen den Stühlen stehen muss man nur darauf achten, dass man den Schwerpunkt auf ein Genre setzt und den anderen als kleines Extra präsentiert. Und Erotik ist ein sehr gefragtes Extra momentan.
Hast Du schon einmal einen Kinderbuchtext vermitteln können und gibt es in dem Bereich bei Dir grundsätzlich interessierte Verlage?
Ja, ein Kinderbuch wurde vermittelt. Bislang sind Thienemann-Esslinger, Ueberreuter und Knesebeck als Verlage und verschiedene Agenturen registriert, die auch Kinderbuchautoren vertreten. Ich bin aber ständig dabei, neue Lektoren und Agenten auf die Seite zu bekommen: In den letzten zwei Wochen sind z.B. Piper, Eichborn, Solibro, Knesebeck, die Agentur Gaeb und Rauchzeichen hinzu gekommen.
Wo stehen die Chancen besser? Abgeschlossener Roman oder auch mal ein Zweiteiler?
Das kann man so pauschal wirklich nicht sagen. Kommt aufs Genre an. In der Fantasy sind Zwei- und Mehrteiler ja üblich, in der hohen Literatur eher nicht.
Und bei Romantic Suspense?
Da würde ich spontan sagen: Einteiler, der Serienpotenzial hat.
Wie viele registrierte Manuskripte hast du bereits und wie viele konnten davon vermittelt werden?
Im ersten Monat, der kostenlos war, gab es einen echten Run auf die Seite, da waren es so um die 120 Manuskripte, von denen aber 4 vermittelt wurden. Bis heute weiß ich von insgesamt acht vermittelten Autoren bzw. zwei stehen noch in Verlagsgesprächen.
Darf man auch mehrere Texte „einbringen“ oder auch schon veröffentlichte?
Ja und ja. Für Letzteres gibt es extra ein Häkchen , das man setzen kann.
Die Vermittlung läuft dann nicht direkt über dich, sondern von Autor zu Verlag?
Genau. Ich biete sozusagen nur den Treffpunkt, habe mit den Gesprächen etc. nichts zu tun. Wer Hilfe braucht bei Verhandlungen etc., bekommt sie aber jederzeit. Ich bekomme auch keine Provision o.ä.
Verdienst du also nur an den Servicegebühren? (falls zu diskret, einfach nicht beachten)
Ja, ich bekomme nur die Service-Gebühr und sonst nie wieder einen Pfennig. Ich will keine Werbung auf der Seite haben. Auch deswegen muss ich anderweitig verdienen.
Empfehlen Sie aktiv Projekte von denen Sie selbst begeistert sind an bestehende Kontakte ihrerseits?
Mit einer Ausnahme, nein. Was ich mache, ist neu registrierte Autoren und deren Texte im Newsletter vorstellen.
Wir hatten vorhin die Zahl 72 für Lektoren und Agenten … kannst du dazu auch eine Autorenzahl nennen?

Aktuell sind etwa 150 Autoren registriert, aber nur etwa 30 haben eine Leseprobe online. Die meisten Autoren haben, wie gesagt, beim Probemonat mitgemacht.
Bleiben die Preise konstant? Oder plant ihr Erhöhungen?
Bei der Marktlage momentan: Super! Bei Büchern, die ein bisschen zwischen den Stühlen stehen muss man nur darauf achten, dass man den Schwerpunkt auf ein Genre setzt und den anderen als kleines Extra präsentiert. Und Erotik ist ein sehr gefragtes Extra momentan
Wenn man seine Leseprobe hochlädt wird auch danach gefragt, ob das Buch bereits veröffentlicht ist. Es gibt hier nur die Möglichkeit „ja“ oder „nein“. Könnte man noch ein „selbst veröffentlicht“ dazu nehmen?? Klingt ja vielleicht komisch, aber ich denke, es ist schon ein gewaltiger Unterschied, ob man SP ist oder das Buch von einem Verlag bereits veröffentlicht ist. Oder sind die Lektoren/Agenten so schlau, dass sie das automatisch richtig verstehen und nur ich mache mir diese Gedanken?
Das würde ich sowieso in der Vita noch einmal sagen. Bei dem Häkchen steht für Verlage/Agenturen folgender Satz: Der Autor hat das MS schon einmal z.B. als Self Publisher veröffentlicht.
Hast du schon einmal ein Bundle-Angebot in Erwägung gezogen? Oder sogar evtl. eine Flat?
Nein. Meine Empfehlung an Autoren ist auch: Bieten Sie lieber erstmal nur ein bis maximal zwei Projekte zur gleichen Zeit an (am besten in unterschiedlichen Genres).
Muss ein Autor Angst vor Ideenklau haben?
Nein. Autoren können sich untereinander nicht sehen, wissen nicht, wer registriert ist oder was derjenige anbietet. Das ist mir sehr wichtig, weil ich diese Angst komplett nachvollziehen kann.
Ich meinte nicht die Autoren unter sich, sondern die Verlage!
Das wären dann aber sehr unprofessionelle Verlage … Sagen wir so: Ich kenne keine Lektoren/Agenten bei denen das Praxis wäre.
Werden die Lektoren/Verlage informiert, wenn neue Leseproben hochgeladen wurden?
Sie werden nicht informiert, weil sie dann fast täglich neue Post bekämen und genervt wären. Ich sende alle zwei Wochen einen Newsletter raus, in dem alle neuen Autoren mit Titel und Genre genannt werden.
Wie schützt du das Portal vor unseriösen Verlagen?
Jeder Lektor/Agent muss mir eine Registrierungsanfrage stellen und dann prüfe ich persönlich, ob er seriös ist oder nicht. So wehre ich jede Woche mehrere Zuschuss- und Subskriptionsverlage ab … Und jeder Lektor muss sich mit seiner persönlichen Firmen-Mail-Adresse bei mir registrieren. info@ & Co. werden nicht zugelassen.
Hältst Du es für sinnvoll, die Leseprobe auszutauschen? Also, ich meine jetzt, ein anderes Kapitel zu nehmen?
Das kannst du auf jeden Fall machen, wenn du denkst, dass ein anderes besser wäre. Man kann eh das gesamte Profil (Ausnahme Buchtitel) jederzeit ändern und optimieren. Es kommen ja auch ständig neue Lektoren/Agenten hinzu und die kennen den alten Text dann noch nicht.
Bist Du von dem Erfolg Deiner Seite selbst überrascht und denkst Du, dass Du Nachahmer bzw. Konkurrenz bekommen wirst – oder hast Du Deine Geschäftsidee schützen lassen können?
Ein bisschen vielleicht. Schützen lassen kann man sie nicht. Aber was ich jetzt schon merke: Meine vielen über die Jahre geknüpften Kontakte in die Branche nutzen mir sehr. Das hat nicht jeder und auch Verlage und Agenten wollen wissen, mit wem sie es zu tun haben. Wenn ihr übrigens Fragen/Themen habt, über die ihr mehr wissen wollt, schreibt mir: Ich mache regelmäßig Interviews mit Leuten aus der Branche und quetsche sie aus.
Leute aus der Branche sind welche genau? Verleger, Lektoren, SP? (reine persönliche Interesse)
Alles. Vor allem natürlich Agenten und Lektoren. Aber auch Press-Leute, Blogger und Autoren. Mit vielen meiner Ullstein-Autoren habe ich heute noch einen guten Kontakt.
Wie unvoreingenommen schätzt Du denn die Prüfenden ein? Autoren, deren Texte eventuell zum wiederholten Mal keinen Erfolg hatten, werden die auf einer Art Abschussliste notiert, was denkst Du …
Eine solche Abschussliste gibt es sicherlich nicht. Viele – auch – bekannte Autoren haben sich anfangs schwer getan, einen Verlag zu finden. Manchmal muss es auch der richtige Text zur richtigen Zeit sein. Dazu hat auf der Startseite meiner Website Autorin Nina Blazon auch ein paar interessante Sachen erzählt. Schau dir das doch mal
an!
Agenten und Verlage können sich ja eigentlich vor Manuskriptangeboten kaum retten. Warum sollen die eigentlich selbst aktiv werden?
Sie tun es auf jeden Fall. Warum: Weil es eine einfache, schnelle und effiziente Weise ist, zu suchen. Ich habe die Seite ja auch gerade deswegen gegründet, weil ich es als Lektorin müde war, Stapel von Papier zu durchforsten.
Bis man da erstmal ein Genre gefunden hat, das einem liegt, dauert schon lange … Wirbst du bei Verlagen für dein Konzept?
Ich führe schon einige Gespräche, mache aber keine direkte Werbung. Die 72 ist ein Ergebnis meiner persönlichen Ansprache. Es können aber sicherlich immer noch mehr werden und dafür muss ich dann wohl auch werben. Und das mache ich auch gerne! Z .B. werde ich auf der Buchmesse sein und verschiedene Leute treffen.

Brainstorming nach dem Interview …

Mitglied: Das Konzept ist wirklich gut. Ich kann mir schon vorstellen, dass Verlage und Agenten gerne diesen Weg wählen. Wie Julia sagte – da können sie sich aussuchen, was sie möchten.
Mitglied: Ich finde es eine gute Idee. Ist auch ein kleiner Test, ob das was man da schreibt auch den Verlagen gefällt. Die letztendliche Entscheidung ob man ein Bund eingeht, falls jemand Interesse zeigt, liegt ja immer noch bei einem selbst.
Mitglied: Hab heute mal mitgelesen, fand es interessant.
Mitglied: Also für mich war das die allerbeste Vorstellung, die ich überhaupt mitgemacht hab. War vorher niemals so überzeugt, dass das Konzept tatsächlich gut ist. Es gab immer einen Haken und diesmal komme ich noch nicht mal auf den Gedanken, danach zu suchen.
Mitglied: Im Grunde ist sie ein weiteres Zwischenglied in der Vermittlung, das aber offenbar Sinn macht, weil es einen rationellen Austausch ermöglicht – ein Wunder, dass vor ihr noch keiner auf diese Idee gekommen ist.
Mitglied: War ja auch ne ruhige Veranstaltung … keine Hooligans.
Mitglied: Fand es sehr interessant, ich könnte das eventuell in Erwägung ziehen…. Mal in Ruhe nachdenken.
Mitglied: Muss sagen, als Registrierte und vermittelte, dass ich Julia sehr hilfreich, positiv und professionell empfunden habe … in wieweit sich durch meinen Kontakt zu meinem Agenten sich natürlich jetzt ein Verlag für mich findet, ist eine andere Sache … Fakt ist, dass ich in der Zeit 6 Zugriffe und eine Anfrage hatte…
Mitglied: Ich bin auch positiv beeindruckt!!!
Mitglied: Ich bin ja auch registriert und bei mir hat es in dem Probemonat leider nicht geklappt … ich werde mein Zeugs nochmal überarbeiten und es noch einmal probieren … ich finde sie und ihre Idee nämlich auch toll!
Mitglied: Warum ich das Portal als Verlag nutzen würde: Man kriegt ja nicht immer die Manuskripte, die man gerade sucht. Die Trends verändern sich ständig. Von daher finde ich das eine gute Möglichkeit, um erstmal unverbindlich zu recherchieren und dann gegebenenfalls mit einem Autoren Kontakt aufzunehmen. Ist alles sehr gut durchdacht.
Mitglied: Bin immer noch skeptisch, warum sich Agenten oder Verlage etwas aussuchen sollten, wenn sie den Schreibtisch voll haben. Da hätte es mich schon interessiert, wie die Beachtung auf die eingestellten Manuskripte gelenkt wird. Die Service-Gebühr muss ja schließlich reingeholt werden.
Mitglied: Naja, ich kann es schon nachvollziehen. Wenn du nach einem bestimmten Genre suchst und dich erst durch unnötig Papierkram quälen sollst, ist es doch einfach, wenn es mit ein paar Klicks funktioniert, oder?
Mitglied: Ich bin auch skeptisch, aber ich glaube ich werde es mal ausprobieren. Ich vergebe mir dabei nichts. Aber ich kann mal vorfühlen und das ist mir wichtig.
Mitglied: Vielleicht vermuten sie bei Autoren, die bereit sind, im Vorfeld schon Geld zu investieren, ein größeres Engagement? Das könnte aber auch eine naive Überlegung sein, ich kenne die Marktmechanismen auch nicht genau…
Mitglied: Da gibt es ganz andere Verlage Konzepte, wo Du richtig Geld investieren sollst, damit Dein Buch pupliziert wird. Hier sind es minimum 50,00 für 2 Monate. Wenn ich mein Script an Verlage schicke kostest es mich auch Geld, Papier, Drucker, Porto und wenn ich es an 10 Verlage schicke, bin ich auch bei 50 Euro.
Mitglied: Da hast Du sicher recht. Wie gesagt, ich war nur am rumspinnen.
Mitglied: Wäre auf die ersten Erfolgsmeldungen gespannt. Gemeint sind Verträge.
Mitglied: <<Vertrag mit Literaturagent.

Dieser Beitrag wurde unter Verlagsinterviews veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.