An Lin

11807707_1000634306633660_6225031275079128850_oAutoreninterview An Lin am 28.7.2015

Das Autoren_Netzwerk freut sich, die Autorin An Lin vorstellen zu dürfen…
An Lin wurde 1984 bei Hamburg geboren, lässt sich aber auch gerne von süddeutscher Dorfidylle inspirieren.
Seit ihrer Kindheit beschäftigt die Autorin sich mit Japan. In ihrem Studium der Literatur, Geschichte und Soziologie verfasste sie wissenschaftliche Arbeiten über Nihon, lernte die Sprache und bereiste das Land. Das brachte sie dazu, Japan-Romane für junge Erwachsene zu schreiben. Zuvor skriptete sie für renommierte Häuser wie den
Carlsen Verlag Comics und andere Texte im japanischen Stil.
Die Autorin geht gerne mit Freunden in Hamburg Sushi essen, sammelt Manga, joggt leidenschaftlich gern durch süddeutsche Wälder, fährt ein japanisches Elektroauto, bespricht Romane in einem privaten Jane-Austen-Club und leitet in Stuttgart einen Stammtisch für Japan-Interessierte.

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Hallo An Lin. Magst du ein wenig über dich erzählen?
Ich heiße An Lin und ich schreibe Romane über Japan. Zuvor habe ich für die deutsche und eher jugendliche Manga-Szene geschrieben, zum Beispiel für den Carlsen Verlag. Diesen Monat ist mein erster Roman für Erwachsene erschienen, er nennt sich „Liebe und Zorn“. Ich freue mich auf diese interaktive Autorenvorstellung mit euren Fragen und Gedanken!
Du warst du schon in Japan. Warst du an den Schauplätzen deines Romans auch?
Ja genau, ich war letzten Herbst auf Exkursion in 10 japanischen Städten – darunter auch Tokio und Kyoto, in denen der Roman hauptsächlich spielt. In der Fortsetzung sollen die Hauptfiguren weitere Schauplätze besuchen, die ich auch kennen gelernt habe. Es ist wirklich etwas anderes, wenn man wirklich mal da war.
Wie bist du auf die Idee gekommen, Mangas zu schreiben?
Ich bin passionierter Manga-Leser, seit ich 15 bin. Den japanischen Erzählstil finde ich sehr schön. Den wollte ich dann gerne adaptieren. Ich zeichne aber nicht – ich schreibe entweder für die Zielgruppe der Manga-Leser oder ich verfasse Skripte, die Mangazeichner dann zu einem Comic umsetzen.
Daher deine Leidenschaft für Japan?
Ja, mein großes Interesse für Japan hat sich aus dem Interesse für Manga entwickelt. Dadurch haben recht viele Manga-Leser meiner Generation angefangen, sich mit dieser Kultur zu befassen, im Studium zum Beispiel.
Ich bin überrascht, dass du Japanisch sprichst – stelle mir das ziemlich schwierig vor. Hast du auch vor, in dieser Sprache zu veröffentlichen?
Die japanische Sprache ist wirklich nicht einfach. Ihr Schriftsystem gilt sogar als das komplexeste der Welt. Ich lerne die Sprache seit 2011 in diversen Kursen und lasse meine Kenntnisse in die Romane einfließen. Meine Figuren haben dann mal komplette japanische Sätze als Figurenrede. Aber ich würde einen Roman an sich immer
in der Muttersprache schreiben. Daher würde ich nicht einmal auf Englisch schreiben wollen. Ich hoffe aber, dass es meine Geschichten irgendwann auch auf Japanisch gibt! Angeblich ist deren elektronischer Buchmarkt auch noch nicht so überschwemmt.
Das wundert mich, dass der japanische Buchmarkt noch nicht so elektronisch überschwemmt ist. Die Japaner sind doch so technik-verliebt…
Ja stimmt, deswegen gibt es in Japan auch schon richtig lange die speziellen Handyromane. Die sind dann extra für SMS-Episoden verfasst. Aber ich habe zumindest mal den Tipp bekommen, dass man als deutscher Autor nicht unbedingt ins Englische übersetzen sollte, wo es schon so viele erfolgreiche einheimische Autoren gibt. Japaner
hingegen lesen gerne Geschichten über ihre Heimat, die von Ausländern kommen. Da gibt es noch nicht sooo viele.
Sind alle in deinem Roman beschriebenen Orte fiktiv oder gibt es sie tatsächlich? Sind die beschriebenen Götter und Rituale tatsächlich im Shintoismus enthalten oder ist das teilweise auch mit eigenen Ideen geschmückt?
In meinem Roman herrscht eine recht ausgeglichene Mischung aus fiktiven und realen Orten vor. Für viele Orte wie den Reigerungsbezirk habe ich mir viele Fotos angesehen oder selbst welche gemacht. Aber der Himmel, in dem die Götter hausen, ist nach meinen Vorstellungen konstruiert. Manchmal habe ich aber auch auf der „Erde“ etwas dazugedichtet, wenn mir das so besser passte. Aber nur dann, wenn es nötig war. Ich möchte ja schon gerne Japan zeigen.
Du hast immer noch Kontakte nach Japan – beziehst du von dort weitere Informationen für deine Romane?
Ich lese zum einen viele Fachbücher, habe aber auch eine japanische Sprachlehrerin, japanische Tandempartner, japanische Freunde, deutsche Freunde, die dort leben… und werde hoffentlich noch das eine oder andere Mal rüberfliegen.
Um was geht es denn in „Liebe und Zorn“? Zu welchem Genre zählt es?
„Liebe und Zorn“ ist dem Genre Paranormal Romance zuzuordnen. Es treffen eine japanische Frau und ein Shinto-Gott in dem Körper eines Chinesen aufeinander. Hoffentlich mal ein bisschen etwas anderes.
Liest du auch Manga anderer Autoren? Wenn ja, welche besonders gern und warum (Story, Zeichnungen,…)?
Ich lese sehr viele japanische Manga und manchmal auch deutschstämmige Manga. Meine Lieblingsmangaka ist Kaho Miyasaka. Nicht unbedingt die bekannteste, aber es gibt einige Werke von ihr auf Deutsch bei Egmont. Sie beeinflusst mich definitiv, auch mit ihren Sprechblasen. Meiner Meinung nach konstruiert sie schöne Liebesgeschichten.
Hast du „Liebe und Zorn“ auch einem Verlag angeboten?
Ich habe das Manuskript zwölf Literaturagenturen angeboten. Von drei Agenturen kam überhaupt Antwort – wobei zwei davon nur beinhalteten, dass sie momentan gar nichts annehmen. Das fand ich schon ziemlich enttäuschend. Nicht, dass sie mich nicht angenommen haben. Sondern dass da so gar nichts an Informationen zurückkam.
Selfpublishing war sogesehen nur Plan B, weil ich vorher bei meinen Verlagen recht zufrieden war. Aber mittlerweile genieße ich die Vorteile und denke, ich werde ein Hybrid.
Vor 20 Jahren kannte man Mangas noch nicht, da wurde über die Verfilmung von „Shogun“ gesprochen. Liest du solche Klassiker auch, An Lin?
Shogun ist einer meiner Favoriten. Clavell war ja angeblich der erste Nicht-Japaner, der es geschafft hat, die Japaner so zu zeigen, wie sie sich selbst sehen. Eine herausragende Leistung. Mangas sind in Deutschland wirklich noch nicht so lange bekannt.
Gibt es schon ein neues Projekt? Habe ich dich oben richtig verstanden, dass es eine Fortsetzung geben könnte?
Ja und ja. Es wird mehrere Fortsetzungen zu „Liebe und Zorn“ geben. Band 2 ist in der Rohfassung fertig. Aber ich arbeite parallel auch an Einzelbänden. Wieder mit Schauplatz Japan.
Gibt es eine Autorin oder einen Autor, die oder der dich ganz besonders geprägt und/oder inspiriert hat?
Komischerweise lasse ich mich mehr von Mangazeichnern inspirieren als von Schriftstellern. Und komischerweise lese ich privat ganz andere Dinge, als ich schreibe. Zum Lesen ist Douglas Adams mein Favorit. Etwas ganz anderes jedenfalls.
Ist das Zeichen auf dem Cover das für „Liebe“ oder das für „Zorn“? Oder was ganz anderes? Ich finde auf jeden Fall, dass es sehr schön aussieht!
Das Schriftzeichen auf dem Cover bedeutet „Zorn“. Es schreibt sich ? und spricht sich „ika“ aus.
Schaust du gerne Anime und wenn ja, welches ist dein liebster?
Ehrlich gesagt bin ich mehr der Manga- als der Anime-Typ. Ich liebe es, beim Manga selbst das Tempo bestimmen zu können. Da blättere ich auch gerne mal eine Doppelseite zurück oder betrachte ein Panel besonders lange. Im Anime findet man einen ähnlichen Erzählstil wieder, allerdings wird dem Rezipienten mehr vorgegeben – wie beim Film versus Roman ja auch. „Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“ ist aber ein sehr schöner Anime – über Vergänglichkeit, Selbstfindung und die Liebe. Ist allerdings auch eine Roman-Adaption.
Und du liest Jane Austen?
Nun ja, auf Englisch (oder Japanisch……) könnte ich Jane Austen wohl nicht lesen. Aber auf Deutsch macht es mir sehr viel Spaß. Der Titel „Liebe und Zorn“ ist auch von den Austen-Titeln inspiriert. Weiß nicht, ob das schon offensichtlich war oder noch nicht.
Findest Du, dass es für dich Vorteile hat, als SP zu veröffentlichen?
Ich finde ja. Selfpublishing muss für mich jetzt nicht die Lösung für alles werden. Ich denke da eher von Projekt zu Projekt. Auch weil sich inzwischen schon ein Verlag bei mir deswegen gemeldet hat. Aber speziell im Fall von „Liebe und Zorn“ hat es nun gut gepasst. Ich hatte richtig Lust darauf, SP mal auszuprobieren. Ich hatte eine
Lektorin, ich hatte ein Cover… und nun konnte ich selbst entscheiden, was daraus wird. Vor allem kann ich sehr zügig überarbeiten und publizieren. Das kann ein Verlag in der Regel nicht – warum eigentlich immer noch nicht?
Was mir natürlich erst mal fehlt, ist die Reichweite. Marketing muss ganz von unten aufgebaut werden. Man kann bei einigen SP Romanen feststellen, dass sie etwas Qualität vermissen lassen. Speziell in derZeichensetzung und vielleicht in einigen Umsetzungen ins epub-Format, wo man manchmal Inhaltsverzeichnisse mit Verlinkungen vermisst. Viele SPer brauchen noch etwas Praxis. Dem muss ich leider zustimmen. Dadurch ist SP in Verruf geraten. Aber ich finde, dass sich da besonders in den letzten Jahren furchtbar viel getan hat. Viele Selfpublisher gehen da mit gutem Beispiel voran. Das mit dem fehlenden Inhaltsverzeichnis könnte auch eine Geschmacksfrage sein, könnte ich mir vorstellen.
Beschäftigst du dich auch noch wissenschaftlich mit Japan oder stehen im Moment Romane im Vordergrund?
Ich beschäftige mich noch immer wissenschaftlich mit dem Land! Im September habe ich wieder eine mündliche Prüfung mit einem japanischen Thema.
Könntest du dir vorstellen, auch über andere Themen, außerhalb Japans zu schreiben?
Klar! Ich könnte ja mal über China schreiben! Ich denke schon, dass es gut ist, sich ein Thema zu suchen, das einen als Autor ausmacht. Ein Thema, in dem man sich ein bisschen mehr auskennt, als in anderen. Das verleiht Struktur und lässt trotzdem alles offen. Zum Beispiel möchte ich auch gerne mal richtig düstere Fantasy und auch
mal ein Drama schreiben. Japan wird wohl immer eine Rolle spielen. Das kann aber auch nur mal bedeuten, dass eine einzige Randfigur Japaner ist.
Eben hatten wir das SP-Thema angesprochen, woran sich immer das leidige Thema Marketing anschließt. Hast du da einen besonderen Weg für dich gefunden?
Bisher finde ich Leserunden als Büchermarketing wirklich am effizientesten. So bekommt man Rezensionen, Verbesserungsvorschläge, Einblicke in Leseprozesse, Autoren-Leser-Nähe… und vielleicht sogar Weiterempfehlungen. Ach ja, und es bringt mega Spaß. Leserunden kann ich wirklich nur empfehlen. Und wer Interesse hat, kann bei der zu „Liebe und Zorn“ mal vorbeischauen.
Link zu lovelybooks
Wieviele Romane sind für deine Reihe „Im Bann der Shinto-Götter“ geplant?
Ich habe Ideen für vier Fortsetzungen im Kopf. Ich will mich aber nicht darauf festlegen – einfach aus Prinzip. Muss auch mal schauen, was meine Lektorin dazu sagt.
Vielen Dank an dich, An Lin. Das Interview hat Spaß gemacht. Für die Zukunft viel Erfolg für dich und deine Bücher.

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