Hans Walter Grössinger

Hans Walter

31.8.2015
Das Autoren_Netzwerk freut sich, ein echtes „Schmankerl“ interviewen zu dürfen, einen so genannten „alten Hasen“, den Journalisten und Autoren Hans Walter Grössingerr.

Seit über 50 Jahren betätigt er sich als Journalist in Österreich und im Ausland. 1943 geboren, bezeichnet er sich selbst als „Schreibhandwerker“. Mit 12 Jahren schrieb er das erste Mal gegen Honorar für den Tagespostillion, bekam dafür 100 Tafeln Schokolade. Da er keine Schokolade mochte, hat er diese an Schulfreunde verschenkt.

Die Idee, vom Schreiben zu leben, kam ihm mit 17. Er hatte eine Rezension über eine Kulturveranstaltung in Rottenmann verfasst, die er an verschiedene Zeitung schickte und die dann tatsächlich veröffentlicht wurde.

Hans Walter Grössinger, in der Steiermark als „HWG“ bekannt, schrieb im Lauf der Zeit für 12 inländische und einige ausländische Medien, zusätzlich Kurzgeschichten, Kolumnen, Bücher und Literarisches. 15 Jahre lang war
er als freier Werbetexter tätig.

Mehr als ein halbes Jahrhundert lang arbeitete der freie Journalist Hans Walter Grössinger auch für die steirische Regionalzeitung „Der Ennstaler“. Aus innerer Überzeugung distanzierte er sich aufgrund eines Artikels von der
Regionalzeitung und postete den Artikel auf seiner Facebook Seite mit folgenden Kommentaren: „So schaut Unabhängigkeit in einer Redaktion aus.“ Dieser Artikel zeige auf, “wie es in der Ennstaler Heimatpresse läuft. Als freier Redaktionsmitarbeiter dieser Zeitung distanziere ich mich nachdrücklich von
derartigen Methoden.” Woraufhin die Zeitung die Zusammenarbeit per Mail für beendet erklärte, nach über 50 Jahren.

Hans Walter Grössinger ist ein Mann, der zu seinen Überzeugungen steht. “Ich bleibe als Journalist meinen Prinzipien treu.“

Er schreibt täglich ungefähr von 6 Uhr bis mittags und am Besten unter Druck. Der überzeugte Single liest gern, schaut sich im Fernsehen gern Sendungen über Länder und deren Bewohner an sowie Literatursendungen. Bis 1980 spielte er Theater, war Mitglied in einem kleinen Musikensemble, spielte verschiedene Instrumente und widmete sich auch der Grafik und Malerei. Beim Sport hält er es wie Churchill: „No Sports!“. Kochen ist ebenfalls kein Thema für ihn, Er nimmt sein Mittagessen täglich im Gasthaus ein.

Folgende Bücher wurden von ihm publiziert –
„Sicherungen“ ( Bläschke Verlag, 1980 )
„Fallweise heiter…“ ( JBL Literaturverlag, 2009 )

Hallo Hans, schön, dass Du Dich für ein Interview zur Verfügung stellst. „So schaut Unabhängigkeit in einer Redaktion aus.“ War wohl einer der Sätze, der Dein Leben schlagartig veränderte. Mal Hand auf`s Herz. Hast Du all die Jahre vorher wirklich an die Unabhängigkeit Deiner Redaktion geglaubt?
Natürlich nicht, aber wenn man für viele Zeitungen schreibt, weiß man von deren „Färbung“…

Ist demnächst ein neues Buch von Dir zu erwarten?
Buch dann, wenn ein Verlag anbeißt.

Also hast Du ein fertiges Buch in Deiner Schublade liegen? Zum Anbeißen des Verlags braucht es einen Köder. Hast Du einen?

Ja, aber ein Buch veröffentlichen ist nicht meine vorrangige Absicht…Die Verlage sind auch mich zugekommen, wahrscheinlich auf Grund meiner Journalistentätigkeit.

Überzeugter Junggeselle….wie darf ich das verstehen? Warst Du nie in der Lage „Kompromisse mit dem weiblichen Geschlecht einzugehen?“

Freiheit kann man schwer teilen.

Das reicht mir nicht…..hast Du kein Bedürfnis nach Nähe, Zuwendung? Willst Du alleine Deinen Weg bis zum Ende gehen?

Ist man gebunden, so ist das die Unterdrückung der Persönlichkeitsentwicklung
meistens. Es gibt ja zu viele Regeln. Ja, das wird mir wohl gelingen (müssen). Ich fühle mich nicht unterdrückt…

Hans, Du bist schon so lange dabei. Welche Ziele hast Du noch?

Gesund sein, das Schreiben nicht umsonst betreiben.

Was hältst Du von Christoph Hörstel und seinen „Auftritten“ als ein Journalist der ebenso wie Du, das „Handtuch aus Überzeugung“ geschmissen hat?

Ich habe das Handtuch ja nur bei dieser Heimatzeitung geschmissen, sonst nirgends…

Aber aus Überzeugung das Journalismus „frei und unabhängig“ sein muss, sein kann, sein darf….Christoph Hörstel ist auch so einer…

Wenn man mit dem Schreiben sein Geld verdienen will, muss man gewisse „Normen“ in Kauf nehmen. Freiwillig!

Hast Du, neben dem Schreiben, noch andere Leidenschaften?
Leidenschaften – eigentlich nicht.

Kein Hobby? Angeln, Wandern, Wein o.ä.?

Wein als Hobby? Das wäre ich schon Alkoholiker.

Arbeitest Du auch an mehreren Projekten gleichzeitig?

Ich „beliefere“ seit Jahrzehnten ein Verlagshaus in D mit meinen Texten, die nach Belieben in diversen Publikationen Platz finden.

Nenne mir doch bitte 2 Dinge in Deinem Leben die Du bereut hast, die Du heute vielleicht anders machen würdest?

In gut fünf Jahrzehnten und weiterhin kommt ja eine Menge zusammen.

Was würdest Du einem jungen Journalisten als Lebenserfahrung mit auf den Weg geben?

Schreiben, lesen, schreiben, lesen.

Mir gefallen Deine Kurzgeschichten – sind die „nur“ für die Zeitung oder auch für ein Buch geschrieben?

Wenn ein Verlag auf mich zukommt, bekommt er die Rechte für die Geschichten. Ein Buch bringt wenig Geld, da sind mir die Honorare von Zeitschriften lieber.

Was bereitet, oder bereitete Dir mehr Vergnügen – die Journalistentätigkeit, oder das Autorendasein? Also Zeitung „ja“ und Verlag eher „nein“?

Bücher sind für mich kein finanzieller Anreiz mehr – mit Fleiß und kurzen (auch kurzfristig geschriebenen) Texten erreiche ich mehr Aufmerksamkeit in der Branche und auch mehr an Honoraren.

Ich gehe mal davon aus, dass Du so lange schreiben wirst, wie es Dir möglich ist?

So habe ich es vor…Glücklicherweise besteht immer noch Nachfrage.

Schreibst Du jetzt daheim? – oder ziehst Du noch wie als Journalist herum?

Beides gleich viel.

Schreibst Du mit viel Emotionen , oder eher geschäftsmäßig distanziert?

Eher letzteres.

Hörst Du Musik dabei?

Nein, stört mich.

Hast Du als „Freier“ für die Rente vorgesorgt? Oder kannst Du jetzt von Deinen Verkäufen locker leben?

Locker ist gut…Ein Autor geht nicht in Rente….

Hattest Du schon mal eine Idee, die Dich nicht mehr losgelassen hat?

Ideen ja, aber als Realist denke ich eher an die Lesertauglichkeit. Ich schreibe seit jeher leserorientiert – das heißt ja nicht, dass man seine Ideen nicht unterbringen kann.

Wie ist die Atmosphäre wenn Du Dich dem Schreiben hingibst? Fühlt es sich eher nach Job an, oder gibst Du Dich in dem Moment einer Leidenschaft hin und vergisst Zeit und Raum um Dich?

Es ist zu einem richtigen Job geworden, den ich gerne ausübe. Zeit und Raum vergessen – das überlasse ich Poeten. Atmosphäre? Meine Schreibstube und Zigaretten.

Wenn ich es richtig beobachtet habe, bist Du als Journalist und Berufsautor einer der Wenigen die ich kenne, die Geschichten gegen Honorar in Zeitschriften veröffentlichen. Welchen Rat würdest Du jemanden geben, der das auch probieren möchte? Wie geht man das an?

Nachwuchsautoren rate ich: schreiben, schreiben, anbieten – und sich nicht beirren lassen von irgendwelchen Einwänden. Nicht lange überlegen (beim Schreiben schon) die Texte einfach „auf den Markt“ werfen, geht heute
viel einfacher als vor fünf Jahrzehnten….

Was ist ein Grund für Dich einen Tag nicht zu schreiben?

Nicht zu schreiben: Krank sein.

Gibt es irgendetwas, das Du gerne schreiben würdest? Etwas, das Du noch nie ausprobiert hast? Oder hast Du schon alles durch? Gibt es eine Herausforderung, der Du Dich noch stellen würdest? Irgendetwas,
wo Du sagst: ja, genau das muss ich jetzt unbedingt noch machen, darüber schreiben etc.?

Herausforderungen werden von außen herangetragen…

Ok…oder irgendeinen geheimen Traum?

Über Geheimnisse plaudere ich nicht, sonst wären sie ja keine mehr.

Würde mich trotzdem interessieren, ob Du über irgendetwas gerne schreiben würdest.

Vielleicht einmal so etwas wie Memoiren – die Erlebnisse eines Auftragschreibers oder so ähnlich. Das Leben an und für sich ist nicht so aufregend, aber die dabei gemachten Erfahrungen sind die Würze….Die Jahre vergehen eben viel zu rasch….

Gab es Phasen in denen Du sehr an Dir gezweifelt hast?

In jüngeren Jahren hat es mehr Zweifelphasen gegeben, jetzt nicht mehr…

Ist das Schreiben immer noch Dein Traumberuf? Würdest Du Dich wieder dafür entscheiden, wenn Du die Möglichkeit hättest?

Traumberuf? Ja, ich kann ja nichts anderes.

Was kannst Du „Frischlings-Autoren“ raten…gibt es Tipps, die wir noch anwenden können um vielleicht noch mehr Aufmerksamkeit zu erhalten?

Wie geht man es an? Einfach an Redaktionen die Texte senden – wenn sie ins Konzept passen, beißen sie schon an. Ratschläge gibt es zuhauf – bloß, sie müssen auch befolgt werden. Manche Kolleginnen und Kollegen überlegen zu viel, ob ihre Texte brauchbar sind….Viele Jungautoren haben von der Realität im Verlagswesen zu wenig Ahnung, dabei kann man heutzutage viel besser recherchieren als vor 50, 40 oder 30 Jahren

Was hast Du getan um Dich immer weiter zu verbessern?

Das kommt mit der Routine – ein Wort, das von vielen Jungautoren abgelehnt wird, zu Unrecht, wie ich meine. Ich bin ja kein „Dichter“, sondern einfacher Textelieferant. Angefangen habe ich nach der Devise Probieren geht über
Studieren…. wobei eine gute Ausbildung kein Hindernis ist.

Hast Du nicht auch mal eine Schreibblockade? Setzt Dich das unter Druck, oder hast Du ein Geheimnis, welches Dir schnell aus der Misere heraus hilft? Oder nutzt Du diese Phase vielleicht sogar um mal ein wenig abzuschalten? Wie schaltest du am besten ab?

Schreibblockade darf nicht sein, aber „abschalten“ kann ich schon…Nicht zulange halt. Bei einem Café-Besuch und Gesprächen mit Gleichgesinnten…

Was heißt, Schreibblockade darf nicht sein? Bekommst Du keine? Ist Dir dieses Gefühl fremd? WIE genau findest Du eigentlich Gleichgesinnte? – mir scheint das ziemlich unmöglich zu sein.

Ich befasse mich immer mit mehreren Themen, fällt mir bei einem nichts ein, wende ich mich einem anderen zu… Doch, doch, es gibt diese auch in kleineren Städten, sonst finde ich sie u.a. in Graz (Landeshauptstadt der Steiermark).
Was hältst Du davon, dass viele sich als reine Künstler sehen, die auf den Kuss der Muse warten müssen um zu schreiben?

Jeder darf sich fühlen als das, was er sein möchte (oder vorgibt zu sein).

Schreibst Du „so vor Dich hin“ seit Du nicht mehr bei dieser Zeitung bist? – Oder eher in Auftrag?

Das ist ja nur eine von mehreren Zeitungen gewesen…ich neige mehr zu Aufträgen… da ist mir das Honorar sicher! Gut, wenn man Aufträge erhält. Manche Zeitungen entlassen mitunter ihre Leute. Zeitungen entlassen Fixangestellte – die Freien sind günstiger…

Bei welchen Themen fühlst Du Dich „zu Hause“? Welche sind überhaupt nicht „Deine“?

Mit Themen wie Porno, Parteipolitik und Technik befasse ich mich als Autor überhaupt nicht, von Sport verstehe ich nichts….Zu Hause fühle ich mich bei Alltagsgeschichten, die liegen ja buchstäblich auf der Straße, man muss
nur beobachten und die richtigen Formulierungen finden…

Ist der Druck im Kollegenkreis sehr hoch? Oder mehr ein Konkurrenzkampf?

Für mich nicht, ich habe meine „Schäfchen“ im Trockenen – wenn das nicht so wäre, müsste ich ja von vorne beginnen.

Würdest Du sagen, man soll über das schreiben was man kennt/ wovon man etwas versteht?

Leser wollen ja oft das Banale lieber als „Hochgeistiges“ – auch solche Wünsche dürfen erfüllt werden. Oder doch nicht?

Hat Dich eine Kritik schon einmal tief verletzt?

Offen gesagt, schlechte Kritik habe ich noch nie erhalten – vielleicht die Redaktion oder der Verlag? Weiß ich nicht. Mit „Kollegen“ ist es oft ein Gewirkse – der Neid kennt manchmal keine Grenze…. zur Erklärung: ‚Gewirkse‘ = Ein
Knäuel von Unannehmlichkeiten, die allerdings manchmal dazu gehören – nicht jeder „Kollege“ ist ein solcher.

Gehst Du über den Markt oder ins Café und lässt Dich von den Gesprächen zu Geschichten inspirieren?

Beides, der Verlag druckt meine unter Pseudonym geschriebenen Geschichten, die Zeitungen meine Feuilletons, Glossen und Kurzgeschichten.

Beurteilst Du Kollegen die Dich um Rat fragen ehrlich? Oder bist Du sehr…sagen wir mal diplomatisch?

Eher diplomatisch, außerdem bevorzuge ich persönliche Gespräche.

Ist das als Resümee Dein Erfolgsrezept? In guter Kürze liegt die Würze.

Im Grunde schon! Ein langer Text hat max. 48.000 Anschläge, ein Feuilleton zwischen 2500 und 4800 Anschläge (damit es ins Layout passt).

Die beiden Bücher, die Du publiziert und im Vorstellungstext angegeben hast, sind leider nicht auf Amazon zu finden.

Die beiden Bücher sind längst vergriffen.

Wird es davon mal eine Neuauflage geben?

Neuauflage lohnt sich nicht.

Was bereust Du mehr? Dinge die Du getan hast, oder Dinge die Du nicht getan hast?

Eher das Zweite.

Vielen lieben Dank Hans, dass Du Dich hast befragen lassen. Es war sehr interessant. Ich wünsche Dir, dass Du auch weiterhin davon leben kannst und dass Du noch lange bei uns bleibst.

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