Ju Honisch

JuAutoreninterview Ju Honisch

10.12.2015

Das Autoren_Netzwerk freut sich, die Autorin Ju Honisch interviewen zu dürfen.

Ju Honisch studierte Anglistik und Geschichte in München. Eine Weile lebte und arbeitete sie in Irland. Inzwischen wohnt sie in Hessen. Sie schreibt Kurzgeschichten und Romane, von denen gleich zwei mit Preisen bedacht wurden: dem Deutschen Phantastik Preis (bestes Romandebut) für „Das Obsidianherz“ und dem SERAPH für „Schwingen aus Stein“. Zur Entspannung macht sie Musik und schreibt Lieder im Phantastik-Bereich.

Vieles was Ju Honisch schreibt, gehört in den Bereich der Phantastik oder ist nicht weit entfernt davon angesiedelt. Allzu niedliche Feen und romantische Elflein wird man allerdings umsonst in ihren Büchern suchen. Sie mag es spannend. Sie mag es schwarzhumorig. – Und was wäre das Leben schon ohne wenigstens ein bisschen Liebe?

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Musik

Hallo Ju, danke, dass Du Dich unseren Fragen stellst. Irland … da springe ich ja sofort drauf an … wie war es da für Dich? Wie man es sich so vorstellt?

Das kommt drauf an, was du meinst. Ich war öfter in Irland. Das erste Mal nach dem Abi für ein viertel Jahr. Dann während des Studiums noch mal als Deutschlehrerin In Killarney.
Und dann natürlich regelmäßig Freunde besuchen.
Irland ist wunderschön. Als ich dort wohnte, war es noch ein bisschen erzkatholisches Entwicklungsland. Inzwischen hat die EU es aber sehr „angeglichen“.
Damit sind ein paar alte Dinge, die ich liebte, verloren gegangen. Aber zugegeben, den Leuten geht’s heute besser.

Könntest Du Dir vorstellen, dort wieder dauerhaft zu leben und zu schreiben?

Nun, da ich vom Schreiben – wie die meisten – nicht leben kann, wäre meine Anfahrt zu meinem Day-Job ein bisschen weit „smile“-Emoticon .
Aber tatsächlich würde ich wahrscheinlich lieber mehr Zeit haben, dort herumzureisen, als dort fest zu wohnen.
Ich habe zwei Freundinnen, die Iren geheiratet haben und seit vielen Jahren dort leben. manchmal beneide ich sie ein bisschen. Und dann finde ich das Leben in unserem Land doch wieder bequemer.

Du holst Dir die Inspirationen aber dort?

Ich bekomme Inspiration nicht nur dort. Ich ziehe Inspiration aus den unterschiedlichsten Dingen. Ich liebe die irische Landschaft, aber generell bin ich eher ein Stadtmensch. Ich würde Irland unsäglich vermissen, wenn ich nicht mehr hin könnte. Aber meine Inspiration würde wohl nicht versiegen. Inspiration kommt für mich eher von innen als von außen.

Werden / wurden Deine Bücher durch die Irlandaufenthalte beeinflusst?

Ich denke schon, dass einen die Gesamtheit der Eindrücke des Lebens inspiriert. Wenn von außen gar nichts mehr käme – wer weiß? Als ich „Die Quellen der Malicorn“ geschrieben habe, habe ich die Geschichte der heiligen Quellen in Irland, die schon in der vorchristlichen Zeit als Durchgang zur Anderwelt galten, am Schreibtisch zu hause recherchiert. Erst hinterher habe ich dann eine Heilige-Quellen-Tour durch Irland gemacht und mir einige angeschaut. Es gibt Tausende. Die meisten findet man nicht. Die Iren, sonst gern bereit alles und jedes touristisch zu vermarkten, sind bei ihren Heiligen Quellen recht verschwiegen.

Wie lange schreibst Du schon? Wie bist Du zum Schreiben gekommen?

Ich habe schon in der Schulzeit geschrieben. So mit zwölf habe ich in kleine Heftchen eigene Folgen meiner Lieblingsfernsehserien geschrieben und meinen Freunden gezeigt. Dann fing ich an, mit meinen Freundinnen und mir als Heldinnen so was Ähnliches wie 5-Freunde Abenteuer zu schreiben. Immer noch in der Schule. Ich habe die handgeschriebenen und mit gruseligen Zeichnungen versehenen Bücher noch. Und zeige sie niemandem.

Schreibst Du nur im Bereich Fantastik? Oder bist Du auch in anderen Genres zuhaus?

Mein erstes richtig veröffentlichtes Buch waren Gruselgeschichten. Sie sind eben als E-Book neu rausgekommen und heißen „BISSE . 17 ungewöhnliche Geschichten“
Ich habe auch fast 300 Lieder geschrieben. Mit Melodie und allem. Mehr dazu kann man auf der Website von meiner Duo-Partnerin und mir sehen. Im Moment schreibe ich „Erinnerungen“ – ganz langweilig und ohne Monster. Mein Vater hat außerdem seine „Memoiren“ mit Anekdoten aus seinem Leben hinterlassen. Ich gestehe, ich bediene mich schamlos daran. Er hätte nichts dagegen.

Wie ging die Entwicklung beim Schreiben nach der Schulzeit weiter? Bist Du konstant drangeblieben? Oder hast Du eine längere Anlaufzeit bis zum ersten Manuskript benötigt?

Ich hatte zwischendrin immer Kurzgeschichten geschrieben. Mein erster Roman hat auf sich warten lassen. Ich war ziemlich lange mit Liedern und Kurzgeschichten, die in irgendwelchen Zines erschienen, völlig zufrieden. Und dann schrieb ich das Obsidianherz. Das ist einfach so passiert. War wie ein Rausch. Das musste raus.

Gibt es etwas, was Du unbedingt einmal schreiben / ausprobieren möchtest? Und etwas, das Du nie im Leben schreiben würdest?

Ich würde ganz sicher nie einen Ratgeber schreiben. Ich finde Lebensratgeber selbst wenig hilfreich und bin nicht der Meinung, dass meine Weisheit dazu ausreicht, wildfremden Menschen zu sagen, wie sie leben sollen, um alles richtig zu machen. Ich würde wahnsinnig gerne mal einen knackigen Krimi schreiben, in der Art der Dorothy Sayers. Ihre Krimis sind mir immer noch die liebsten. Und ihre „Schreibe“ hat mich inspiriert.

Vielleicht ein Irlandkrimi?

Schwierig. Um ein Umfeld genau darzustellen, müsste man wieder mal länger dort leben. Die irische Justiz und ihre Vorgehensweise wären auch noch zu lernen.

Wie sieht Dein Schreibplatz aus? Brauchst Du Ruhe und Ordnung? Oder hörst Du Musik beim Schreiben? Und wenn ja, welche Musik inspiriert Dich ganz besonders?

Ruhe brauche ich. Ich höre nie Musik beim Schreiben, denn sie führt mir die Feder. Lustige Musik bei traurigen Szenen? Geht nicht. Fetzige bei romantischen ? Geht nicht. Als ich meine 19. Jahrhundert Reihe (Das Obsidianherz, Salzträume, etc.) schrieb konnte ich nur Bruckner hören, weil die zeit ungefähr übereinstimmte. Aber ich fand Bruckner nicht so sehr inspirierend wie ablenkend.
Ordentlich? Ich blicke um mich und sehe Papierstapel. Ich bin nicht ordentlich. Leider. Gar nicht.

Plottest Du Deine Geschichten? Und wie gehst Du bei Recherchen vor?

Ich schreibe immer erst ein, zwei Kapitel ins Blaue. Wenn ich ein „Feeling“ für die Charaktere entwickelt habe, dann plotte ich und fang noch mal von vorne an. Allerdings habe ich die besten Ideen in der Handlung und nicht vorher. Das heißt, ich habe nur eine dünne Handlungslinie, an der entlang ich meine Ideen entwickle. Ich bilde mir ein, dass Charaktere, die gut funktionieren, ein Eigenleben entwickeln. Aus ihrem Denken heraus entwickelt sich mehr Interaktion und Handlung als am „Reißbrett“. Thema Recherchen: Ich recherchiere intensiv und wenn’s geht auch vor Ort. Bei dem Buch, das nächstes Jahr rauskommt, musste ich die Welt komplett neu erfinden. Das erste Buch, bei dem ich nicht irgendwo hingefahren bin und nach alten Dingen, Quellen, Karten, Museen u.s.w. gesucht habe.

Thema Verlag … wie sind da Deine Erfahrungen?

Verlagserfahrungen: sehr unterschiedlich.
Mein erstes Buch kam bei einem Einpersonenen-Mikro-Verlag raus, der inzwischen an kompletter Inkompetenz eingegangen ist. Der Kampf um die Rechterückgabe läuft noch. Nicht schön.
Meine 19. JH Reihe ist bei Feder& Schwert erschienen. Ein kleiner, aber feiner Verlag für Phantastik. Sehr nette Leute, die das mögen, was sie machen. Das ist nicht zu unterschätzen. Es gibt genug große Verlage, die Phantastik als eine Art Fließband-Buchstaben für Dumme ansehen und die Autoren entsprechend behandeln.
Die Quellen der Malicorn erschien bei Heyne. Die Zusammenarbeit war – wie beschreibe ich es? Kam mir vor wie Charly Chaplin, der in Modern Times, in eine dämliche Maschine reingesogen und hinten ausgespuckt wird. Nun, Heyne ist ja inzwischen fast alle seine deutschen AutorInnen losgeworden.
Mein nächstes Buch wird bei Droemer Knaur erscheinen. Bislang macht das einen guten Eindruck.
Mit ein paar engagierten Kleinstverlagen habe ich auch zusammengearbeitet bei Kurzgeschichten für Anthologien. Da waren die Erfahrungen eigentlich immer gut.

Das liest sich, als ob das Thema SP für Dich nie eines gewesen wäre. Oder wäre es auch eine Option / ein Anreiz, mal etwas in Eigenregie zu veröffentlichen?

Ich bin nicht grundsätzlich gegen Selfpublishing. Ich finde es eine gute Sache, denn es ist unendlich schwer, als Newcomer bei einem Verlag zu landen. Ich habe mehrere Jahre gebraucht und eine Agentin dabei verschlissen.
Da ich berufstätig bin und abends und am Wochenende schreibe, weiß ich nicht, wie ich die Publishing-Sache dann noch zeitlich stemmen sollte.

Das heißt, wenn Du mit Deinen Büchern bei Verlagen bist, dass diese auch die Werbung für Dich übernehmen? Denn das ist ja eines der Hauptprobleme, die das SP mit sich bringt … oder musst Du trotzdem auch größtenteils selber aktiv werden?

Die großen Verlage haben ein paar Dinge, die automatisch funktionieren: Kataloge an alle Buchhandlungen, Verlagsvertreter, Buchmessestand usw. Ansonsten muss man sich schon auch selbst tummeln. Lesungen organisieren, Werbekärtchen basteln und unters Volk bringen, online aktiv sein. Alles soweit ich das mit zwei Berufen eben kann. Manchmal wird alles etwas viel.

Thema Lesungen, wie sind da Deine Erfahrungen?

Lesungen mache ich sehr gerne. Man muss sie leider in meinem Genre – wenn man nicht gerade Bestseller-Autor ist – weitgehend selbst organisieren. Ich lese mit Begeisterung. An der Uni damals habe ich geschauspielert und ich habe ein bisschen Stimmausbildung, nehme Unterricht. Wenn ich lese, spiele ich so gut es geht die Szenen mit der Stimme.

Und wie gehst Du vor, um an Lesungen zu kommen?

An Lesungen kommen: Ich schaue mir das Programm der nächstjährigen Phantastik Veranstaltungen an und stelle mich dort mit Portfolio vor. Manches geht auch über Mundpropaganda. Lesungstermine sind auf meiner Website. Die Lesungen vom nächsten Jahr stehen noch nicht drin. Da ist noch nicht so viel spruchreif.

Vielen Dank für Deine Vorstellung hier und weiterhin viel Erfolg.

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