Svea Lundberg / Julia Fränkle

svea lundberg

Autoreninterview Svea Lundberg/Julia Fränkle

1.2.2016

Svea Lundberg oder Julia Fränkle? Hinter diesen Namen steckt ein und dieselbe Autorin.
Julia Fränkle wurde 1989 inmitten grüner Wiesen in der Nähe von Pforzheim geboren. Bereits als Kind träumte sie sich gerne in fremde Welten und begann schließlich, diese zu Papier zu bringen. Während ihres Studiums der Germanistik, Skandinavistik und Kulturtheorie verliebte sie sich nicht nur in die nordischen Ländern, sondern entdeckte auch neue literarische Genres für sich.
Am 18. Januar 2016 erschien ihr Debüt-Roman „Kristallschnee“ unter ihrem Pseudonym Svea Lundberg beim dead soft verlag. In „Kristallschnee“ erzählt Svea die Geschichte eines Polizisten und eines Sozialarbeiters, die während eines nächtlichen Einsatzes nicht nur ihre Gefühle füreinander entdecken, sondern auch in den Strudel des Drogensumpfes gezogen werden.

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Unter ihrem Klarnamen Julia Fränkle schreibt die Autorin im Bereich der Fantasy. Der erste Band eines Fantasy-Zweiteilers erscheint im Sommer 2016 beim dead-soft-Imprint tensual publishing.

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Hallo Svea, danke, dass Du Dich unseren Fragen stellst. Hast du einen Lieblingsschriftsteller?

Hallo! Puuh schwierig, es gibt so viele tolle Autoren … Bernhard Hennen, Jan Stressenreutter, Nina Blazon. Oh und ich liebe Alfred Döblin.

Wie bist Du zum Schreiben gekommen?

Ich habe mir schon als Kind gerne Geschichten ausgedacht und diese meinem Vater erzählt. Er hat mich irgendwann motiviert, diese aufzuschreiben und so bin ich sozusagen „reingerutscht“. Irgendwann hat mich die Leidenschaft nicht mehr losgelassen.

Wenn Dein Vater Dich zum Schreiben ermutigt hat, gehe ich mal davon aus, dass Deine Familie damit klar kommt und begeistert ist. Gab es auch schon mal negative Reaktionen auf Deine schriftstellerische Tätigkeit?

Meine Familie steht voll hinter mir, der Großteil des Freundeskreises ebenso. Wirklich negative Reaktionen gab es bislang nicht, aber oftmals ein verständnisloses „wie, du schreibst, wozu das denn?“ … Früher hat mich das in Erklärungsnot gebracht, aber heute erzähle ich stolz herum, dass ich schreibe.

Du musst an den Südpol, welche drei Dinge zum Überleben (keine Menschen) nimmst du mit?

Ein Paar dicke Wollsocken, eine Thermoskanne mit Ingwer-Tee und natürlich meinen Laptop.

Wann hast Du angefangen zu schreiben?

Meine erste richtige Geschichte habe ich mit 14 Jahren geschrieben (vorwiegend im Mathe-Unterricht *hust*).

Wer liest Deine Sachen als erstes?

Generell immer Annette, eine Autorenkollegin und mittlerweile gute Freundin. Ansonsten kommt es auf das Genre an: Meinen Debüt-Roman hat mein Mann gelesen, Fantasy liest eine andere gute Freundin. Und anschließend kommen verschiedene Betaleser dran.

Bedeutet ‚geboren inmitten grüner Wiesen‘ tatsächlich draußen in der Natur? Oder nur im übertragenen Sinn?

Nein, es war ganz klassisch ein Krankenhaus. Aber ich komme aus einem kleinen Kuhkaff, in dem es außer grünen Wiesen nicht viel gibt – außer eben Kühe und Schafe.

Wie bekommst Du Deine Ideen?

Woher kann ich gar nicht genau sagen. Meist sind es Szenen-Schnipsel, die mir plötzlich in den Sinn kommen. Oder ich habe eine bestimmte Figur vor Augen. Bei meinem Debüt war es so, dass ich unbedingt mal einen gut recherchierten Roman über einen Polizisten schreiben wollte und ich hatte einen einzelnen Satz vor Augen: „Daddy mag den Kristallschnee mehr als mich.“

Was brauchst Du unbedingt zum Schreiben?

Genau zwei Dinge: Meinen Laptop und eine große Kanne Tee.

Was fasziniert Dich am Schreiben?

Die Möglichkeit, in fremde Welten einzutauchen und – noch faszinierender – fremde Welten zu erschaffen, die oftmals gar nicht so fremd sind, wie man meint. Außerdem die Möglichkeit, Themen zum Ausdruck zu bringen, die mich in irgendeiner Weise beschäftigen. Und am Ende auch ein Produkt, das Buch, in den Händen halten zu können.

Hast Du einen Brotjob und wenn ja, welchen? Ich meine: Was macht man mit der Kombi der Studienfächer?

Ja, habe ich. Ich arbeite im Einzelhandel, allerdings sozusagen „fachfremd“, denn eigentlich habe ich u.a. Germanistik studiert.

Findest Du neben dem Schreiben noch Zeit zum Reiten?

Ja, zum Glück und es ist mein bester Ausgleich zum Schreiben und Sitzen am Schreibtisch. Für mich gibt es kaum etwas Inspirierenderes als über einsame Waldwege zu reiten – klingt kitschig, ist es auch.

Hast Du ein eigenes Pferd?

Nein, aber das steht auf der Wunschliste für die nächsten fünf bis zehn Jahre – ein Isländer soll’s werden.

Kannst Du Dir vorstellen, in noch weiteren Genres zu schreiben? Und wenn ja, in welchen?

Absolut! Momentan schreibe ich als Svea Lundberg im Bereich Contemporary (meist mit queeren Figuren), und unter meinem Klarnamen Julia Fränkle im Bereich (Romantic) Fantasy. Was mich z.B. reizen würde, wäre eine richtig düstere Dystopie. Als nächstes steht aber Urban Fantasy an.

Wie sieht Dein Schreiballtag aus? Hast Du bestimmte Uhrzeiten? Bestimmte Rituale? Setzt Du Dir ein Tageslimit?

Mein Schreiballtag hängt natürlich von meinem Brotjob ab. An einem idealen Tag schreibe ich schon morgens oder vormittags und gehe dann nachmittags/abends arbeiten. Zu meinen Ritualen gehört auf jeden Fall die große Kanne Tee und ein Soundtrack, der im Hintergrund läuft. Ein Limit oder Ziel für den Tag setze ich mir nur selten. Ich habe aber auch das große Glück, recht flott schreiben zu können, sobald ich in einer Szene drin bin.

Was sind Deine Pläne und Ziele für 2016? Gibt es Lesungen?

Mein Debüt ist gerade erschienen, das will natürlich vermarktet werden. Als nächstes steht u.a. die LBM an. Im Sommer erscheint der erste Teil eines Fantasy Zweiteilers. Außerdem würde ich gerne mein aktuelles Gay-Drama an einen Verlag bringen. Lesungen sind bislang nicht geplant, aber ich hoffe, dass sich bald etwas ergibt, ich hätte Lust darauf, obwohl ich natürlich auch nervös bin.

Lässt Du Dich beim Schreiben gerne von Musik inspirieren? Wenn ja, von welcher?

Ich schreibe fast immer mit Musik. Dabei ist es stark vom Projekt abhängig, was ich höre. Bei Fantasy höre ich v.a. Filmmusik, z.B. von der Serie „The Tudors“. Der Roman, an dem ich aktuell noch arbeite, hat „Habits (Stay high)“ von Tove Lo als DAS Lied zum Buch.

Hattest Du schon einmal eine Schreibblockade? Wie würdest Du damit umgehen?

Ich kann nur sagen „toi toi toi“, denn bislang wurde ich weitestgehend von Schreibblockaden verschont. Klar kann es sein, dass ich mal an einer Szene hänge. Dann überspringe ich diese oder (wenn ich nach Tagen immer noch nicht weiterkomme) überlege ich mir konkret, warum ich festhänge. Vielleicht passt die Szene doch nicht in den Plot? Oder ich habe den falschen Einstieg gewählt?

Wenn Du beim Schreiben gestört wirst, kommst Du dann gut wieder rein?

Dann gibt es erst mal Tote! *lach* Nein, auch hier bin ich eher hart im Nehmen. Wenn es nicht gerade Nachrichten sind, die mich total stressen, kann ich kleinere Störungen meist gut verkraften und bin recht schnell wieder in der Szene drin.

Wie entspannst Du Dich neben Job und Schreiben? Reiten streichen wir mal, das hatten wir schon.

Sport – ich gehe regelmäßig ins Fitnessstudio. Was auch wunderbar hilft sind entspannte Spaziergänge, egal ob allein, mit guter Freundin oder meinem Mann. Und ich mache Yoga.

War es schwer für Dich, einen Verlag für Deine Bücher zu finden oder wurdest Du sofort einkassiert?

Ich habe schon ein paar Verlage angeschrieben, aber der Dead soft verlag hat ziemlich schnell zugesagt.

Findest Du die Arbeit mit einem Lektor schwierig?

Bislang habe ich nur einen Lektor erlebt (meinen Verleger) und mit ihm hat die Zusammenarbeit sehr gut geklappt. Oh und eine meiner Betaleserinnen ist nebenberuflich Lektorin, sie haut mir ab und an auch Sachen um die Ohren. Aber ich lasse mich gerne auf Verbesserungsvorschläge ein, insofern sie sachlich und im Kontext der Geschichte logisch vorgetragen werden. Von daher: Nein, bislang fand ich die Arbeit mit Lektoren eher spannend und förderlich für die Geschichte.

Wo siehst Du Dich schriftstellerisch in fünf Jahren?

Schwierig, hoffentlich immer noch bei meinem aktuellen Verlag. Und vielleicht doch mal Selfpublishing ausprobieren?

Würdest Du Jungautoren auch unterrichten wollen? Also im Schreiben?

Gute Frage! Ich weiß nicht, ob ich momentan schon das Zeug dazu hätte, aber prinzipiell könnte ich es mir gut vorstellen. Immerhin hatte ich auch den ein oder anderen Ratgeber und Helfer.

Würdest Du gerne im Selfpublishing schreiben?

Es reizt mich definitiv und ich habe vor, es auszuprobieren. Als Einstieg fand ich es jedoch sehr hilfreich, einen Verlag an der Hand zu haben und ich möchte diese Zusammenarbeit auch nicht so schnell aufgeben, wenn überhaupt. Zum Glück geht das heutzutage ja auch parallel.

Wie organisiert bist Du beim Schreiben?

Prinzipiell recht gut organisiert. Ich erarbeite mir immer zunächst einen groben Plot, im Folgenden einen konkreteren Szenenplan. Aber wenn ich mal angefangen habe zu schreiben, kann es durchaus passieren, dass mir meine Figuren in den Plot pfuschen – aber ich liebe das!

Wie stehst Du dazu, Bestsellerautorin zu werden? Würdest Du den Ruhm begrüßen (von Menschen auf der Straße angesprochen werden, Paparazzis, Radio, Fernsehen, Presse), oder würde Dich das eher abschrecken?

Natürlich ist die Vorstellung in gewisser Weise erschreckend, aber trotzdem schreibe ich nicht nur für mich, sondern auch mit dem Ziel, gelesen zu werden. Von daher hätte ich prinzipiell nichts dagegen.

Könntest Du „auf Bestellung“ schreiben?

Wenn mich das vorgegebene Thema reizt, ganz sicher. An der Uni habe ich oft genug auch zu für mich uninteressanten Themen „auf Bestellung“ eschrieben. Zwar sind wissenschaftliches und literarisches Schreiben zwei Paar Schuhe, aber ich denke, ich könnte es.

Wann erscheint denn Dein nächster Roman?

Ja, wenn einen die Verlage da nicht gerne mal überraschen würden … Geplant ist Mitte Juli 2016 für meinen Fantasy-Roman.

Was geht für Dich schreiberisch gar nicht?

Oh schwierig. Prinzipiell denke ich, dass sehr viel geht, wenn es „richtig“, das heißt angemessen, verpackt wird. Ich persönlich sehe mich nicht in Genres wie historische Romane oder Thriller. Und auch reine Erotik sind nicht mein Ding (weder als Leser noch als Autorin), auch wenn ich vor expliziten Szenen nicht zurückschrecke. Thematisch bin ich kein Fan von Büchern, die explizit Personen durch den Dreck ziehen und ich finde auch Themen wie Kannibalismus, sexueller Missbrauch oder Ähnliches schwierig.

Könntest Du Dir vorstellen irgendwann aufzuhören mit dem Schreiben?

Definitiv nein und ich hoffe, dass es nie soweit kommt, dass mich irgendetwas dazu zwingt.

Wirst Du auf der Leipziger Buchmesse sein?

Ja, ich habe Samstag und Sonntag für die Messe eingeplant und freue mich schon wahnsinnig! Achja, zu finden meistens am Stand vom Dead soft verlag oder irgendwo in der Menge.

Hat Du schon mal was geschrieben( früher vielleicht), was Dir peinlich war?

Direkt peinlich nicht, aber wenn ich mir die Geschichten ansehe, die ich mit 14, 15 Jahren geschrieben habe, gruselt es mich schon manchmal. Aber das ist wohl der natürliche Reifeprozess …

Könntest Du Horror schreiben, oder eine Liebesschmonzette?

Horror? Nein, kein Talent, ebenso wenig wie für Thriller. Einen guten Schuss Romantik (und Drama) haben alle meine Werke, von daher wäre die Liebes… *hust* (ich will nicht Schmonzette sagen), also der Liebesroman wäre nahe dran.

Was wünscht Du Dir für Dich persönlich für Deine Zukunft außer erfolgreich zu sein?

Ganz klischeehaft: Zufriedenheit und Gesundheit. Ich möchte, wenn ich grau und zittrig im Schaukelstuhl sitze, auf mein Leben zurückblicken und für mich selbst sagen können, dass ich das meiste richtig gemacht habe und aus dem, was falsch war, gelernt habe.

Was ist Dein Lieblingsbuch/Bücher?

Jan Stressenreutters „Haus voller Wolken“ (ich habe selten so geheult wie bei diesem Buch) und sämtliche Elfen-Romane von Bernhard Hennen. Oh und ich liebe expressionistische Lyrik.

Wer ist Dein Lieblingsbösewicht?

Ganz klar: Severus Snape! Und Orgrim, ein Troll aus Bernhard Hennens Elfen-Zyklus. Wobei die beiden ja nicht wirklich nur Bösewichte sind.

Hast Du ein eigenes Auto? (Scherzfrage, rein rhetorisch)

Ich antworte trotzdem: Ja, einen kleinen, putzigen Ford KA.

Was ist Deine heimliche Leidenschaft?

Hmm Mangos und Ingwer-Tee?

Was würdest Du gerne heute noch schreiben?

Nach der wunderbaren Fragerunde? Nichts mehr! *lach* Doch, ich glaube, ich schreibe noch einen Teil des Exposés zu meinem aktuellen Roman.

Du hast Dich tapfer geschlagen, hat Spaß gemacht. Vielen Dank für Deine Zeit. Weiterhin viel Erfolg für Dich und alles Gute.

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