THEATERTEXTE Bauernstaat: Europa Trilogie Teil 3 – Volker Lüdecke

theatertexte_Bauernstaat10.02.2016

Theatertexte
Bauernstaat, Teil 3 der Europa Trilogie von Volker Lüdecke
Im Februar 2008 wurde Bauernstaat, der dritte Teil der Europa Trilogie von Volker Lüdecke, an den Bühnen der Stadt Gera, Großes Haus, uraufgeführt. Die Komödie handelt von den gesellschaftlichen Umbrüchen in den neunziger Jahren. Das im Jahr 2000 vom Berliner Dramatiker Volker Lüdecke geschriebene und zuerst beim Verlag Felix Bloch Erben in Berlin veröffentlichte Theaterstück spannt einen Bogen von den Folgen des 2. Weltkriegs über die Bodenreform bis zur europäischen Integration.
Ein durch die Bodenreform der DDR enteigneter Bauernhof wird an die greise Besitzerin zurückerstattet, die nun ihren Sohn dazu auffordert, vom Kantinenkoch zum Landwirt zu werden. Dessen Familie hat jedoch andere Interessen und die Agrarförderpolitik der EU ist vor allem für Großbetriebe gedacht.
So bleiben nur alte Seilschaften als Lösung, über die eine Nachbarsfamilie zu verfügen scheint, da sie scheinbar so prächtig von der Plan- in die Marktwirtschaft herüber gefunden haben. Die Familien sind auch privat verbandelt, doch jeder individuelle Traum von einer Zukunft unterscheidet sich gravierend von denen der anderen Familienmitglieder. Als Bückwitz, der Sohn der Altbäuerin, sich schließlich für ein Leben auf dem Land entscheidet und auf den aberwitzigen Plan seines Nachbarn Nitsch vertraut, zerbröseln die Familien immer mehr. Die Fliehkräfte der Möglichkeit zur individuell freien Entscheidung zerren immer stärker an den ans Kollektive gewöhnten Bürgern. Die kurze Zeitspanne, sich für ein neues Leben zu entscheiden, tut ihr Übriges, auch die Generationen immer weiter auseinander driften zu lassen. Das digitale Zeitalter entfaltet neben neuen Chancen auch die Verdrängung von Wirklichkeit, was sich besonders bei der jungen Generation bemerkbar macht.
Die Grenzen sind offen, aber die Geschäftemacher aus dem Westen strömen in den Osten Deutschlands und fühlen sich triumphierend als historische Sieger. Das Wegbrechen von Gewissheiten erzeugt bald ein Gefühl des Taumelns bei denjenigen, deren Zukunft altersbedingt im Ungewissen liegt. Doch es bleiben den wehrhaften und kernigen Figuren auch noch Witz und Schläue in jener Ära voller Chancen und zerbrochener Herzen.

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