Bernd Daschek

bernd daschek

Autoreninterview Bernd Daschek

15.2.2016

 

Das Autoren_Netzwerk freut sich, den Autoren Bernd Daschek zum Interview begrüßen zu dürfen.

Bernd Daschek, 1963 in Berlin geboren, lebt und arbeitet dort, ist verheiratet und hat drei Kinder. Nach langjähriger Tätigkeit als Elektrotechniker holte er während der Familienphase sein Abitur nach und studierte dann Geschichte und Philosophie. Er schreibt seit Anfang 2014 erfolgreich und errang Finalteilnahmen und 1. Plätze bei Literaturwettbewerben. Neben seinen bisher vier Romanen hat er zahlreiche Kurzgeschichten, Dramen, Glossen und Essays in Anthologien sowie nationalen und internationalen Literaturzeitschriften veröffentlicht, von denen er die besten gerade in einer Sammlung: „Nonkonformismus-Socken: Politische Glossen & Essays aus dem Niemandsland“, herausgebracht hat. Seit Kurzem betätigt er sich als Herausgeber und hat mehrere Projekte mit Kollegen, die bald in Buchform erscheinen werden. Demnächst sind Hörbuchproduktionen geplant, sowie die Veröffentlichung mehrerer Romane 2016, darunter der Start einer mehrbändigen Reihe: „Notizen vom Planeten West – Berlin“.

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Hallo Bernd, wir freuen uns schon auf die Antworten zu unseren Fragen. Du bist unter anderem auch sehr aktiv und engagiert als Lektor bei unseren Autoren_Netzwerk – Anthologien. Wie bist Du dazu gekommen, Lektorat anzubieten?

Durch schlechte andere Lektorate.

Merkst Du im Lektorat einen Unterschied zwischen den Texten von Verlagsautoren und Selfpublishern?

Der Verlagsautor kennt Lektorate. Das ist einfacher, weil der Schock dann kleiner ist.

Macht es Dir Spaß junge, neue Autoren zu lektorieren? Gab es auch schon mal ein Lektorat, das Du abgelehnt hast?

Ja, „junge Autoren“, egal welchen Alters, machen viel Freude, wenn sie mitmachen. Deshalb lehne ich nur solche ab, die absolut beratungsresistent sind. Das waren keine Geschichten, sondern so Selbstmitleids … Dementsprechend auch nicht für Leser geschrieben, eher reine Verbalonanie – sorry, war so.

Hast Du schon mal einen Text, den Du zum Lektorieren bekamst, einfach unbearbeitet zurück geschickt, weil er so mies war?

Nie ohne Kommentar. Die Bearbeitung macht erst Sinn, wenn der Plot steht. Da gebe ich dann zunächst Anregungen, um den hinzubekommen. Wenn der Autor wirklich will, geht alles. Übrigens sind Zeichensetzung und Rechtschreibung nie ein Problem dabei. Das ist einfach PillePalle.

Was liest Du am liebsten? Welche Bücher liest Du heute gerne? Hast du Lieblingsautoren?

Philosophischen Krempel. Die üblichen Verdächtigen: Eco, King, Süskind, Follett, Remarque, Platon, Schiller, Brecht, Rilke und so

Was brauchst Du unbedingt zum Schreiben, Musik, ein Glas Wein oder einfach nur Ruhe?

Was ich brauche ist ein PC – sonst nichts. Meine Sauklaue kann keiner lesen.

So viele Bücher. Sehr beeindruckend … Wann hast Du das erste publiziert?

Im Mai 2014 kam meine erste Belletristische Geschichte raus.

Was war für Dich das schönste an Deiner Kindheit? Was erinnerst Du?

Bis wann geht Kindheit? Erwachsen bin ich noch nicht so richtig.

In welchem Genre schreibst Du?

Ich versuche alle Genre – außer vielleicht Maya Punk. Ich habe vom Märchen bis zur Hardcore-Erotik eigentlich schon alles herausgebracht.

Wie gehst Du mit Störungen beim Schreiben um?

Störungen? Durch meine Kinder oder den bohrenden Nachbarn? – Hm, ich arbeite nachts, da geht es!

Und wann schläfst Du dann?

Vier Stunden reichen!

Was inspiriert Dich, die Bücher zu schreiben?

Inspiration: Simpel, die Welt retten. Botschaften so unterbringen, dass es keiner merkt.

Polareule … Wieviel Daniil Stephanowitsch Wolkow steckt in Dir? Verbindet Dich etwas mit dieser Person?

Die Polareule ist von meiner Frau. Die habe ich nur begleitet und herausgegeben.

Schreibt Deine Frau in den gleichen Genres?

Sie probiert sich noch, ist aber eher in den gefühlvollen Sachen tätig.

Heimflug ins Ungewisse … hast Du selber Flugangst?

Nee, keine, aber genug technisches Verständnis dafür, dass die Dinger sehr fragil gebaut sind.

Du strandest in einer Eiswüste, drei Dinge (keine Menschen) die du zum Überleben brauchst?

Warme Klamotten natürlich. Hm, keine Menschen? Sinnloses Dasein! Würde mich nem Eisbären zum Fraß vorwerfen.

Was wünschst Du Dir von der idealen FB-Gruppe für Autoren?

Eine nur mit Autoren zum Austauschen und Helfen. Ohne Dienstleister und Dunstkreis.

Wie schaltet so ein Vollblutschreiberling ab? Und wie kanalisierst Du all Deine Ideen?

Kanalisieren kann ich nicht. Ich schreibe einfach drauflos.

Denkst Du, man entwickelt sich als Autor immer weiter? Ist Deine Schreibe heute besser als sagen wir mal vor 5 Jahren?

Definitiv.(Kommentar der Ehefrau)

Welchen Eindruck durch Deine Bücher usw. möchtest Du auf dieser Welt hinterlassen?

Klingt vielleicht blöd, aber: habt euch lieb! Nicht so der Hilde Ansatz (Hilde Willes Anm. d. Admin.) aber das gleiche Ziel!

Was würdest Du nie schreiben, Bernd?

Hm, gibt es da was? Nee, ist alles eine Herausforderung was die Genre angeht, nur gewisse Inhalte nicht.

Gedichte, mein lieber Bernd, die solltest Du nicht schreiben. (Einwurf der Ehefrau)

Versprochen, Gedichte nur für dich!

Wenn Du drei historische Persönlichkeiten zum Schreiben oder einer Lesung einladen könntest, welche wären das?

Einstein, Kant und Sokrates.

Was schreibst Du denn am liebsten?

Zeitgeschichtliches – das richtige Leben!

Kannst Du Dir vorstellen, irgendwann nicht mehr zu schreiben?

Zurzeit nicht, hab da irgendwie mein Ding gefunden. Und als alter Sack gibt es sonst nicht viele Möglichkeiten.

Wenn Du Dir eine Superkraft aussuchen könntest, welche wäre das?

Nu – äh, noch mal äh. Mit 20 hatte ich die – hätte sie gern wieder.

Wie alt warst Du bei Deinem ersten Werk?

Mit 11 ein Liebesbrief an meine Freundin. Mit 12 für ne Schülerzeitung. Dann fürs Radio.- dann 50 für die erste Belletristik.

Gibt es die berühmte Schreibblockade?

Schreibblockaden gibt es nicht. Mache immer drei Sachen auf einmal. Ok, zurzeit sind es 20, das ist heftig.

Hast Du schon mal was geschrieben, was Dir im Nachhinein peinlich war?

Ja, meine Frau überzeugt mich jedes Mal, dass mir meine Gedichte peinlich sein sollten.

Wenn Dein Leben einen Soundtrack hätte, welcher wäre es?

Gettysburg oder die glorreichen Sieben.

Wie intensiv plottest Du?

Plotten – tja, die Geschichte steht eigentlich, bevor ich loslege. Jedoch nur im Kopf, das geht als Freak. Ich weiß, bei den anderen nicht.

Machst Du auch mal Urlaub vom Schreiben?

Urlaub nur wenn’s nötig ist – mein Garten sieht aus … Aber ich bin gern zu Lesungen unterwegs und in anderen Städten mit meiner Frau.

Machst Du auch Lesungen in Süddeutschland?

Ich nehme eigentlich jede Gelegenheit wahr, die machbar ist, weil Lesungen und die Interaktion mit den Hörern einfach Spaß machen. Nun sind meine Kontakte im süddeutschen Raum eher dürftig, aber was noch nicht war, kann ja noch kommen.

Wer liest Deine Sachen als Erstes?

Erstleser ist immer meine Frau. Dann geht’s zu Claudia Wieland.

Wenn Du eine Figur aus ‚Die Nibelungen‘ sein könntest, wen würdest Du wählen?

Brünhild, jedoch überlasse ich dir, dies zu interpretieren.

Wem gibst Du den Vorzug, Goethe oder Schiller?

Ganz klar Schiller, obwohl ich den Faust liebe.

Woher kommt Dein überragendes Grammatikwissen? Viele studieren, aber das ist schon außergewöhnlich.

Aus der Not. Ich brauche Regeln, um zu verstehen. So kann ich aus der Schwäche eine Stärke machen.

Für wie hoch hältst Du Deine Sozialkompetenz?

Sozialkompetenz. Schwierig. Ich arbeite dran. Klar, hab ich da Schwierigkeiten. Nichts, was man nicht lernen könnte.

Magst Du Spontaneität oder eher Routine?

Beides – Idee kommt spontan. Handwerk braucht Routine. Hab ich vielfach noch nicht. Bin noch weit im Lernprozess.

Klassische Musik oder Modern?

Beides – oder noch mehr. Gehe gern in Konzerte. Spielte in einer Punk-Band, mache Folk. Äh, gibt nur atonale Musik, die ich nicht mag.

Was hasst Du am meisten beim Schreiben. Das Schreiben oder das Überarbeiten oder etwas anderes?

Ich hasse gar nichts. Überarbeiten mache ich im engeren Sinne auch nicht, sondern versuche möglichst gleich druckreif zu schreiben, gehe dabei immer von vorn neu durch. Klappt natürlich nicht, aber dafür habe ich Frau und Lektorin.

Wenn Du die Wahl hättest: mit welchem Genre würdest Du am liebsten einen Bestseller landen?

Mein Herzstück, auf das alles zuläuft: „Micha: Notizen vom Planeten West-Berlin“ soll, nein muss ein Bestseller werden. Davor ist nur Spielen und Übung.

Gibt es ein Genre, in welchem Du nie schreiben würdest?

Eigentlich ja nicht, aber vor Krimi, Horror und historischen Roman scheu ich mich zurzeit ein wenig, weil da ein sehr eingeengtes Leserverständnis verbreitet ist. Ich will nicht, dass meine Bücher dort zerrissen werden – SF war schon ein Wagnis. Deshalb verpacke ich diese dann in „Mix-Genres“: Sex & Crime, Historisches mit Mystik usw. Das macht sie weniger angreifbar.

Wenn Du einen Wunsch frei hättest, was würdest Du Dir wünschen?

Zeit, viel mehr Zeit. Das Leben mit dem Schreiben und den Kollegen ist gerade wunderschön. Könnte ich 48 Stunden am Tag haben!

Was ist für einen Autoren Deiner Meinung nach wichtiger, eine tolle Rechtschreibung, incl. Satzbau oder eher die Idee hinter der Geschichte und die Ausdrucksweise des Autors?

Du kannst keine Geschichte erzählen, wenn das Sprachwissen nicht stimmt. Die tollste Geschichte ist ohne gute Erzählweise – doof! Das eine geht ohne das andere nicht. Extrem gesehen, ist der größte Blödsinn schön erzählt für mich wertvoller, als die tollste, aber unlesbare Geschichte.

Lieblingsantagonist?

Ich habe da nen Mafiaboss aus nem Sex & Crime Roman. Der ist Spitze, richtig ekelig.

Wenn ein angesehener Verlag käme, Suhrkamp z.B. … Würdest Du dann schwanken? Annehmen? Ablehnen?

Suhrkamp – kommt auf die Freiheit an, die ich brauche. Drei abgelehnte Verträge von mir bei anderen haben sehr viel Zeit gekostet. Der Verlag, der mich nimmt, wie ich bin, kann mich haben!

Was ist Dein aktuelles Projekt?

Ein „Schauergeschichten-Projekt“ mit Dorothe Reimann und Claudia Wieland. Etwas Politisches mit einer engagierten Autorin, der ich auch beim Herausgeben helfen möchte. Eine breit angelegte Erotik-Anthologie mit Hailey Romance und vielen anderen interessanten Autorinnen – ich glaube, wir sind nur zwei Männer – kann übrigens noch jeder dazu stoßen, der möchte. Dann mache ich seit Kurzem bei „Anthologie zu Gunsten von Herzenswünsche e.V.“ von Alexander Grun mit. Sucht, glaube ich, auch noch Mitstreiter. Die Autoren_Netzwerk Antho 2 natürlich.
Eigene Vorhaben in Endbearbeitung: Ein Gay-Romance – und ein historischer Vampir Roman. Eine Bi-Sex-, eine hetero Sex-, eine Dystopie- und eine Fantasie-Romance-Novelle. Sex & Crime: Neuauflage von „Auf Mädchenart“, „Die Milch macht’s 2“, „Johny Donwitch“ (russische Märchenadaption) – und daaaan mein ein und alles: „Der erste Frühling hieß Kerstin“ – Band 1 der Reihe „Micha: Notizen vom Planeten West-Berlin“. Und noch ein paar andere Sachen. Ach so – ne erotische Kurzgeschichtensammlung kommt bald.

Was möchtest Du gerne schreiben, bist aber noch nicht dazu gekommen?

Eine Western-Adaption des „The Hallelujah Trail“ von John Sturges als Prequel der Heldinnen meiner Sex & Crime Reihe.

Recherchierst Du?

Recherche hängt vom Genre ab. Meine erste Geschichte (10 Seiten) war mit vor Ort Recherche, Feldmessungen und Archivwuseln verbunden. Die nächste mit gar nichts.

Was rätst Du einem Jungautoren, wenn er Dich fragt, wie er vorgehen soll?

Ganz wichtig!!!! Geht aber ein wenig in die Länge, um es richtig zu beantworten. Deshalb, jeder der diese Frage hat kann sich gern an mich wenden. Ein paar Tipps will ich auch noch in der Antho-Gruppe geben (Autoren_Netzwerk – Sommer und Mehr). Aber den richtigen Start zu fördern, liegt mir echt am Herzen.

Wie schaffst Du es, an 20 Projekten parallel zu arbeiten, Dich aktiv an Gruppen zu beteiligen und für so viele KollegINNen zu lektorieren? Wie behältst Du da die Fäden in der Hand bzw. im Kopf?

Bin ein Freak – manche nennen es Krankheit oder Behinderung – ich finds toll, gerade beim Schreiben.

Was machst Du am Liebsten, wenn Du nicht schreibst und nicht lektorierst? Was machst Du um den Kopf wieder frei zu bekommen, wenn Du so viele Projekte bearbeitest?

Angeln – komm aber nicht mehr zu. Äh, ach so, das andere wäre sehr privat. Ich liebe den vollen Kopf. Was schöneres kann ich mir nicht vorstellen. Aber, jeden Abend hör ich Filmmusik zum Abschalten.

Hast Du Dich schon mal richtig verzettelt?

Klar. Verzetteln ist mein zweiter Vorname.

Wovor hast Du so richtig Angst?

Das ist einfach – vor dem Hass. Der Menschen untereinander oder auch, wenn er in mir hochkommt. Das ist der Feind, den es zu bekämpfen gilt.

Vielen Dank für das außergewöhnlich interessante Interview.Für Deine Zukunft und Deine Projekte wünschen wir Dir ganz viel Erfolg und alles Gute.


 

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