Gedichtewettbewerb: Ellen Wolff – Nebel

Gedichtewettbewerb

Nebel

Es ist das Moor, von wo er kam.
Kalt und grausig kriecht er an,
Unter die Jacke, unter die Haut.
Er kommt zu dir, ist niemals laut.

Er lähmt dich, nimmt Schnelles dir.
Den Atem schwer, den Puls verlier.
Die Hände kalt, sie fassen nichts, klamm.
Er nimmt dich gefangen in seinen Bann.

Ertrinken wirst du, erreicht er deinen Mund.
Er kühlt deine Kehle, macht eisig den Schlund.
Und doch kannst du gehen, voran Schritt für Schritt.
Er lässt dich nicht los, hält mit dir mit.

Die Kälte, das Feuchte, es ist um dich rum.
Kriecht in dich rein, macht träge und dumm.
Wo ist der Weg, das Ziel, das Heim?
Werd ich es finden, bleib ich allein?

Die Zeit sie steht, im Dunkel, Im Grau.
Doch warte ab, du weißt ganz genau
Der Morgen erwacht, er wird ihn lichten.
Die Sonne vertreibt und wird ihn richten.

Er lässt dir zurück das Wasser zum trinken.
Nicht schwer, nicht grau, nicht zum versinken.
Glitzernd und hell auf den Gräsern zum werden.
Das Wasser für alle hier auf Erden.

So fluche nicht über den kalten Mann.
Er hinterläßt das, was er kann.
So kalt, so grau,
So hell, so klar.
Fühle ihn, tanze und breche den Bann.

von E. Wolff

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2 Kommentare zu Gedichtewettbewerb: Ellen Wolff – Nebel

  1. papps sagt:

    gut gemacht. gratuliere

  2. Karin Thaler-Marfort sagt:

    brrr…Schauder über meinen Rücken…ganz tolles Gedicht!

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