Gedichtewettbewerb: Katharine Loster – Zwei Uhr in der Nacht

Gedichtewettbewerb

Zwei Uhr in der Nacht

Ein dünnes Stimmchen: „Mami bitte, mir ist so kalt!“
Die Zähne klappern, der Körper glüht.
„Schatz, ich bin ja da. Gleich wird’s besser.“
„Mami bitte, halt mich fest!“
Der Schüttelfrost zieht ein. Das Kind bebt.
„Mami bitte, mein Kopf tut so weh!“
„Schatz, alles wird gut. Ich verspreche es.“
Das Fieber brennt. Es tobt wie ein Orkan.
Weder Wadenwickel noch sonst was hilft.
Das Kind würgt alles raus. Übelkeit hat ein neues Zuhaus.
„Mami bitte, mir ist so schlecht!“
„Mein kleiner Schatz, es geht vorbei.“
Die Arme schweißnass und kalt.
Die Beine blau marmoriert und auch ganz kalt.
Das Fiebermittel ist am Maximum, nicht seit jetzt, seit Tagen.
Der Notarzt überfordert: „Es ist halt so.“
Das Krankenhaus ist überfüllt.
Die Turnusärztin lapidar: „Das nächste Krankenhaus ist auch noch da.
Mit dem Auto 30 Kilometer sind nicht weit.“
Panik macht sich breit.
Hilflos sitzt die Mutter da und gibt doch nicht auf.
Das Gesichtchen wird immer bleicher.
Die Augen ohne Glanz.
„Mami, bitte!“, dann ist es still, mein Kind.
Es atmet – noch!

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