Gedichtewettbewerb: Regina Werner – Die Ballade vom Mädchen im Wasser

Gedichtewettbewerb

Die Ballade vom Mädchen im Wasser

Was machte das Mädchen im Wasser
zu dieser seltsamen Zeit?
Es war im frühen Dezember,
und sie hat sich aufs Kino gefreut.
Über der Stadt hing die Dämmerung.
Und sie war noch so jung.

Und keiner weiß, wie es geschah.
Ein letztes Signal gab ihr Telefon –
dann war sie nicht mehr da.

Es war mitten im Dezember,
als man überall Zettel sah,
die fragten: wo ist Anja M.?
Sie ist plötzlich nicht mehr da!
Wieder lag Dämmerung über der Stadt,
und die Leute kauften, denn Weihnachten naht´.

Und keiner wusste, wo sie war.
Ein letztes Signal gab ihr Telefon –
dann war sie nicht mehr da.

Als ich über die Brücke ging
– das Jahresende war nah -,
fiel mir der Zettel auf, der dort hing,
auf dem stand, dass man Anja vermisst,
der Zettel, der fragte, wo sie ist.
– Und sie war keine fünfzig Meter von da.
Schlingpflanzen hielten sie dort, wo sie war.

Und (k)einer weiß, wie es geschah.
Ein letztes Signal gab ihr Telefon –
man fand sie im Januar.

Nun ist bald wieder Dezember, und Anja, das schöne Mädchen aus dem Fluss, geht mir nicht aus dem Kopf. Immer wenn ich an der Stelle vorbegehe, wo es passierte, denke ich an sie. Ich weiß, dass es vielen so geht. Noch immer weiß keiner, wie es geschah. Doch vielleicht kommt eines Tages alles ans Licht. Anja, wir vergessen dich nicht!

Geschrieben im Oktober 2010

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