Gedichtewettbewerb: Maja Loewe – IN DER STILLE

Gedichtewettbewerb

IN DER STILLE zwischen zwei Herztönen, vor meinem nächsten Atemzug, wenn die letzte S-Bahn schnurrt (im Betriebshof wird sie ihre Räder kühlen; den Spuren des Tages nachfühlen) und die Katzen ihre lästigen Lieder über die Einsamkeit singen, sich der Feinstaubhimmel in Wolken aus Zimt über die Dächer biegt, da denk ich mir deinen Schatten an die Wand und dein Gesicht neben meines, ich schieße ein Selfie in meinem Kopf, wie wir da liegen, in Liebe zugewandt (keine Netzhaut, keine Speicherkarte wird es jemals sehen) und wir schlafen miteinander ein.

Ich taste meine Träume nach uns ab, meine TRÄUME, das Indigo, das Karmesin, die kleegrünen Wiesen und die ausgebleichten; mein Verstand, die Pinselspitze, lässt Wasser auf uns tropfen, für einen Moment sind wir eins, dann aufgelöst, unsre Farben treiben auseinander, himmelwärts.

AM MORGEN DANN find ich uns nicht; und auch nicht dich; nur drei Milane, dort draußen vorm Fenster im Liebesflug.
Zwei fliehen Richtung Sonne.

Ich weiß, du wirst fort sein.
Nein, ich weiß, du bist fort.

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Ein Kommentar zu Gedichtewettbewerb: Maja Loewe – IN DER STILLE

  1. Armin Reinke sagt:

    Ich habe in der letzten Zeit viel gelesen und betreibe ja auch meinen Blog mit Gedichten: Meine Hochachtung an die Dichterin. Dies ist, mit Abstand, der schönste Beitrag.

    LG Armin Reinke

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