Gedichtewettbewerb: Bernd Daschek – Homophilphobilie

Gedichtewettbewerb

Homophilphobilie

Hallo Leute, ich heiß‘ Carsten Platt
Bin der geilste Kerl in unsere Stadt
Ich bin toller als du denkst
Du suchst `nen Hengst, der‘s dir besorgen kann
Da bin ich richtig, so wichtig, ein echter Mann

Ich bin zwar nicht hell
Doch meine Karre ist schnell
Mein Alter ist reich
Hat Kohle wie `n Scheich, die streich‘ ich gleich ein
Girls stehn‘ auf mich, machen zum Stich auseinander die Bein‘

Mach es ihr im Maserati
Nehm sie durch auf dem Flokati
Hält sie nicht still
Ich weiß wie sie‘s will, bekommt’s was in die Fresse
Hab sie im Bann, dann spielt sie nicht mehr die Kesse

Für Schwule habe ich nur Hass
Ihr Getue ist mir viel zu Krass
Richtig ist allein
Ein Kerl zu sein, das heißt für mich
Sie zu nehmen, ihr‘s zu geben, ob sie will oder nich‘

Meine Zukunft ist klar
Ich werd‘ `nen Star
Wenn da nicht der Willy wäre
Sofort ich auf ihn höre, er zeigt mir, wer ich wirklich bin
Schenkt mir die Harmonie, ich knie‘ mich gerne vor ihm hin

Vorher, da war ich ein Arsch
Nun nimmt den Willy ziemlich harsch
Rammt ihn rein mir den Verstand
Dafür dankend meine Hand, hat mich gezähmt mit seiner Güte
Er bot mir Einhalt – Gewalt kommt nicht mehr in die Tüte

Die Mädchen vorher Freiwild waren
Sanft ist besser, bin mir im Klaren
Zärtlich streich ich ihr durchs Haar
Denn sie ist einfach wunderbar, Willy spendet auch Applaus
Ist alles einfach, mach‘ ich’s mit Gabi oder Klaus

Gefühl versteck’ ich nun nicht mehr
Lieb zu sein, fällt mir nicht schwer
Bewusst geworden ist mir
Hab‘ mich benommen wie ein Tier, musste erst zum Homo werden
Um ein Mensch zu sein auf Erden

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