Gedichtewettbewerb: Jana Peter – Hamburg, Bahnsteig 12

Gedichtewettbewerb

Hamburg, Bahnsteig 12

Der Zug fährt ein, noch einmal blicke ich mich um,
vergebens, nur fremde Leute sind um mich herum.
Abschiedsküsse, Blumen, Schmerz und Tränen,
Menschen, die sich ihrer Gefühle nicht schämen.

Wo bleibst du nur? Kein Parkplatz oder stehst du im Stau?
Meine Augen suchen dich, im Magen wird es flau.
Eine Frau drückt mir ihr strampelndes Baby in den Arm,
sie steigt ein, keine Zeit für Konversation und Scham.

Neben mir wischt ein alter Mann seine Tränen fort,
er winkt, bleibt zurück, für ihn wird es ein einsamer Ort.
Gedränge, Rufe, die Stimme aus dem Lautsprecher dröhnt,
ein Junge fällt, schreit auf und sein besorgter Vater stöhnt.

Bist du noch böse? Unser Streit erschien mir nicht so schlimm,
auch wenn du das denkst, da lief doch nichts weiter mit Tim.
Schon immer warst du es, der mir so schnell verzieh´,
deine Mutter wusste: „Er spürt was geschieht!“ Recht hatte sie.

Der Schaffner pfeift, es wird Zeit, oben stehen Leute Spalier,
ich könnte es nicht ertragen, wenn ich dich heute Abend verlier´.
Du springst die Rolltreppe runter und siehst dich nach mir um,
das Herz schlägt laut, fragende Augen, mein Mund bleibt stumm.

Die Frau nimmt mir das Baby ab, herzlich dankt sie mir dafür,
zu spät für Erklärungen, schnell wirfst du noch Rosen durch die Tür.
Tausend Gefühle und du hinter Fensterglas, nun fährt der Zug an,
ein letzter Handkuss, bin froh, wenn ich dich wiedersehen kann.

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