Gedichtewettbewerb: Reimer Eilers – Elvedina

Gedichtewettbewerb

Elvedina

In der Altstadt Sarajewos,
unter bunten Lampenschirmen,
saß die junge Frau am Abend,
stets die Tante zur Begleitung.

In den Augen stand ein Leuchten
wie von einem fernen Sterne,
trank sie Tee im bunten Treiben
auf den Gassen Sarajewos.

Unter allen Kupferschmieden
war Osman der jüngste Meister.
„Schau, die Tante ist verschwunden!“
Eilends trat er zu der Schönen.

„Du erwiderst keine Blicke.
Trotzdem hast du mich getroffen.
Sag mir bitte deinen Namen,
dass ich weiß, an wen ich denke.“

„Einstmals hieß ich Elvedina,
doch du kannst ihn nicht behalten.
Meinen Namen nahm ein Jüngling
mit sich hinter sieben Berge.“

Bleicher stand der Mond im Osten.
„Zu den feindlichen Soldaten
rief die Heimat meinen Liebsten.
Und nun frag nicht, was sie taten.“

„Vielleicht tanzt er in der Disko,
die sie dort Enigma nennen.“ –
„Dragos Herz ist ein Geheimnis,
wie die Berge, die uns trennen.“

„Heilt die Zeit nicht alle Wunden?“
Bunte Lichter schaute Osman.
„Meine Mutter macht Baklava.
Ich will dir den Tee versüßen.“

Doch die schöne Elvedina
rief nach ihrer alten Tante.
„Manche treiben frische Triebe,
manche sterben mit der Liebe.“

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