Gedichtewettbewerb: Timo Arnold – Nur ein Lächeln

Gedichtewettbewerb

Nur ein Lächeln

Lasset mich euch heut erzählen
Wie ich einst hab müssen wählen
Ob ich glaube, was ich sehe
Ich konnt es nie mehr vergessen
Von der Sache, ich gestehe
Bin ich heute noch besessen
Sein Gesicht zeigt nur ein Lächeln

Auf dem Platz wo Weiber waschen
Burschen einen Blick erhaschen
Auf die pralle Pracht der Damen
Händler Waren präsentieren
Speis und Trank und Blumensamen
Würde er umher flanieren
Sein Gesicht zeigt nur ein Lächeln

Wie ein eleganter Herr, der
Schaut die einfach Leut‘ stolziert er
Lässt die braven Bürger starren
Misst jeden Schritt fein säuberlich
Voll Erwartung lange harren
Der Mann scheint fast gar königlich
Sein Gesicht zeigt nur ein Lächeln

Er bleibt nun stehen, sieht sich um
Es ist als fragte er sich stumm
Ob was er plante richtig sei
Ein Schulterzucken folgt darauf
Es scheint als seis ihm einerlei
Gleich nimmt das Schicksal seinen Lauf
Sein Gesicht zeigt nur ein Lächeln

Er schaut umher mit kühlem Blick
Dann zieht er Messer – gleich zwei Stück
Eifrig Pirouetten drehend
Auch die Klingen tanzten heiter
Hüpfend, springend, niemals stehend
Stechend, schneidend, immer weiter
Sein Gesicht zeigt nur ein Lächeln

Menschen sterben, fallen nieder
Blutbefleckt und immer wieder
Flehen manche um ihr Leben
Schreien sie hinaus die Qualen
Was ist nur des Mörders streben?
Wofür müssen sie bezahlen?
Sein Gesicht zeigt nur ein Lächeln

Endlich ist der Tanz geschehen
Und der Mörder bleibt nur stehen
Er lässt seine Waffen fallen
Eingerahmt von toten Leuten
Steht er schweigend – Schritte hallen
Wachen, die jetzt auf ihn deuten
Sein Gesicht zeigt nur ein Lächeln

Schnell sind seine Händ gebunden
Er im Kerker, unumwunden
Die noch Leben sind erschüttert
Wünschen ihm den Tod in Bälde
Dass er hoch am Galgen zittert
Er verscharrt wird auf dem Felde
Sein Gesicht zeigt nur ein Lächeln

Hoch auf seine letzte Bühne
Steigt er, um zu leisten Sühne
Ist bereit den Strang zu kriegen
Um den Hals, den er soll brechen
Die Gerechtigkeit wird siegen
Dies wird all die Toten rächen
Sein Gesicht zeigt nur ein Lächeln

Nun ist seine Zeit gekommen
Zu empfangen von dem frommen
Gottesmann die letzten Worte
Trauervoll spricht der von Sünde
Kündet von dem rechten Orte
Wo die Seelenwage stünde
Sein Gesicht zeigt nur ein Lächeln

Doch der Priester springt nach vorne
Schreit und zetert, flucht im Zorne
Mörder! Bestie! Ungeheuer!
Dämon! Unhold! Monster! Satan!
Du sollst schmorn im Höllenfeuer!
Komme nie mehr wieder fortan!
Sein Gesicht zeigt nur ein Lächeln

Nun des Mannes letzte Stunde
Ist gekommen und im Grunde
Weiß er, was wird nun geschehen
Er blickt in des Henkers Augen
Gleich wird seine Seele gehen
Was soll dieser Tod schon taugen?
Sein Gesicht zeigt nur ein Lächeln

Endlich öffnet sich die Falltür
Und der Mörder tanzt die Schlusskür
Seine Taten waren feige
Und es dauert bis er tot ist
Langsam geht die Luft zur Neige
Seelenruh als sich der Sarg schließt
Sein Gesicht zeigt nur ein Lächeln

Die Erinnerung wiegt schwer noch
Als die Kiste sinkt ins Erdloch
Spricht der Priester einen Segen
Doch die Seel ist längst entflohen
Nun ist er dem Fluch erlegen
Es wird neues Unheil drohen
Sein Gesicht zeigt nur ein Lächeln

Bald wird es beginnen wieder
Seine Quest ist nun luzider
Und die Tat wird noch perfider
Leben ist ihm so zuwider
Sein Gesicht zeigt nur ein Lächeln
Und auch meins zeigt bald ein Lächeln

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