Geschichte des Tages: Bernd Daschek – „Hurra, es ist ein …“

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Geschichte des Tages

„Hurra, es ist ein …“

„Es ist ein Homo Smartphonis!“, verkündete der Geburtshelfer freudestrahlend. Der glückliche Gesichtsausdruck ging sofort auf das stolze Elternpaar über. Hatten sie doch ihrem Nachwuchs den entscheidenden evolutionären Vorsprung verschafft. Ob das neugeborene Humanoidenkind nun weiblich oder männlich war, musste abgewartet werden. Die zuständige Kommission für die Harmonisierung von Schnittstellen tagte noch, und da es bisher keine Quoten für das Stecker- oder Buchsengeschlecht gab, konnte die Entscheidung für das richtige Implantat hinausgezögert werden.
Vorsorglich hatte man das Gerät, welches die überflüssige linke Hand des neuen Erdenbewohners ersetzte, mit einer Wechselschale ausgestattet. Ob Zartrosa oder Hellblau; die Zulieferindustrie wartete bereits auf die Eckdaten. Auf runde Ecken hatten die Gen-Designer ebenso verzichtet, wie auf mögliche Apfelbrüstchen eines weiblichen Homo Smartphonis. Unnütze Patentstreitigkeiten mussten vermieden werden, da dieses neue und revolutionäre Produkt der industriellen Reproduktionsmedizin sofort Marktreife erlangen sollte.
Und, es funktionierte gleich einwandfrei: Zielsicher wählte der goldige Neuankömmling „Shout“ von „The Isley Brothers“ als Klingelton für seinen ersten Schrei und bewies damit auch Retrofähigkeiten.
Der Genialität von Dr. Blue Berry hatte es die Menschheit zu verdanken, dass der absehbaren Überlegenheit von Formen einer KI, der künstlichen Intelligenz, Paroli geboten werden konnte. Nach jahrelangem Innovationsstillstand kam dem Kommunikationspionier Blue Berry die Notwendigkeit des Homo-Pimpens bei einer Fußballsimulation in den Sinn. Hielt er sich selbst für die perfekte Symbiose von Messi und Christiano Ronaldo, spielte er gegen die Computer-KI dann doch eher Lahm.
Als erster nahm Blue Berry die Symbiose von Mensch und Smartphone wörtlich und verstärkte sein Entwicklerteam für das Projekt Homo 2.0 mit dem Genetik-Guru Dr. Frank N. Stein. Wegen des gescheiterten Remakes von „Hello, Dolly!“, drückten Frank N. Stein Finanznöte, weshalb er umgehend zusagte und das Prinzip „zwei Ohren, zwei Sim-Karten“ mitbrachte.
Nun warteten alle gespannt am kleinen Bettchen auf weitere Reaktionen des Bluetooth-fähigen Wonneproppens. Eine kurze Schrecksekunde, als der Ladebalken in den Augen stehen blieb, dann auf dem Display „FATAL ERROR: NExL Plugin not found“ erschien und das Mündchen ständig „Kein Netz“ plapperte.
Ohne Zögern forderte Dr. Frank N. Stein: „Schwester, schnell das Update!“ Der Intensiv-Informatische-Eingriff hatte Erfolg. Der Umsatz war gerettet.

Aus: Bernd Daschek; Nonkonformismus-Socken: Politische Glossen & Essays aus dem Niemandsland

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