Gedichtewettbewerb: Sebastian Flicker – Der Traumfänger

Gedichtewettbewerb

Der Traumfänger

Wie schön er schwingt,
ich hab ihn an einem Baum aufgehängt!
Nun tanzt er im Wind!

Die Blume des Bösen keimt in meinem Herzen,
war verloren durch all` diese Schmerzen!
Hab weder Aug` noch Ohr zur Ruhe bekommen
und bin nah` nur dem Wahnsinn entronnen.

Dieser Traumfänger erhörte mein verzweifeltes flehen!
Hat den Alp vertrieben mit seiner endlichen Grausamkeit,
mit Schrecken und hoffen, welches die Menschheit entzweit!
Nun kann mein Ich endlich wieder in Träumen vergehen
und morgens wieder, aus frischen Strahlen, neu entstehen!

Sitze oft an meinem Baum,
ergötze mich an dem eingefangenen Grau`n.
auch an den Raben, die sich nicht nur an dem Anblicke erbau`n.

Schlafe schon seit Tagen wieder schlecht,
mein Traumfänger, er verliert seinen Zweck.
Ein zweiter, der meinen Frieden verfecht`?
Muss einen finden, heute Nacht am Fähr-Eck!

Dieser Anblick nimmt einen gefangen!
Wie kurz ist doch des Lebens Spann`!
Sitze bei meinem Baum, neben dem Mann,
den ich gerade habe aufgehangen.

Durch die Rippen pfeift der Wind mein Wiegenlied,
wie beruhigend auch der Raben Chor,
mit ihrem Kauen, mit ihrem Reißen, welches das Fleische vom Fänger schied.

Durch diese Grausamkeit verlor
ich doch glatt den Zwang zu wachen.
Mein Traumfänger verlor ein Ohr
und der Alp sein Lachen.

Sebastian Flicker

pen-1035081_1920

Dieser Beitrag wurde unter Gedichtewettbewerb abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.