Geschichte des Tages: Yvonne Lahmann – Bananen

typewriter-1007298_192002.05.2016

Geschichte des Tages

BananenIm Wirtshaus *Zum krummen Weg* lagerten im Kellergewölbe drei Kisten Bananen und eine Sandkiste. Geheimgnom Vonnadelöhr seines Zeichens Hofschnitter der weiblichen Bekleidung von oben und unten, wurde beauftragt, die Kisten zum Graspalast zu überführen.

Zwei Stunden später ging die Fahrt los. Der Kutscher schnalzte und die 6 Zottelböcklinge setzen sich in Gang und zogen gemächlich samt Kutsche und Inhalt los. Es ratterte und knatterte, gleichwohl der Steine auf der Straße. In der Kutsche saßen nun ein gut gelaunter Vonnadelöhr und Pellinoir, ein kleiner, dicker Oger. Oger sind ja eigentlich für ihre betrübende, omenlastige und unheilbringende Gemütslage bekannt. Pellinoir war anders, er war aufgeweckt und neugierig.

Die Bananenkisten waren auf dem Dach, die Sandkiste jedoch war bei dem ungleichen Gespann auf der Sitzbank. Der olle Kutscher sang ein hurtiges Liedchen von Goorgh, das von Kriegen, Siegen und Fliegen, handelte. Das wilde Geholpere durch den dichten Straßenverkehr zur abendlichen Zeit, störte den Sangeskünstler auf dem Bock nicht.

In der Kutsche summte Vonnadelöhr das alternde Volkslied mit, während Pellinoir nur noch Augen für die Sandkiste hatte. Diese Kiste war aus feinstem pulvererisierten Drachenstein, Sand für die Wechseligen und Sturmiden, blaugrün schimmernd, es glitzerte und zog den Oger immer mehr in seinem Bann. Die Sandkiste der Prinzessin Zablonje, was da wohl drinne war? Pellinoir rutschte hin und her. Der Geheimgnom beäugte den wirbeligen Oger und kicherte, holte einen Trinkschlauch hervor. Er ploppte den Verschluss auf und trank in großen Schlucken Druzilienwein, rülpste und furzte laut. Er lachte umso lauter. Er hielt dem Oger den Schlauch hin. Pellinoir tat es ihm gleich, bis auf das Furzen, das wollte nicht gelingen.

»Vonnadelöhr, was ist In der Kiste?« Wollte Pellinoir nun wissen.
»Sieh doch rein, aber wunder dich nicht, wenn du später ohne Kopf bist« Feixte der Gnom.

Neugier ist und war auch nie gesund, das hielt Pellinoir jetzt aber nicht mehr ab.
Langsam öffnete er die Kiste, als würde er befürchten, gleich würde sein Kopf abfallen. Darin befand sich eine Papyrusrolle. Pellinoir entrollte sie und begann zu lesen:

»Betrachtungen einer Prinzessin Danno Ogeri 5613 a. O.! In einer Zeit als es noch hell war auch in der Nacht vor den ersten Goorghen Kriegen, war es Brauch auch Hell zu Sehen. Man sah in die Zeit, man sah zurück, aber immer sah man Hell. Mein Name ist Zablonje und ich bin…!«

Bevor Pellinoir auch nur noch ein Fitzelchen lesen konnte, kullerte auch schon sein Kopf zu Boden. Den hatte er verloren. Der Geist des Ogers fuhr mit Getöse aus dem Körper und war entsetzt sich so, ohne Kopf zu sehen.

Geheimgnom Vonnadelöhr lachte schallend, packte die Rolle behutsam zurück in die Kiste. Dann öffnte er die Tür, tratt den Ogerkopf nach draußen. Der titschte draußen wie ein flummiger Schlachtenball über die Straße ins Feld. Dann zog er den Körper zur Kutschentüre und entsorgte auch diesen. Platsch!

»Ich hatte dich gewarnt Pellinoir« Frotzelte nun der Gnom, wusste er doch, das Geister nicht mehr reden können. Sie können nur rappeln oder zappeln, mit viel Glück aber auch Dienstgespenst werden.

So kam es, das nur Vonnadelöhr eine Banane zum Frühstück essen konnte, Pellinoir schmollte scheinbar rappelnd. Dabei wusste der Oger doch, Bananen im Beisein, eines frischen Geistes, sind tödlich. Da kippte der Gnom auch schon von der Bank.

Ende oder so!

Mila EnWood © 2016 Copydingse

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