Geschichte des Tages: Ben Po – Fundstücke

typewriter-1007298_192007.05.2016

Geschichte des Tages

Fundstücke

Schweigend blickte er noch ein letztes Mal zurück. Entschlossenheit, steht in seinen harten Gesichtszügen. Strähnig, dunkel hingen ihm seine Haare ins Gesicht und werden vom Nieselregen pausenlos frisch befeuchtet. Das Zucken der Blitze beleuchteten für kurze Momente die bleich, glänzende Haut.´´Was treibt dich hier heraus, kleiner Mensch´´, dröhnt es in seinem Kopf,´´Warum bist du hier?´´ Die Antwort auf die Frage nach dem Grund seines Handels, ist pure Ungewissheit, rein emotionales Handeln. Einen Fuß vor den anderen, versinkend im schlammigen Grund, verschlingend, fast so als will diese Welt nicht dass er geht. Mit jedem weiteren Schritt krallen sich neue Lasten an seine Beine, laden sich ihm auf. Egal wie schwer dieser Weg auch wiegt, wie weit dieser Berg auch steigt, der Entschluss steht fest. Ein Lachen hallt durch seinen Kopf:´´Ein Entschluss? Wozu hast du dich denn entschieden kleiner Mensch?. Ist deine Entschlossenheit auch die Entscheidung welche du wähltest oder war der Entschluss ein Zwang heraus aus der Emotion´´, Aufgabe?

Ein lautes Donnern kracht durch den Himmel.

Aufgeben, aufhören, kapitulieren? Wie angenehm sich diese Worte anhören. Es muss halt erst einmal Krieg herrschen bevor es Frieden geben kann. So sind wir konstruiert, emotional gebaut, zum Zerstören geboren. Es liegt in unserer Natur, doch inwiefern kann sich jeder gegen sein eigenes Schicksal wenden. Wofür kannst du dich entscheiden und wenn wird es sich dann überhaupt auswirken, vor allem was würde sich verändern? ´´Die Welt dreht sich auch ohne dich kleiner Mensch. Deine Existenz ist nicht von Bedeutung´´. Wenn das stimmt was hat dann Bedeutung?
Seine Schritte werden schwerer und stolpernder. Er droht zu stürzen, doch er fängt sich mit den Armen auf. Seine Hände im Dreck, sein Haupt gebeugt, doch sein Stand ist fest. Noch. Seine Finger krampfen, dann reißt er seinen Oberkörper hoch und schreit laut auf. Der Regen fällt Tropfen für Tropfen auf seine Haut, perlt ab und stürzt mit seinen Brüdern und Schwestern in die Tiefe.
´´Was würde es verändern, wenn ich weiter lebe?´´, seine Stimme geht im donnernden Klang unter. Ein Gefühl als Grundlage des Handelns,wäre der optimale Grund einer Tat…aber niemals sinnig bei etwas Endgültigem. ´´Schwach, kleiner Mensch?´´.´´ Niemals war ich schwach, ich habe immer gekämpft! Alles gegeben. Doch ein einziges Mal will ich entscheiden was geschieht, und dann bin ich schwach?´´ Der Wind brach ab, der Donner verstummte, die Tropfen fielen weiterhin, doch nur vereinzelt erklang ein Platschen welches im Echo Klang abschwoll.
Sein Körper erhob sich. Seine Fäuste schlossen sich fest. Der nächste Schritt wirkte wieder entschlossen. Nach wenigen Metern konnte er in den Abgrund sehen. Wenn er sprang, dann würde er noch einmal frei sein, bevor alles endete…
Er brach in die Knie. ´´Schwach?´´. War er schwach? War der Instinkt zu leben zu stark? War der Wunsch nach mehr einfach noch nicht ausgereift?
Weinend brach er aus, sein Laib stürzt vorüber und er fällt.
Fallend wie die Tropfen, fügt er die Fundstücke seiner Existenz zusammen.
Er verstand.
Er wachte auf…
´´Verstehst du jetzt Kleiner Mensch?´´
Sein Atem schnell…sein Sehen klar…sein Fühlen wahr…
Doch wo bist du?
Er sieht dir in die Augen und seine Lippen fragen dich:
´´Bist du zu schwach, kleiner Mensch?´´

 

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