Gedichtewettbewerb: Ben Ba – Dein Abendstern

Gedichtewettbewerb

Dein Abendstern

Guten Abend mein Herr, Du hast mich gebannt.
Im himmlischen Maße schon lang mir bekannt. (1)
Einst war ich schon Dein, als Ištar bekannt.
Und später dann wurd‘ ich Aphrodite genannt, (2)
Doch als Abendstern Deiner in die Ferne verbannt. (3)

Dein Leben läuft ruhiger, so nahm ich Dich wahr. (4)
Pirouettierend tänzelst Du durch Dein Jahr. (5)
Vom Schauspiel gefesselt, träum‘ ich mich Dir nah.
Mitnichten es ahnend kochst Du mich doch gar.

Seither nun am Tage, nebst gleißendem Licht (6)
Meines Bruders am Himmel, versteck‘ ich mich schlicht. (7)
Verschleierte Wahrheit gefällt ihm zwar nicht, (8)
Doch aus Liebe zu mir wahrt er mein Gesicht.

Ich sammle im Schatten die Kraft und den Mut
Um mich Dir zu zeigen in feurigster Glut. (9)
Prachtvoll will ich strahlen beim ersten Salut.
Derweil zoll‘ ich heimlich Dir meinen Tribut.

Erd-Schwere ergeben stehst fest hier im Jetzt. (10)
Mit beiden Beinen im Leben, hast Du nicht gehetzt. (11)
Von gelassener Kühle war ich erst entsetzt. (12)
Doch Herz stockt, inner-Beben, als Du mich entdeckst.

Lass mich Dich (ver-)führen mit meinem Glanze. (13)
Dein‘ Blick will ich spüren, wenn ICH für DICH tanze.
Erst zögerlich blüht auf – diese Romanze.
Doch Wollust im Nacken, geh‘ ich bald aufs Ganze! (14)

Meine feurige Aura, sie lodert im Licht.
Voll Leidenschaft für Dich tanz‘ ich ganz erpicht.
Doch auch Schamesröte steigt mir ins Gesicht,
Whilst mein Tanz vor den Sternen betört und besticht. (15), (16)

Nach all der Zeit endlich, Zeit meines Verzichts,
Wird sich alles ändern, da Du mich erblickst. (17)
Nun hältst du die Augen und Ohren gespitzt.
Ich spüre Begehren, das tief in Dir sitzt.

Die Freude im Herzen ist langsam erwacht.
Und allein durch mein Antlitz ward Dein Feuer entfacht.
Dein sanft-pochend Herz war – durcheinander gebracht.
Seither auf mich wartend, stets kurz vor der Nacht. (18)

Am Firmament über Stunden, wenn Du mir nachstellst,
Zeremoniell immer abends, Deinen Blick auf mir hältst:
Falle ich hilflos vom Himmel, während Du mir verfällst. (19)
Zugleich vertraue ich darauf, dass Du mich auffängst. (20)

Mein feuriges Lächeln strahlt hell wie ein Stern.
Doch bin ich mitnichten Dir wirklich so fern. (21)
Schwörst Du mir die Treue, und tust dies auch gern,
Will ich bei Dir verweilen, bei Dir, meinem Herrn.
Tags drauf dann erblüh‘ ich als Morgenstern. (22)

Deine Venus

– 1 seit Entstehung des Sonnensystems
– 2 Ištar = Aphrodite, aus dem (irdischen,) schäumenden Meer geboren
– 3 an den Horizont
– 4 Orbit größer, dadurch auch zeitlich länger
– 5 Erdrotation und Sonnenumlaufbahn
– 6 Sonnengott Šamaš, Bruder von Ištar
– 7 von der Sonne überstrahlt
– 8 sanftmütiger Gott der Wahrheit (Gerechtigkeit, Rechtsprechung & des Wahrsagens)
– 9 glühende Hitze der Planetenoberfläche und Atmosphäre
– 10 irdische Schwerkraft
– 11 von schnellerer Umlaufbahn beobachtet scheint die Erde eher ruhig und starr
– 12 kühle (Wasser- & Gesteins-) Oberfläche
– 13 führen: Stern von Bethlehem
– 14 Ištar als Göttin der sexuellen Begierde
– 15 whilst = engl. während
– 16 Tanz: scheinbare Venusbahn vor den Fixsternen
– 17 in Erdnähe am hellsten leuchtend
– 18 in der Abenddämmerung, wenn langsam die Planeten und später die Sterne sichtbar werden
– 19 zum Horizont „fallend“ allein durch Erdrotation, ohne Einfluss der Venus
– 20 augenscheinlich aufgefangen von der Erde am Horizont
– 21 etwa ein Millionstel der Entfernung zum nächsten Stern (unsere Sonne ausgenommen, die hier besonderen Stellenwert einnimmt)
– 22 einige Monate Abendstern, dann nicht sichtbar, dann Morgenstern

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