Petra Weise

Petra Weise

Autoreninterview Petra Weise

9.5.2015

 

Das Autoren_Netzwerk freut sich, die Autorin Petra Weise zum Interview begrüßen zu dürfen.

Ich wurde 1954 in Freiberg/Sachsen geboren.
Deutsch war in der Schule mein Lieblingsfach, am liebsten schrieb ich Aufsätze oder kleine Theaterstücke, die ich gemeinsam mit meinen Klassenkameraden aufführte.
In der Bergakademie Freiberg erlernte ich den interessanten Beruf eines Bibliotheksfacharbeiters für wissenschaftliche Bibliotheken. Später leitete ich eine Bibliothek in einer Agraringenieurschule und nach dem Umzug nach Ost-Berlin die Bibliothek der Medizinischen Fachschule.

1981 lebte ich in Hessen und nutzte meine viele freie Zeit als Hausfrau und Mutter zweier Kinder, um die „Schule des Schreibens“ in Hamburg zu absolvieren und Kurzgeschichten zu schreiben. 15 dieser Kurzgeschichten veröffentlichte ich im Dezember 2014 über den BoD-Verlag in meinem Erstling „Eine verhängnisvolle Diagnose“ und habe seitdem auf diesem Weg drei weitere Bücher veröffentlicht. In all meinen Geschichten und Romanen erzähle ich von meinem mehr oder weniger selbst erlebten Alltag.

Wenn ich nicht schreibe oder lese, spaziere ich gern mit meinem Hund durch die umliegenden Wälder oder spiele Klavier. Ich liebe gutes Essen und dazu ein Glas Wein, sehe mir gern Reportagen oder Alltagsfilme im Fernsehen an.

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Hallo Petra, danke, dass Du Dich unseren Fragen stellst. Wie viel von DIR steckt in Deinen Büchern?

Eigentlich bin ich überall irgendwie dabei in meinen Geschichten – nicht unbedingt dort, wo ich die Ich-Erzählform wähle.

Wie alt warst Du, als Du angefangen hast zu schreiben?

Schon in der Schule schrieb ich gern Aufsätze. Gelernt habe ich das „richtige“ später in einer Hamburger Fernstudie.

Nach dem, was in Deiner Vorstellung steht, hast Du ja jede Menge mit Büchern zu tun gehabt. Wie kam es, dass Du Dich entschlossen hast, selbst zu veröffentlichen?

Ich schreibe gern und mag alles, was ich geschrieben habe und gehe davon aus (bin eben auch im hohen Alter naiv), dass andere meine Ergüsse lesen wollen.

Was brauchst Du zum Schreiben?

Ruhe.

Zweifelst Du oft an Deinen Geschichten? Wie motivierst Du Dich?

Nein – ich habe eine Idee oder irgendeinen Gedanken, der mich quält und schreibe es auf. Motivation ist in meiner Disziplin – ich habe feste Schreibzeiten.

Seit wann spielst Du Klavier und inspiriert Dich Musik zum schreiben?

Ich lernte als Kind, aber mein Vater war viel zu streng und verdarb mir die Lust. Seit fünf Jahren habe ich ein richtiges tolles ganz altes Klavier und habe täglich meine Freude am Spiel.

Was bedeutet das Schreiben für Dich?

Meine Gedanken zu sortieren und mich BIS ZUM ENDE ausdrücken zu dürfen, ohne dass mich einer unterbricht.

Kannst Du Dir vorstellen, mal etwas ganz ANDERES zu schreiben, als das was Du bis jetzt geschrieben hast?

Nein – ich schreibe NUR und prinzipiell Alltägliches, Reales, Wirkliches, selbst Erlebtes.

Was regt Dich beim Schreiben auf?

Wenn mein Mann mich stört – grrrrrr.

Wie gehst Du mit Störungen beim Schreiben um?

Ich bin ein typischer Sanguiniker. Ich habe Schaum vor dem Mund. Aber ich wehre mich generell verbal.

Wie sieht Deine Veranstaltungsplanung für dieses Jahr aus, gibst Du Lesungen?

Meine nächste Lesung ist Pfingsten (Samstag und Sonntag) während der 12. Kunst offen neben zwei Malern. Mir gefällt das Lesen und das will ich künftig verstärken.

Wer liest Deine Sachen als erstes?

Mein Mann, aber der äußert sich nie. Mein Sohn liest auch, aber der mag meinen etwas kühlen Schreibstil nicht.

Wie wichtig sind Dir Testleser?

Sehr wichtig, aber ich fand bisher nur zwei. Manchmal sind meine Gedanken nur in meinem Kopf und der Leser ahnt nichts davon – dann geht leider einiges unter, was ein guter Testleser verhindern könnte.

Welche Veröffentlichungswege bevorzugst Du, Print oder E-Book?

Print – aber natürlich auch E-Book, was mehr gekauft wird.

Verlag oder SP?

SP, bisher alles über BoD.

Wolltest Du schon immer schreiben?

Ja – ich schreibe auch Tagebuch. Ich fing als junge Frau damit an, als wir nach Berlin zogen und ich meine vielen Verwandten nicht mehr um mich hatte.

Liest Du viel, gerne, und wenn ja, was?

Ich lese jeden Abend von 21 bis 23 Uhr. Heute beginne ich mit VeroKAa: Fluch(t).

Wer sind die prägendsten Schriftsteller Deiner Kindheit gewesen?

Als Kind Aitmatov.

Du hast ja eigentlich immer mit Büchern zu tun gehabt. Was für ein Beruf wäre für Dich noch in Frage gekommen?

Ich war in einer wissenschaftlichen Bibliothek – da gab es Markscheidewesen, Bergbau usw. Vielleicht noch Stewardess, aber ich fliege nicht gern. Jetzt muss ich mir das Fliegen nicht mehr antun – meine Kinder hatten keine Ahnung von meiner Flugangst oder Panik in Tunneln, was ich ihnen selbstverständlich alles locker geboten haben.

Welche Leidenschaften, außer dem Schreiben und Klavier umgeben Dich noch? Sport?

Sport nie! Ich lebe gesund und bin der volle Genießer. Ich spaziere mit Hund gemütlich durch den Wald.

Bist Du auf den Buchmessen präsent, bzw. kann man Deine Bücher dort finden? Bist Du auf der Buch Berlin?

Bis jetzt noch nicht. Ich habe den Termin (18.-20.11.16) im Kalender – aber ich weiß noch nicht, ob ich wirklich fahre.

Wie wichtig ist Dir Marketing?

Nun – ich weiß, dass ich dafür selbst verantwortlich bin und treibe mich seitdem hier auf Facebook rum – zum riesigen Glück für mich, denn dadurch habe ich Euch kennengelernt!

Was für Marketing machst Du?

Nur hier auf Facebook und ich habe immer Visitenkarten einstecken und labere alle Leute unterwegs an.

Leidest Du beim Schreiben nochmals? Wenn ich schreibe, erlebe ich alles nochmals, darum die Frage, lache, weine und mehr. Danach fühle ich mich gut.

Beim Schreiben leiden? Naja – leiden ist das nicht – eher zufrieden, wenn ich mich selbst berühre. Natürlich lache oder weine ich manchmal beim Lesen (weniger beim Schreiben), aber ich leide nicht – ich bin ein reiner Gegenwartsmensch.

Über was kannst Du schallend lachen in Büchern?

Wortwitz, lustige Begebenheiten.

Welchen „Komiker“ magst Du?

Keinen – ich finde immer die Stelle zum Lachen nicht – ist mir immer zu übertrieben. Ich mags nicht plump und unter der Gürtellinie.

Hast Du ein Lektorat-Korrektorat?

Nein – außer Katharina Rambeaud und die Schule des Schreibens hat noch niemand meine Sachen lektoriert – ich habe es mal versucht, aber da sollte ich so viel ändern.

Du musst ganz alleine an den Südpol. Du darfst keine Menschen mitnehmen. Drei Dinge, die Du zum Überleben brauchst.

Ich nehme eine Packung Schlaftabletten, eine Flasche Wodka und irgendein x-beliebiges Buch mit, damit das Drama schnell eine Ende hat.

Wofür dann das Buch?

Um mich abzulenken von meiner Panik vor dem Ende.

Würdest Du eine Veröffentlichung in einem großen Verlag, bspw. Heyne in Erwägung ziehen oder käme das nicht in Frage?

Vielleicht wäre ich mit Geld bestechlich, obwohl ich diesbezüglich total resistent bin. Man braucht es wirklich nicht, weil alles, was für Geld zu haben ist, ersetzbar ist.

An was arbeitest Du im Moment?

An einer Ausschreibung über Berlin und meiner Fortsetzung meines Romans „Ein halbes Leben“.

Autobiografie?

Ja – komplett, obwohl ich wegen des roten Fadens viel wegließ, was sicher auch interessant wäre.

Was inspiriert Dich zu Deinen Geschichten?

Immer Selbsterlebtes oder wie bei den Liebeslügen die abartigen modernen Lebensarten der Familien in meiner Verwandtschaft (habe 25 Cousinen).

Wie sehen Deine nächsten Projekte aus?

Außer meinem Roman diverse Anthologien und Ausschreibungen. Das muss ich erst einmal zu Ende bringen.

Außer Prosa auch Lyrik?

Nur Kurzgeschichten und Romane. Als Kind habe ich gedichtet – jetzt nicht mehr.

Du bewertest gerne andere Bücher und ich finde, daraus ist viel Erfahrung, gute Einschätzung zu entnehmen.

Möglich – ich gebe eben gern meinen „Senf“ dazu. Aber ich bewerte auch Bücher, die mir nicht gefallen aus reiner Ehrlichkeit.

Welche drei historischen Figuren wären bei Dir zu Tisch wenn Du die Wahl hättest?

Ich habe mit Geschichte nichts am Hut – ist vorbei, vergangen und vergessen.

Auch keine alten Schriftsteller? Wie wäre es mit Goethe?

Vielleicht Ingeborg Bachmann, aber die ist mir vielleicht zu depressiv – oder Bernhard Schlink, obwohl der Typ Anwalt ist. Goethe? Den stelle ich mir schleimig und ziemlich abgehoben vor und somit gar nicht interessant.

Wer ist Dein strengster Kritiker?

Großes Fragezeichen – mein Sohn vielleicht oder Bernd Daschek.

Würdest Du auch in Zeitschriften veröffentlichen? … und schon diesbezüglich Versuche gestartet?

Früher mal und meine Bücher preise ich in der lokalen Presse bzw. deren Redakteuren an.

Was machst Du bei einer Blockade?

Ich sitze tapfer meine Zeit ab – nein, ich mache grobe Notizen und recherchiere.

Gibt es etwas, auf das Du besonders stolz bist?

Dass ich trotz allem noch lebe – nein, ich bin nach wie vor gutgläubig und naiv – ist nicht weiter tragisch.

Worüber, denkst Du, könntest Du niemals etwas schreiben?

Fantasie und Horror.

Würdest Du Aufträge als Ghostwriter annehmen?

Eher nicht.

Wenn Du es Dir aussuchen dürftest: Wo würdest Du leben wollen?

Ich lebe hier genau richtig – früher wollte ich immer nach Österreich, aber im Alter wäre das reine Dummheit – hier in der Stadt habe ich alles fußläufig und das Erzgebirge vor der Haustür – ich mag sowieso Traditionen.

Wenn Du ausschließlich über Erlebtes schreibst, gibt es da auch etwas, was Dir später peinlich erscheint?

Naja – ich verrate nicht alles in meinen Geschichten.

Wie wichtig ist Dir Recherche?

Bei Zeit- und Ortsangaben schaue ich sicherheitshalber nach (hoch lebe das Internet!).

Was sagt Deine große Familie mit der absurden Lebensweise dazu?

Mein Mann trägt es mit Fassung – er ist mir VIEL ZU gefasst!!!!! – zu meiner Riesenfamilie habe ich nur aller zwei Jahre Kontakt zu einem großen Cousinentreffen mit meist um die 50 Leute.

Findest Du in Deinem persönlichen Umfeld Anerkennung und Verständnis für Dein Schreiben?

Eher nicht – vielleicht bin ich zu anspruchsvoll.

Kannst Du Dich trotzdem durchsetzen, ohne Dich „komisch“ zu fühlen?

Früher fiel mir das erheblich leichter, da machte ich mir keine Gedanken. Heute möchte ich niemanden verletzen – das ist bei meinem offenen und lauten Wesen ziemlich unmöglich – darunter leide ich.

Was ist Dir wichtiger als das Schreiben?

Eindeutig mein Mann. Wir sind seit 43 Jahren verheiratet. Ich wollte mal mit meinem Mann zusammen ein Buch schreiben – unser Leben ist recht abwechslungsreich und er schreibt gut – aber er ist faul – dabei hätte ich mir Geschehnisse aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln supergut vorstellen können.

Wenn Du ein Kochbuch schreiben würdest, welche Rezepte würde ich finden?

Schweinegulasch mit Sauerkraut und böhmischen Knödeln und natürlich Spaghetti.

Gibt es einen Autor/in, dessen Bücher Du gerne liest?

Naja – ZWEI Geschichten von Ingeborg Bachmann (Der Fall Franza) oder einiges von Bernhard Schlink, aber eben nicht alles – mein Weltbild hat damals dramatisch Carré mit der Libelle verändert – in diesem Jahr steht Micaela Daschek bei mir ganz oben.

Dein Lieblingsbuch?

Der Fall Franza.

Schreibt Dein Sohn auch?

Nein – zum Glück! – er liebt lange verschachtelte Sätze, die kein Mensch kapiert.

Magst Du auch keine Worte, die nicht in unsere schöne deutsche Sprache gehören?

Ich stelle mich diesbezüglich dumm und verstehe dieses Denglish nicht.

Wie lange bist Du jetzt im Netzwerk und hat es Dich weiter gebracht?

Etwa seit einem guten Jahr – ich bin SEHR gern hier – meine Männer verachten Facebook und würden mir deshalb niemals helfen bei meinen vielen technischen Problemen.

Was ist Dein größter Wunsch?

So zufrieden zu leben wie jetzt und endlich endlich endlich in Rente gehen zu dürfen.

3 Wünsche hast Du frei, welche?

Meine Rente (nie mehr fremdarbeiten zu müssen), jedes Jahr zweimal in die Alpen und Riesenerfolg mit meinen Büchern.

Wenn Du noch eine Sprache sprechen würdest? Welche?

Ich habe mal russisch, englisch, französisch und italienisch mehr oder weniger geradebrecht, aber das brauche ich alles nicht mehr, weil ich mich außer in Deutschland nur noch in Österreich aufhalten (Bayrisch, Platt verstehe ich perfekt).

Was wäre wenn Du im TV in eine Talkshow eingeladen würdest, hättest Du Lampenfieber?

Ganz bestimmt. Leider habe ich viel Temperament, das viel zu schnell mit mir durchgeht – sagt mein Mann, aber ich bin nicht gläubig.

Was bereitet Dir am meisten Freude?

Mein Alltag. Da ist alles drin, was ich mag: Waldspaziergänge mit dem Hund, gutes Essen, Lesen, Fernsehen, Klavierspielen und SCHREIBEN.

Vielen lieben Dank für das Interview, Petra und weiterhin viel Erfolg.

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