Gedichtewettbewerb: Elu Suam – Oma und der Pflegenotstand

Gedichtewettbewerb

Oma und der Pflegenotstand

Als Oma noch richtig gesund war,
gut zu Fuß und im Geist ganz klar,
da haben wir viel zusammen gemacht
und oft laut und kräftig gelacht.

Basteln, Bude bauen, Vorgelesen,
Spielplatz, Kino, Nordsee – schön gewesen!
Dann ging es los, langsam und schleichend.
Sie vergaß alles … herzerweichend.

Als das Essen dann öfter völlig verbrannt,
Schlüssel im Kühlschrank, Datum unbekannt,
Da sagte Mutter, nun ist Schluss.
Sie kommt ins Heim, weil ich arbeiten muss.

Gesagt, getan – Es wurde gemacht.
Sachen gepackt, Oma weggebracht.
„Wo bin ich, was soll ich? Helft mir doch!
Ich glaube, ich fall‘ in ein ganz tiefes Loch.“

Die Angst war groß. Sie lief durch’s Haus.
Türen geschlossen, sie kam nicht raus.
Sie rief um Hilfe, es wurde schlimmer.
Die Schwester brachte sie schließlich auf’s Zimmer.

Keine Zeit noch etwas länger zu bleiben,
Oma zu trösten und dort zu verweilen.
Sie musste weiter, der Nächste rief.
Wenn sie nicht aufpasste, ging alles schief.

Arztvisite und Problem erklärt.
Da haben sich doch diese Tabletten bewährt.
Die Angst, sie ging, keine Unruhe mehr.
Unsere Mutter erleichtert, freute sich sehr.

Gott sei Dank, sie ist nicht mehr traurig.
Doch leider wurde es richtig schaurig.
Oma saß nun in ihrem Sessel, sehr oft,
Ganz anders als Mutter es hat erhofft.

Sie wirkte müde, das Kinn auf der Brust.
Wenn wir das nur vorher hätten gewusst.
Einmal musste Oma dringend auf’s Klo.
Doch keiner kam helfen, das war eben so.

Nun stand sie auf, wollt alleine los.
Doch fiel sie hin, der Schwindel war groß.
Wir wissen nicht, wie lang‘ sie gelegen,
als Mutter nahm einen Anruf entgegen.

Oberschenkelhalsbruch, Krankenhaus,
nun war doch wirklich alles aus.
OP, Narkose, Gehirn strapaziert,
Oma so richtig paralysiert.

Wenige Pfleger, stetig abgebaut,
Mit Demenz waren nur manche vertraut.
Keine Zeit zum Anreichen von Nahrung.
Da hatte schon Mutter ihre Erfahrung.

So haben wir ihr Tabletten gegeben,
auch Essen und Trinken – welch ein Segen.
Wieder ungewaschen, so macht man sich Sorgen.
Eine weitere Schwester krank geworden.

Noch einige Tage, Entlassung stand an.
Oma nicht gesund, doch sie war dran.
OP-Narbe noch nicht zugeheilt.
Doch Fallpauschale rief: Es eilt, es eilt!

So kam sie wieder ins Heim zurück.
Nur im Bett gelegen, das war kein Glück.
Sie hat verlernt sich zu bewegen,
zu wenig Schwestern – wundgelegen.

Mit der Zeit wurden auch die Gelenke steif.
PDL meinte, für Pflegestufe drei nun reif.
Bücher lesen und Spielen am Meer,
Mit Oma gab’s das schon lange nicht mehr.

Regelmäßig besuchten wir sie.
Doch leider, sie erkannte uns nie.
Ihre Hand gehalten, im Hals einen Kloß,
was ist das für ein Leben, was soll das bloß?

Die Pfleger rannten hin und her.
Sie war’n ausgelaugt, konnten nicht mehr.
Sie tun ihr Bestes sagte Mutter immer.
Doch die Zustände wurden schlimmer und schlimmer.

Die Politik muss handeln, endlich was tun.
Mehr Pflegekräfte, sie dürfen nicht ruh’n.
Mutter geht auf die Straße, zeigt ihre Wut.
Gemeinsam mit anderen, das tut gut.

Gesetzliche Mindestpersonalbemessung muss her,
genügend Pfleger und kein Engpass mehr.
Zeit für Oma und die anderen Kranken,
dann fängt der Pflegenotstand an zu wanken.

Wir gehen demonstrieren, mit Mutter zusammen,
um die Zustände in der Pflege laut zu verdammen.
Es kann nicht sein, dass Oma so leben muss.
Politiker in Berlin, macht damit endlich Schluss!

Von Elu Suam – Mai 2016

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