Gedichtewettbewerb: Floh Braun – Tagebücher eines maliziösen Dichters

Gedichtewettbewerb

~~~Aus: Tagebücher eines maliziösen Dichters – Tag X~~~

“Oh Freunde der Mitternacht
Oh Freude die mit uns lacht
Es funkt, und glüht, und lodert
Lasst brennen was da modert

In eurem Spiegelkabinett der affektierten Oberflächlichkeit,
wo asch-verstaubte Ikonen indes allein Trugbilder sind,
denen ihr Huldigung nicht genug zubringen könnt!
Wie die Chimären schleicht ihr durch den Tag
auf der Suche nach gleichgesinnten Mischwesen,
die ebenfalls im Windschatten der Falschheit
an Fahrt aufnehmen, doch geht es ohnehin bergab.
Dabei drängt ihr ins Licht, das jemand über euch halten muss!
Etwas Sonne, ein bisschen Ruhm, ein wenig Ehre –
Genügsamkeit stirbt, vom Übermaß unterjocht
und wird auf dem Friedhof der Werte begraben.
Bemitleidenswerte Geschöpfe, nein verachtungswürdig
seid ihr Gestalten im korrodierenden Rasterleben,
in dessen Schablonen ihr allzu gerne steigt,
denn was wäre schändlicher als nicht zu passen?
Und wehe denen, die dies erkannt und entsteigen!
Sofort sammelt sich der Mob zur verbalen Steinigung!
Doch die Laute die aus euren Mündern fallen,
warum schmiert ihr sie in die Luft
wie Affen ihren Kot an die Wände?
So ersuche ich euch – gebt mir Antwort,
und vorerst soll Stille über mich kommen…
…aber nein, das Schweigen ist mir Graus,
und wie ich den Morgenstern ergreif` und schwinge,
so rufe ich aus tiefster Wut und messerscharf:
“Weil nicht sein kann, was nicht sein darf!”
~~~
Verzeiht mir mein Ungestüm
All die Worte gar so harsch
Nehme ich nun gern zurück
Um sodann im nächsten Lauf
Voll Infamie und Inbrunst
Euch lodernde Sprengsätze
Vor die Füße zu werfen!
Nun sinket hin in Frieden!”~

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