Geschichte des Tages: Maria Anarquista Hoffmann – Die Umgebung duftet.

typewriter-1007298_192021.05.2016

Geschichte des Tages

Die Umgebung duftet.
Der Wind streichelt.
Ein leiser Chor aus Blättern und Ästen singt zusammen mit den sich dort befindenden Vögeln das schönste Lied, welches ich je vernommen habe. Leben. Ich rolle mich über die Wiese. Wieder und wieder bis mir ganz schwindelig ist. Ich hab Leben gefunden in einer tot geglaubten Welt. Ich kann ihn noch vor mir sehen. Den Staub, die verfallenen Häuser, die sterbenden Menschen mit ihren trüben Blicken gegen diese der Staub noch fröhlich zu sein schien. Der konnte wenigstens noch tanzen. Die Menschen bogen lieber ihre Wirbelsäulen, dass der Kopf schon von alleine hängen musste, wie ein Wasserhahn. Würden sie nur weinen, sie würden zu sich finden. Doch ihre Tränen waren wie alles – vertrocknet. Ihre Liebe verdurstet. Ihre Hoffnung vergraben. Und doch. Doch bin ich hier. Wie ist das möglich? In ihrer Trauer suchten sie und nicht alle wollten zerstören aber ich bin nicht hier um eine Geschichte zu erzählen, die ihr kennt. Kinder. Immerhin ist es Geschichte. Ich bin hier. Ja weswegen? Um Bilder zu malen, um zu raten, dass alles, alles geht. Umschwirrt euch auch einmal die Unsicherheit wie eine Mücke in der Nacht. Gebt acht. Sie will euch vielleicht nur sagen, dass ihr euch mal wieder duschen sollt.
Rennt ihr mit eurem Kopf gegen eine offene Schranktür, dann überlegt ob ihr vielleicht nicht doch das Offensichtliche überseht. Soll ich weiter machen? Nein? Niemand will blöde Ratschläge hören. Also nochmal weswegen bin ich hier? Was solls. Ich genieße erst einmal die Sonne und den Rhythmus des Lebens. Möglicherweise tanze ich nachher noch mit dem Wind. Hippie nennst du mich? Wenn du meinst. Ich baue derweil mit den Spatzen Nester und schwimme in den Wolken.
Beobachte den Sonnenuntergang und den Sternenhimmel. Von hier ist die Sicht so klar. Keine Leuchtreklame, kein störendes Licht. Nur ich und die Weite. Aber bin ich deswegen da?
Ich bräuchte doch nicht alles zu nennen, ich müsste nur erkennen. Aber erkennen. Wie? Und wieso?
Was soll ich denn jetzt schon wieder erkennen? Ich steh auf und ich renne. In den Wald hinein, an jungen und an alten Bäumen vorbei, ihr kennt diesen Wald aus euren Träumen. Er wandelt sich wie du, wie ich. Und ab und ab da bricht – er seine Zelte ab und schwankt im trapp der Pferde, die nun galoppieren. Es geht Berg ab. Gut. Eventuell kommen wir ja so mal zum Punkt. Was das Ganze denn jetzt überhaupt soll. So ein Schwall. So ein Gelalle. Und das ohne Alkohol. Spulen wir mal zurück, wie in den Neunzigern eine Kassette. Dieses Geräusch. Ich kann es hören. Du auch?
Naja egal. Es ist der Hauch der Jahre. Der helltrübe Schein des Mondes. Die unglaubliche Fülle des Nichts. Die Stille zwischen den Schreien die Zeitlupe im Schnelldurchlauf. Autos fahren, Bäume fallen. Kinder weinen. Menschen sterben. Wir essen tonnenweise Müll und schmeißen die Hälfte weg. Und inmitten des Chaos Lächeln, stilles unschuldiges warten. Hoffnung glimmt, wie eine Zauberkerze die niemals erlischt. Kometen ziehen ihrer Wege, die Erde bleibt in ihrer Umlaufbahn. Ein Gewitter zügelt Gemüter, die Börse züchtet Größenwahn. Es ist als ob all diese Bilder mir ständig im Kopf rumirren. Und dann ein Klirren, ein zerbrochenes Glas. Wo bist du Freund? Ich kann dich nicht sehen. Meine Füße sind müde, ich will nicht mehr gehen. Ich lasse mich fallen. Ich schließe die Augen. Was dann geschieht, das kann ich kaum glauben. Die Umgebung duftet.
Der Wind streichelt. Ein leiser Chor aus Blättern und Ästen singt zusammen mit den sich dort befindenden Vögeln das schönste Lied, welches ich je vernommen habe. Leben. Doch etwas ist seltsam. Wie bin ich so plötzlich hier her gekommen? Als würde ich erwacht sein aus einem so langem Schlaf. So tief und fest, das ich nicht mehr zu sagen vermag, wann und wo es begonnen hatte. Sonne wird Mond, geht unter und schon schlaf ich ein. Gefunden und verneint. Getrunken und entzweit, im dunkel der Zeit. Traum und Wirklichkeit verschwimmen. Es beginnt zu entrinnen. Die Zeit wird dünn, obacht bald reißt Sie ein. Im nächsten Augenblick dann, wird nichts mehr wie vorher sein.

 

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