Geschichte des Tages: Louise Bourbon – Die Liebe höret nimmer auf

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Geschichte des Tages

Die Liebe höret nimmer auf

Es ist sehr spät an diesem Abend im Oktober 1683, fast Mitternacht. Die Gesellschaft, die sich in der Kirche versammelt hat, ist klein, aber erlesen.

In einem kleinen Gemach im Seitenflügel schlägt der Dame das Herz so stark, dass sie glaubt, es würde ihr in ihrer Brust zerspringen.
Der Mann in ihrer Begleitung mustert sie forschend:
«Seid Ihr aufgeregt, Madame?»
Sie seufzt.
«Ja, sehr.»
Sie macht mit der Hand eine unbestimmte Bewegung. Tränen steigen in ihre Augen.
«Es ist alles so unwirklich, wisst Ihr. Vor einem Jahr noch war ich heimlich, versteckt, und nun… Das hier übersteigt meine kühnsten Träume.»
Der junge Mann zieht ein Taschentuch aus seinem Rock, reicht es der Dame.
«Nehmt», sagt er sanft, «mein Vater soll Euch klaren Auges sehen, nicht voller Tränen.»
Sie lächelt.
«Na seht Ihr», sagt er, «so ist es schon besser.»
Nach einem kurzen Augenblick der Stille fragt sie ihn:
«Monsieur, Ihr… »
Sie stockt.
Er weiß genau, was sie sagen möchte. Er sieht ihr in die Augen.
«Madame, nun wird endlich zusammengefügt, was zusammen gehört. Das habe ich vor langer Zeit schon begriffen. Und ich weiß, dass meine verblichene Mutter ihre Zustimmung gab. Und deshalb bin ich es, der Euch zum Altar führen wird.»
Er lässt ihr noch einen Augenblick, um sich zu fassen. Dann bietet er ihr den Arm.
«Bereit, Madame? Der König ist eben eingetroffen.»
Sie ringt mit sich, scheint ein stummes Zwiegespräch mit sich selbst zu führen. Dann richtet sie sich auf, den Kopf hoch erhoben.
«Oui, Monsieur, ich bin bereit.»

Marie Anne

Ungewöhnlich ist es, zu sehen, wie die eigenen Eltern vor den Traualtar treten. Doch endlich wird zusammen geführt, was zusammen gehört. Ich glaube, den Herzschlag meines Vaters bis zu meinem Sitz spüren zu können. Bis zum letzten Augenblick hat er befürchtet, sie könnte sich noch einmal bedenken.
Er scheint einige Jahre seines Alters abgeworfen zu haben. Am Arm ihres Stiefsohns, meines Bruders, tritt meine Mutter herein. Ich halte den Atem an. Sie ist schön, schöner als ich sie mir vorgestellt habe. Sie ist nicht verschleiert, mein Vater wünschte es nicht. Es erinnert ihn zu sehr an… schreckliche Zeiten. Ihre Augen suchen, finden. Die Augen meines Vaters suchen, finden ebenfalls. Die dunkle Kirche, lediglich sanft beleuchtet durch wenige Kerzen und einige Lüster, wird durch ihr Lächeln erhellt.

Ich erhebe mich und trete an die Seite meiner Mutter. Meine Eltern legen ihre Hände ineinander. Endlich werden die magischen Worte gesprochen. Ein Band wird gewoben und verbindet für immer.

«Louise, wirst du meine Frau sein?»
«Ja, Das werde ich. Wirst du mein Ehemann sein?»
«Ja, Das werde ich. Ich, Louis, nehme dich, Louise, zu meiner Frau.»
«Ich, Louise, nehme dich, Louis, zu meinem Mann.»
«Louise, ich verspreche dir, dich zu lieben, dich zu achten, dich zu ehren bis an das Ende der Zeit.»
«Louis, ich verspreche dir, dich zu lieben, dich zu achten, dich zu ehren und dir zu gehorchen bis ans Ende der Zeit.»
«Louise, ich verspreche dir, dich zu lieben und dir treu zu sein im Glück und im Leiden, in Gesundheit und in Krankheit, in Reichtum und Armut, bis ans Ende der Zeit.»
«Louis, ich verspreche dir, dich zu lieben und dir treu zu sein im Glück und im Leiden, in Gesundheit und Krankheit, in Reichtum und Armut, bis ans Ende der Zeit. Wohin ich gehe, dahin wirst du mir folgen.»
«Wohin du gehst, dahin werde ich dir folgen. Ich liebte dich, ich liebe dich, ich werde dich auf ewig lieben.»
«Ich liebte dich, ich liebe dich, ich werde dich auf ewig lieben.»
«Gesagt vor Gott, unserem Schöpfer, Den Engeln, den Menschen, geschworen vor dem ewigen für die Ewigkeit.»
«Gesagt vor Gott, unserem Schöpfer, den Engeln, den Menschen, geschworen vor dem ewigen für die Ewigkeit.»
«Louise, ich gebe mich dir hin.»
«Louis, ich gebe mich dir hin.»

Wir halten den Atem an. Mein Bruder, der Duc du Maine, tritt auf meine Eltern zu und hält die Ringe.

«Louise, mein Herz, meine Seele, meine Liebe, mein Leben, nimm diesen Ring als Zeichen meiner ewigen Liebe und trage ihn für immer.»
«Louis, mein Herz, meine Seele, meine Liebe, mein Leben, nimm diesen Ring als Zeichen meiner ewigen Liebe und trage ihn für immer.»
«Wir sind bereit, die Kinder zu empfangen, die Gott uns gibt. Wir sind bereit, sie zu erziehen mit all unserer Liebe.»
«Louise, ich bin dein Ehegatte.»
«Louise, ich bin deine Ehegattin.»
«Geschworen vor unserer liebenden Familie und den Zeugen, die uns alle ihre Liebe zeigen.»

Mein Vater hält die Hände meiner Mutter in den seinen. Ihre Augen versinken ineinander. Sie sind allein mit sich in diesem Augenblick. Obwohl er leise spricht, hören wir alle diese Worte.

«Du bist mein Herz und meine Seele, meine Liebe und mein Leben. Wo du hingehen wirst, dahin werde ich dir folgen. Sonne meines Lebens, die meine Schatten verschwinden lässt, mein Licht in der Finsternis, aus Liebe würde ich mein Leben geben, aus Liebe gebe ich meine Hand, aus Liebe gebe ich mich Dir.»

Da sind sie, die magischen Worte. Es ist das Ehegelübde des Königs Louis XIV und seiner Frau Louise, die einst den Namen de La Vallière trug. Sie sind gesprochen und in der Welt. Vor Gott und den Menschen. Vor uns. Éternellement.

Ihr Lieben,

man könnte knapp sagen, Katharine sei es schuld 😉 Oh, natürlich im positiven Sinne.
Durch ihre wunderbare Geschichte Oldrada, die mir noch immer die Tränen in die Augen treibt, kamen wir ja auf den Trauspruch du Roy Louis XIV und seiner Frau Louise zu sprechen. Ich schickte ihr die Fassung, die sich in meinem Buch in einem der Briefe wiederfindet, en français und auf deutsch, erwähnte aber, dass es die „Kurzfassung“ sei. Die vollständige Version schickte ich dann ebenfalls.

Ihr Lieben, sowohl Bild als auch Text wollte ich eigentlich für Band 7, 8, 9, man weiß es nicht, aufbewahren.

Nachdem ich mich noch mit einer weiteren lieben Freundin, dieses Mal ist Le Alex Sax schuld 😉 beraten hatte, beschloss ich, den Trauspruch und seine Geschichte in voller Länge zu veröffentlichen. In französisch – natürlich – und deutsch.

Das Fensterbild ist noch immer in der Église Nôtre Dame des Victorires in Paris zu finden und hält das Ereignis, das Zeugnis einer großen Liebe, bis heute fest. Es hat die Revolutionen überlebt und die Weltkriege. Dort fand 1683 die heimliche Eheschließung statt – heimlich deshalb, weil der König sich noch im Trauerjahr befand, dann offiziell gesprochen am 05. 12. 1684 in der Galérie des Glaces, die extra zu diesem Anlass fertig gestellt worden war. Ich hatte das große Glück, dieses Dokument sehen zu dürfen. Öffentlich ist es leider nicht. Es wird unter Verschluss gehalten, weil es öffentlich gewollten Geschichte widerspricht.

Für Interessierte noch die französische Version. Wem die Schreibweise etwas merkwürdig vorkommen wird, dem sei gesagt, es ist barockes Französisch.

Louise, seras-tu mon épouse?
Oui, je seray. Louis, seras-tu mon époux?
Oui, je seray. Moi, Louis, reçoys toi, Louise, en tant qu’épouse.
Moi, Louise, reçoys toy, Louis, en tant qu’époux.
Louise, je te promets de t’aymer, de te respecter et de t’honorer jusqu’à la fin des siècles.
Louis, je te promets de t’aymer, de te respecter, de t’honorer et de t’obéir jusqu’à la fin des siècles.
Louise, je te promets de t’aymer et de te rester fidèle dans le bonheur et dans les épreuves, dans la santé et dans la maladie, dans la richesse et dans la pauvreté jusqu’à la fin des siècles.
Louis, je te promets de t’aymer et de te rester fidèle dans le bonheur et dans les épreuves, dans la santé et dans la maladie, dans la richesse et dans la pauvreté jusqu’à la fin des siècles. Où je viendroy, tu me suivras.
Où tu viendras, je te suivroy. Je t’aymois, je t’ayme, je t’aymeroy éternellement.
Je t’aymois, je t’ayme, je t’aymeroy éternellement.
Juré devant Dieu, notre créateur, les anges, les hommes, juré devant l’Eternel pour l’Eternité.
Juré devant Dieu, notre créateur, les anges, les hommes, juré devant l’Eternel pour l’Eternité.
Louise, je me donne à toy.
Louis, je me donne à toy.

Louise, mon cœur, mon asme, mon amour, ma vie, prends cet anneau en signe de mon amour éternel et porte-le toujours.
Louis, mon cœur, mon asme, mon amour, ma vie, prends cet anneau en signe de mon amour éternel et porte-le toujours.
Nous sommes prests à accueillir les enfants que Dieu nous donne. Nous sommes prests à les instruire avec tout notre amour.
Louise, je suis ton époux.
Louis, je suis ton épouse.
Juré devant notre famille et les témoins qui nous montrent tout leur amour.

Tu es mon cœur et mon âme, mon amour et ma vie. Où tu viendras, je te suivroy. Soleil de ma vie qui fait disparaistre mes ombres, Ma lumière dans mes ténèbres, Par amour je te donneroys ma vie, Par amour je te donne ma main, Par amour je me donne à toy.

– Louise Bourbon

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