Geschichte des Tages: Silvia Nagels – Manuel FSK

typewriter-1007298_192013.06.2016

Geschichte des Tages

Manuel FSK

Er war ihr sofort aufgefallen. Kaum dass Laura die Tür des kleinen Cafés geöffnet hatte. Er saß allein an einem der hinteren Tische, eine Tasse Cappuccino vor sich.
Sie konnte noch nicht einmal genau festmachen, woran es lag, doch sie fühlte sich wie magisch von ihm angezogen. Ihn umgab eine Aura der Unnahbarkeit und doch schienen Pheromone aus jeder Pore seines Körpers zu fließen.
Er war kein Adonis, die Nase war krumm, die kurzen dunklen Haare zeigten bereits den ersten Anflug von Grau und lichteten sich an der Stirn. Auch hatte er keinen durchtrainierten muskelbepackten Modelkörper, doch irgendetwas … irgendetwas musste an ihm dran sein.
Laura ging langsam durch das Café auf der Suche nach einem freien Platz. Sie strich sich mit den Händen über die sanft schwingenden Hüften, um die unsichtbaren Falten ihres schmalgeschnittenen Rocks zu glätten. Sie fühlte seinen Blick, der ihr folgte. Eine Schweißperle löste sich von ihrem Hals, rann an ihrer Kehle entlang und hinunter in ihr Dekolleté. Sie suchte sich einen Weg zwischen ihren Brüsten und Lauras Finger folgten der Spur unbewusst.
Mit einem letzten eleganten Hüftschwung umrundete sie den Tisch, der sie von dem einsamen Mann trennte und stand jetzt vor ihm. Sie ließ ihren Blick tief in seine stahlgrauen Augen eintauchen.
„Ist hier noch frei?“, fragte Laura heiser. „Haben Sie etwas dagegen, wenn ich mich zu Ihnen setze?“
Verdammt, wo war ihre Stimme hin? Was war es, was hatte dieser Mann an sich, dass sie ihre übliche Kaltblütigkeit verlor? Mit einer Handbewegung bedeutete er ihr, Platz zu nehmen. Laura zog den Stuhl vor und setzte sich, schlug ihre langen Beine übereinander und bemerkte den bewundernden Blick ihres Gegenüber, der jeder ihrer Bewegungen folgte.
„Manuel“, stellte er sich vor und reichte ihr quer über den Tisch die Hand.
„Laura“, antwortete sie und ließ ihre Hand in seine gleiten. Die Berührung war wie pure Energie. Das Kribbeln begann in ihren Fingerspitzen, breitete sich über die ganze Handfläche aus, überall dort, wo sich ihre Haut berührte.
Manuels Blick fand den ihren, hielt ihn fest, ebenso wie seine Hand die ihre hielt. Sanft streichelte sein Daumen ihren Handrücken und hinterließ eine brennendheiße Spur.
Das Café versank um sie, sie waren allein. Allein, versunken in den Augen des anderen. Lauras Zungenspitze glitt über ihre Lippen, um sie anzufeuchten. Manuels Blick folgte auch dieser Bewegung. Seine Hand wanderte hinauf zu ihrem Handgelenk. Mit langsamen, kreisenden Bewegungen strich er über die zarte Haut ihres Unterarms. Laura beugte sich vor, näher, noch näher, um der Hand entgegenzukommen. Ihr Fuß schlüpfte aus den hochhackigen Pumps, tastete sich unter dem Tisch an Manuels Bein und streichelte seinen Unterschenkel.
Wie hypnotisiert folgte ihr Blick der Hand, die jetzt in ihrer Ellenbogenbeuge verharrte. Sie sah auf, als Manuel in seiner Liebkosung innehielt.
Seine Augen sahen sie fragend an.
Sie standen auf. Manuel zahlte und sie verließen das Café. Kurze Zeit später waren sie in das undurchdringliche Dickicht des Waldes eingetaucht. Laura wusste, wohin ihr Weg sie führte. Wenig später erreichten sie die Lichtung mit dem kleinen See.
Laura blieb stehen, lehnte sich mit dem Rücken an einen Baum, spürte die raue Rinde durch den dünnen Stoff ihrer Bluse. Manuel drehte sich zu ihr um, sah sie an. Seine Augen funkelten, glitten an ihrem Körper entlang und schienen sie auszuziehen. Laura stockte der Atem. Er kam auf sie zu und stützte seine Hände rechts und links neben ihrem Kopf an den Stamm. Sie wusste, was jetzt geschehen musste. Eine heiße Welle der Begierde begann in ihr zu pulsieren, begann in ihrem Hals und glitt hinab in ihren Bauch und in ihren Unterleib. Jede Faser ihres Körpers war zum Zerreißen gespannt und wartete fiebernd auf den Moment. Manuel zögerte, seine rechte Hand legte sich in ihren Nacken, zog sie zu sich, bis ihre Körper sich berührten. Laura öffnete leicht ihre Lippen, ihr Körper vibrierte und zitterte. Endlich senkte sich Manuels Mund auf ihren. Seine Zähne knabberten zärtlich an ihrer Unterlippe, dann ließ er seine Zungenspitze sanft über ihre Oberlippe gleiten, während seine Finger an ihrem Nacken entlang strichen, ihrem Schlüsselbein folgten, um dann quälend langsam über den Ansatz ihrer Brüste zu streicheln…

Laura seufzte.
Sie rührte in ihrem Kaffee, während ihr verträumter Blick dem Mann folgte, der seinen Cappuccino bezahlt hatte und das Café verließ.

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2 Kommentare zu Geschichte des Tages: Silvia Nagels – Manuel FSK

  1. petra0654 sagt:

    Großartig beschriebene Szene, der ich mit angehaltenem Atem folgte.

    • Silvia sagt:

      Danke schön 🙂 Ich war mir nicht sicher, ob ich solche Szenen schreiben kann, und habe das als Herausforderung genommen, mich daran zu versuchen. Freue mich, wenn es tatsächlich gefällt

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