Louise Bourbon

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Autoreninterview Louise Bourbon

5.9.2016

Das Autoren_Netzwerk freut sich, die Autorin Louise Bourbon zum Interview begrüßen zu dürfen.

Louise Bourbon hat französische und deutsche Wurzeln und pendelt bevorzugt zwischen beiden Ländern hin und her. Die Leidenschaft zur Geschichte und zur Literatur wurde ihr in die Wiege gelegt, das Schreiben kam in der Kindheit hinzu. Was lag da näher, als beide zu verknüpfen?
Frankreich ist das Land, das die Geschichte beherbergt, die für sie zur Faszination und Leidenschaft wurde und ihren Lebenslauf bis heute bestimmt. Einen Teil ihres Lebens verbrachte sie in Paris, wo die Anfänge für den ersten Band ihres Romans gelegt wurden, zudem bereist sie mit Leidenschaft das Loire-Tal und die Bretagne.
Speziell der Geschichtsunterricht hätte es ihr angetan, wenn er denn nicht trockener gewesen wäre als manche Staubschicht in Versailles, denn die Geschichte hat so viel mehr zu bieten als nur Daten auswendig zu lernen.
An einem verregneten Nachmittag bei ihrer Großmutter gelangte das erste Buch über den Sonnenkönig in ihre Hände. Diese Faszination hat sie nie losgelassen. Als sie selbst zu schreiben begann, stellte sie in der offiziellen Geschichte einige Ungereimtheiten fest, die zu einem Abenteuer in der Recherche und einem vollkommen neuen Ergebnis führten.
Nach 20 Jahren hat sie nun genügend Material für mehrere Bücher beisammen, die thematisch um Frankreichs vergessene Königin angelegt sind. Bevorzugt erzählt sie die Dinge, die nicht im Geschichtsbuch stehen. Deshalb sind sie nicht weniger wahr.

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Hallo Louise, schön, dass Du Dich unseren Fragen stellst. Bist Du aufgeregt?

Niemals, ich bin noch nicht aufgeregt. Ich weiß gar nicht, wie man das Wort schreibt. So ähnlich wie Ungeduld. Kenne ich auch nicht.

Was bewegt Dich zum Schreiben?

Oh je, wie viel Zeit habt ihr? Grundlegend zwei Dinge: zum einen ist es eine Passion, ich liebe es, das zu tun. Zum zweiten bin ich ständig auf der Suche nach der Wahrheit, und muss meine Ergebnisse zu Papier bringen.

Du hast 20 Jahre recherchiert für dein Buch „Die Sonnenkönigin“.
Wann kam Dir die Idee, aus all Deinem Wissen ein Buch entstehen zu lassen?

Ich muss wieder fragen, wie viel Zeit habt ihr? Ich sammle das aber für eine gegebenenfalls Video Dokumentation. Dass ich ein Buch machen wollte, habe ich schon in jungen Jahren beschlossen, ich glaube, mit 15. Damals war das Interesse aber eigentlich auf den König fokussiert. Da stand ich ganz am Beginn meiner Recherche, und Sinn des Ganzen war eigentlich, dieses etwas verzerrte Bild in Deutschland in eine andere Richtung zu rücken. Bis ich dann über seine Königin gestolpert bin. Wenn man das so sagen darf.

Eine junge Historikerin, sozusagen! Da braucht man bestimmt sehr viel Geduld.

Vor allem, weil ich eigentlich gar nicht geduldig bin. Aber es ist wirklich so, dass ich irgendwann für diese Geschichte entbrannt bin, und dann lässt einen das nicht los. Und es tauchen ja immer noch neue Dinge auf, und ich bin immer noch nicht müde, ihnen nachzugehen.

Wann entstand der Drang, daraus eine ernsthafte Theorie zu machen? Die Idee, andere dazu zu bringen, die offizielle Geschichtsschreibung zu hinterfragen?

Meine erste ernsthafte Schreibe in diesem Kontext war tatsächlich die Teilnahme an einem Wettbewerb deutsch-französische Freundschaft, ich glaube, 1991 oder 92. Damals habe ich drei Politiker miteinander Staatsform diskutieren lassen, und selbstverständlich war der König dabei.

Würdest Du einen französischen Krimi schreiben, wenn man Dich darum bittet?

Die Frage ist gut. Ich glaube, Krimielemente habe ich im Augenblick schon dabei. Ich weiß aber nicht, ob ich gut genug in meiner Fantasie für einen richtigen Krimi bin. Ich bin nicht unbedingt der Freund von Mord und Totschlag, und ich glaube, ich könnte das auch nicht gut schreiben. Und ich werde definitiv nur schreiben, was ich auch kann.

Was findest Du besser, Selfpublishing oder Verlagsarbeit und warum?

Ich finde, beides hat seine Vorteile. Beim Self Publishing hast du alles in der Hand. Aber du kannst auch sehr viel falsch machen, das habe ich auch gelernt. Bei einem Verlag ist es natürlich immer so, dass du einen Teil der Kontrolle abgibst. Aber man darf definitiv nicht übersehen, dass die Buchläden beziehungsweise der stationäre Buchhandel immer noch sehr negativ dem Self Publishing gegenüberstehen. Das ist etwas, was ich meines Erachtens noch dringend ändern müsste.

Beherrschst Du die französische Schrift?

Natürlich! Ich bin ja mit beiden Sprachen aufgewachsen.

Könntest Du Dir vorstellen, auch etwas anderes zu schreiben als die Geschichte um Louise und Louis? Oder etwas anderes als Historisches?

Auf keinen Fall etwas anderes als historisch. Doch, die Märchen. Im Augenblick ist es so, dass ich noch sehr viel Material um die beiden habe. Aber wenn ich lange genug lebe, und das hoffe ich doch, dass ich diverse Bücher noch schreiben kann, dann habe ich schon einige weitere Personen auf meiner Liste. Ludwig II. Marie Antoinette. Die französische Revolution.

Du hast ein fantastisches Gedächtnis der Geschichtszahlen. Kennst Du auch aus anderen Epochen die Zahlen?

Klar, frag mich 😉 ernsthaft, da können wir gerne einmal einen Kontest daraus machen. Aber nur die französischen Könige habe ich komplett und vollständig im Kopf. Bei anderen Dynastien versage ich. Die kann ich nicht komplett.

Wie sauer wirst Du, wenn Du einen historischen Film siehst und Du genau weißt, dass es so NICHT war!

Oh, tolle Frage. Extrem sauer. So sauer, dass ich genau aus diesem Grund keinen Fernseher mehr habe. Den habe ich tatsächlich vor zwei oder drei Jahren wegen einer völlig missraten Verfilmung vor die Tür gestellt. Am allerschlimmsten finde ich meistens die Auswahl der Darsteller. Irgendwelche langhaarigen Schmierlappen, die weder optisch noch in sonstiger Weise irgendetwas mit dem großen König gemeinsam haben. Möchte noch hinzufügen, dass der Fernseher einigen, sagen wir, Gewaltausbrüchen ausgesetzt war. Ich habe ihn nicht ganz so friedlich vor die Tür gestellt. Dabei bin ich sonst sehr friedlich!

Mich interessiert, wie Du es mit Eigenwerbung hältst. Hast Du da noch ein paar Tipps?

Ich weiß nicht, ob man das Werbung nennen kann, aber ich betreibe ja meine Blogs. Die habe ich natürlich über lange Zeit relativ mühsam aufgebaut, aber das ist natürlich auch eine Arbeit, die mir Freude macht. Viele Leser habe ich tatsächlich durch die Blogs gewonnen, weil ich ja auch meine Reisen dokumentieren oder Geschehnisse der französischen Geschichte, in beiden Sprachen. Irgendwann landen die auch bei meinem Buch.
Ansonsten: ich habe hier in den Werbegruppen gesehen, dass zumindest für mich die Sache mit dem Verkaufslink nicht funktioniert. Schön aufgemacht Zitate, der Trailer, solche Sachen, die funktionieren. Aber das kann ich nur für mich sagen. Das mit meinem Blogs ist tatsächlich so, einige Interessenten kommen über die Blogs. Die Pflege ist natürlich sehr sehr aufwändig, denn man muss ja regelmäßig neue Inhalte produzieren, die zum einen die Leser interessieren, zum anderen aber auch dazu dienen, dass Google nach oben bringt. Interessanterweise habe ich gemerkt: Artikel, die ich spontan aus dem Herzen heraus schreibe, bringen mir sehr viel mehr Leser als irgend etwas das ich ganz lange geplant habe. Ich wusste zum Beispiel, dass ich heute zum königlichen Geburtstag etwas machen wollte, aber was genau, habe ich erst heute Morgen beschlossen.
Dann mache ich natürlich die übliche Werbung, also auch die Facebook Werbegruppen. Ich finde schon, dass das etwas bringt, aber für mich habe ich festgestellt: die Werbung muss abwechslungsreich sein. Immer nur derselbe Beitrag, das interessiert irgendwann nicht mehr. Ich suche für meine Werbeanzeigen immer einen aktuellen Bezug. So habe ich zum Beispiel den Geburtstag meiner Protagonistin benutzt, um ihr liebste Speise vorzustellen.
Bilder mit Textauszügen funktionieren bei mir recht gut. Twitter übrigens auch, allerdings wiederum eher mit Bildern als mit Text. Google+ hat sich mir persönlich noch gar nicht erschlossen. Aber außerdem bin ich auf Pinterest und Instagram. Ich muss wirklich sagen, dass das fast schon ein eigener Job ist.
Man liest auch immer wieder den Tipp, sich in Gruppen aufzuhalten, die thematisch ähnlich sind. Da muss ich sagen, dass ich da nicht so viel Erfolg habe. In den Geschichtsgruppen wird meistens wirklich nur durchgekaut, was man auch in den Unterrichts-Büchern findet, und genau das ist ja nicht das, was mein Weg ist. Oder einer versucht den anderen mit seinem Wissen zu übertrumpfen. Allerdings bin ich in einigen Gedichtsgruppen, und da haben sich natürlich auch wieder manche auf meine Seite geführt. Oder in Blogs, die etwas mit Kochen zu tun haben, die gerne meine historischen Rezepte ausprobieren. Das wiederum war erfolgreich.

Deine regelmäßigen Reisen nach Frankreich führen immer wieder nach Versailles. Welche Momente faszinieren Dich am meisten und gibt es immer noch kleine Geheimnisse für Dich zu entdecken?

Ja, jedes Mal! Zum einen ist es ja so, dass nie alle Gemächer gleichzeitig offen sind. Manchmal werden auch die Dekore abgerissen und durch die Originale ersetzt. Oder die Gärten, die sind so unermesslich groß, dass du jedes mal etwas Neues entdecken kannst. Wann bin ich am meisten fasziniert? Wenn mir beispielsweise in einer Wanddekoration unerwarteterweise wieder das Logo meiner Protagonisten entgegen springt, zum Beispiel.
Oder wenn mich der Gardien fragt, ob er mir etwas erklären könne, und ich sage spontan: Nein, aber ich Ihnen? Dann muss ich mich selbst manchmal innerlich kaputt lachen.

Wie würdest Du es finden, wenn sich herausstellen sollte, das in Deinem Zuhause (Versailles) tatsächlich Vampire herumschleichen?

Wunderbar, als erstes wäre ich glücklich, dass ich nachts endlich etwas Gesellschaft hätte. Und zum zweiten würde ich mir unbedingt das Rezept für die blasse Hautfarbe geben lassen. Blass bin ich ja auch, aber bei mir kommen immer Sommersprossen dazu.
Aber ein paar Regeln müssten wir einführen. Schokolade als erstes für mich. Kuchen als erstes für mich.

Lassen wir mal den Blödsinn beiseite. Könntest Du Dir vorstellen, etwas anderes als Historisches zu schreiben?

Die Märchen in jedem Fall, ja. Aber komplett nicht historisch, nein. Irgend einen Bezug wird es sicherlich haben. Ich sitze im Augenblick ja auch im Kochbuch, weil ich ja auch kochen sehr liebe, aber die Basis Rezepte sind wiederum Barock. Historische Fantasy kann ich mir noch vorstellen. Die Projekte mit Alex (Anmerkung: Le Alex Sax) zum Beispiel machen unglaublich viel Spaß. Aber auch da ist der Hintergrund natürlich wieder die historische Basis. Aber es macht Spaß, sie in etwas anderes zu verarbeiten.

Du bist auf viel Gegenwehr gestoßen bei Deinen Recherchen – wie gehst Du damit um? Und ist Facebook eine Befreiung, weil, wie Du siehst, hört man Dir gerne zu. Oder hast Du hier auch schon andere Erfahrungen machen müssen?

Natürlich, Erfahrungen in beide Richtungen. Ich habe im letzten Jahr einige Bösartigkeit via PN bekommen. Lügnerin war noch ein nettes Wort. Andere haben direkt meine Recherchen angezweifelt, beziehungsweise mal per se behauptet, dass das, was sie in der Schule gelernt haben, in jedem Fall richtig sein muss. Ich freue mich aber ungemein über jeden, der tatsächlich bereit ist zu zu hören, und auch gerne liest und sich auf die Geschichte einlässt. Denn die Wahrheit ist mir tatsächlich ein Anliegen. Gegenwehr gibt es leider immer noch.

Hattest Du zwischendurch Momente, wo Dir Zweifel kamen – ich meine so grundsätzliche?

Ja, natürlich. Mir ging es, wie einigen anderen auch. Ich habe die Dokumente gesehen, mit eigenen Augen, und habe im ersten Moment trotzdem gedacht: das kann doch nicht sein. Und dann haben sich aber die Informationen gehäuft, und irgendwann kannst du wirklich nur noch sagen: die offizielle Geschickte irrt sich. Zumal das ja nicht das erste und auch nicht das einzige Beispiel ist. Ich war während meiner Recherchen erstaunt, wie häufig tatsächlich die offizielle Geschichte in Zweifel gezogen worden ist, sehr häufig auch noch einmal umgeschrieben, weil irgendwann doch Dokumente aufgetaucht sind, die das bisher geschriebene widerlegt haben.

Wie schaffst Du es, Dich aus dem wunderschönen Versailler Garten wieder loszureißen? Für mich bleibt er einer der schönsten Gärten, die ich je gesehen habe.

Gar nicht! Ernsthaft, da könntest du meinen Göttergatten fragen. Wenn ich da weg muss, habe ich Tränen in den Augen. Oder habe auch schon offen geweint. Für mich ist dieser Ort ein ungemein wundervoller und schöner Ort. Manche halten mich für verrückt, damit kann ich gut leben, ich finde, dass du Gebäuden die Seele der Menschen an merken kannst, die darin gewohnt haben. Und Versailles ist für mich wirklich ein liebevoller Ort.

Ich würde wetten, man ist hier aufgeschlossener gegenüber Deinen Theorien als in Frankreich – gibt es tatsächlich einen Unterschied in den Reaktionen in den beiden Ländern?

Im Gegenteil! Ich bin im Augenblick gerade in Frankreich, und habe mich auch schon wieder mit einigen Leuten getroffen. Dort ist man mir, gerade weil die Geschichte auch bekannter ist, zum Teil sehr entgegenkommend begegnet. Zumal die Beteiligten ja wissen, dass die Unterlagen existieren.
In Deutschland ist es eher so, dass die Reaktionen negativer sind. Was unter anderem mit dem übermittelten Bild des Königs in den deutschen Geschichtsbüchern zu tun hat. Diese Hürde muss ich in Frankreich nicht nehmen. Zudem habe ich gerade mitbekommen, dass in Frankreich derzeit auch einige Dinge auf dem Prüfstand stehen. Beispielsweise die angeblichen Hinterlassenschaften des Königs, mittlerweile gibt es auch offizielle Aussage, dass die nicht vollständig die Seinen sind, sondern wohl verfälscht. Es gibt mittlerweile auch offizielle Webseiten, die ganz offen verkünden, dass die Vaterschaft durch Mazarin anzunehmen ist.

Man wird schnell als Verschwörungstheoretiker abgetan.

Das Wort hat man mir noch nicht an den Kopf geworfen. Aber ich glaube, das kann man auch schlecht, weil wie gesagt die Beteiligten ja auch wissen, dass ich nicht irgendeinen Blödsinn erzähle, sondern dass die Dokumente existieren. Auch wenn sie im Augenblick unter Verschluss gehalten werden.

Klingt wie die Kennedy-Akte – die existiert ja auch unter Verschluss …

So ähnlich ist es auch ganz oft. Wenn man Dokumente findet, dann meistens da, wo man sie nicht erwartet.

Die Wahrheit will doch keiner hören.

Deshalb lasse ich nicht locker und erzähle sie wieder und wieder und wieder.

Normalerweise steigen die Verkaufszahlen bei solchen Themen in schwindelnde Höhen. Hast Du die erste Million schon zusammen?

Ich habe dir doch bei den ersten 10.000 versprochen,  dass ich euch mit nach Paris nehme. Bisher konnte ich dir leider noch keine Einladung schicken … Aber ich habe glaube ich im Keller noch ein Spiel des Lebens. Das sind soviel ich weiß Millionen Scheine dabei.

Ist die Veröffentlichung in Frankreich auch geplant?

Unbedingt. Die ersten Kapitel auf Französisch sind bereits fertig.

Wenn Du schreibst, schlüpfst Du in eine bestimmte Rolle? Man taucht ja irgendwie mit ein.

In gewisser Weise tue ich das schon. Ich bin in der Epoche sehr verhaftet, ich trage beispielsweise gerne barocke Kleidung und liebe auch die barocke Musik. Meine Notizen schreibe ich mit Feder und Tinte, und natürlich schreibe ich auch meine Kapitel, wenn ich zu Hause in die Reinschrift schreibe, in adäquater Kleidung. Ich kann mich dann in der Tat etwas besser einfühlen. Und natürlich sind mir meine Protagonisten sehr ans Herz gewachsen, so dass es mir nicht schwer fällt, mich einzufühlen.

Welche Frage würdest Du der „Sonnenkönigin“ stellen, könntest Du Dich in die Zeit ihres Lebens beamen?

Da musste ich gerade nachdenken. Vielleicht, ob sie etwas anders machen würde. Oder ob sie die Dinge, die sie getan hat, noch einmal genau so tun würde.

Werden wir in Teil 2 neue Geheimnisse erfahren?

Ohhhh ja. Einer Sache bin ich gerade auf der Spur, die habe ich vor kurzem erst erfahren. Ich muss diese Woche nach Möglichkeit auch noch an einen bestimmten Ort fahren und mich dort mit jemanden treffen.

Schreibst Du noch mehr über Ludwig den Bayernkönig?

Unbedingt. Aus irgendeinem Grund möchte er in Band zwei unbedingt wieder dabei sein, außerdem möchte ich ihm gerne ein eigenes Buch spendieren. Ebenso Marie Anne – ich mag sie, und meine Leser haben sie offensichtlich auch recht gern.

Lief beim schreiben auch Musik, falls ja welche?

Natürlich, wenn ich zu Hause schreibe, ist Musik unabdingbar. Natürlich muss sie passen. Als ich das Krönungs-Kapitel geschrieben habe, lief das entsprechende Stück, das te Deum von Charpentier. Witzig finde ich, dass die ersten Takte davon die Eurovisions Musik sind. Das würde der Königin sicherlich gefallen.
Oder die Opern von Lully – wenn ich in richtig guter Stimmung bin, singe ich das auch mit. Dann haben auch meine Nachbarn etwas davon, dass ich schreibe.

Was sagen so die Nachbarn zu Dir? Gibt es bestimmte Rituale beim Schreiben?

Mittlerweile sagen die Nachbarn nicht mehr viel. Und der Paketbote ist es auch gewöhnt, dass ich durchaus in großen Kostüm die Tür aufmache. Meine Nachbarn halten mich glaube ich manchmal für unseriös, weil ich über die Nacht arbeite und dann tagsüber schlafe. Thema Rituale: Meine handschriftlichen Notizen sind zum großen Teil tatsächlich an den originalen Orten entstanden. Ich habe im Louvre geschrieben, im Spiegelsaal, am Ufer der Loire … Alle Orte, die ich im Buch angegeben habe, habe ich auch besucht. Zu Hause dann wenn die Reinschrift kommt, muss es unbedingt an meinem Schreibtisch passieren. Es wird keinen verwundern, aber der ist antik. Und ich schreibe sehr gerne mit besagten Kostüm angetan. Meine beiden Protagonisten hängen mir übrigens gegenüber und sehen mir beim Schreiben zu.

Großes Kostüm hast Du gerade gesagt. Woher bekommst Du das? Wie viele besitzt Du?

Bekommen: meistens vom Theaterfundus. Es gibt in vielen Städten immer festgelegte Ereignisse, wenn die Theater ihre Kostüme ausrangieren, und dann kannst du die dort ganz normal kaufen. Bei den großen Theater musst du allerdings sehr früh und sehr schnell sein, denn das sind Ereignisse, die sich herum sprechen. Und du bist natürlich darauf angewiesen, dass dir die Größe passt, die da hängt. Eines habe ich mir tatsächlich anfertigen lassen, das kommt aber nur zu besonderen Gelegenheiten heraus, Weil es entsprechend teuer war. In hochwertigen Theater Ausstattungs Läden bekommst du sie auch. Wie viel habe ich, zehn, oder 15? Eventuell noch mehr.

Findest Du Unterstützung in Deinem privaten Umfeld? Und kannst Du das Schreiben gut mit Deinem Alltag vereinbaren?

Oh ja, unbedingt in Monsieur, ohne ihn wäre ich niemals da, wo ich jetzt bin. Und zum Glück auch noch einige andere mehr, denn mit meinem Alltag lässt sich das nicht unbedingt gut vereinbaren. Ich bin ja häufig auf Dienstreise, und dann abends einfach nicht mehr in der Lage oder viel zu müde, um noch zu schreiben. Ich muss mich wirklich in meine Kapitel hinein fallen lassen, und nach einem 14 oder 16 Stunden Tag auf den Beinen geht es einfach nicht mehr. Ich brauche wirklich solche Zeiten wie jetzt, vier Wochen Auszeit, ab nach Frankreich, schreiben.

Außerhalb der Welt der Monarchie – welche Persönlichkeit würde Dich reizen, über sie zu schreiben?

Keine.

Wie erging es Dir, als Du Dein Buch komplettiert hattest und Du wusstest, Du wirst die Wahrheit zu König Louis ans Tageslicht bringen?

Das kann ich eigentlich kaum beschreiben. Ich muss gestehen, dass ich bis zu dem Augenblick, wo ich bei bod auf den Absender Knopf gedrückt habe, noch Angst hatte, es könne etwas schiefgehen. Die Wochen davor waren Spannung und Furcht zu gleich. Und ich habe Dutzende von CDs mit dem Buch gebrannt, sogar ein Exemplar beim Notar hinterlegt. Wie gesagt, ich hatte einigen Gegenwind. Auch während des Schreibens.

Ich kann mir Deine emotionale Anspannung sehr gut vorstellen!
War die Zeit vor der Veröffentlichung aufregender oder ist sie jetzt noch größer?

Vorher. Denn nun ist die Geschichte in der Welt. DAS kann man mir nicht mehr nehmen. Diese Etappe ist geschafft – aber jetzt bleibt es natürlich spannend mit Verlag und Band 2.

Königin Louise Bourbon – was würde man von ihr erwarten?

Da muss ich meinen Mann fragen 😂 nein, Blödsinn, natürlich nicht. Jetzt könnte ich natürlich spitzfindig sein und sagen: gar nichts, in Frankreich herrscht salisches Recht, eine Königin ohne König geht nicht. Das heißt, ich selbst hätte ja gar nichts zu sagen, sondern müsste mich bemühen, meinen Gatten zu suggerieren, was er sagen soll – eine Ehefrau hat ja so ihre Methoden.
Aber es ist schon so, dass ich mich politisch interessiere, und mir einiges, was ich sehe, nicht gefällt. Das kann ich aber schlecht auf ein oder zwei Sätze herunter brechen. Und ja, wenn ich könnte, würde ich sofort meine Kandidatur als Kanzlerin einreichen. Oder abwarten, bis Frankreich wieder Monarchie wird.

Wenn Mr. F. Hollande Dich einlädt, was ziehst Du an?

Ich glaube, als aller erstes würde ich mir den Bayernkönig zum Vorbild machen, der, als er bei Bonaparte III erscheinen musste, sich geweigert hat, ihm die Hand zu schütteln. Und selbstverständlich mein ganz großes Kostüm. Bleu mit Elfenbein, sehr hübsch.

Was erwartest Du von der Zukunft? Hoffst Du, mit Deinen Büchern groß rauszukommen?

Hofft das nicht jeder Autor? Sagen wir so, um mich selbst geht es mir gar nicht. Aber ich habe einen großen Hang zur Gerechtigkeit. Und dass da einer Frau die Geschichte geschnitten worden ist, dass man sie quasi fast aus ihr gestrichen hat, dass seit fast 300 Jahren Unrecht erzählt wird, das ist etwas, das ich so nicht stehen lassen kann. Und für diese Geschichte möchte ich die Bekanntheit. Zwangsläufig hänge ich da dran. Aber grundlegend geht es mir um die Geschichte. Und die Wahrheit. Und mein Grundanliegen existiert natürlich immer noch. Auch das Bild des Königs ist extrem verzerrt, und auch das rücke ich gerade.

Jetzt frage ich mal nicht die Autorin. Mal was Neues. Was erwarten die Anwesenden in der Zukunft von Louise Bourbon? Aufs Schreiben bezogen bitte…

Mitglied: Persönliches Kennenlernen auf einem neuen Autorentreffen!

Mitglied: Kann ich schwer beantworten – aber was ich wirklich spannend fände, wäre ein Vierteiler im Fernsehen basierend auf dem Buch von Louise Bourbon.

Mitglied: Da schließe ich mich an!

Mitglied: Den Antrag unterstütze ich!

Louise Bourbon: Dann mache ich in jedem Fall das Casting selbst, bloß keinen langhaarigen Schmierlappen…

Mitglied: Ich würde gerne einen Blick auf die Recherchen werfen können. Das, was Louise zu Papier gebracht hat, nachzulesen 😃und noch mehr Enthüllungen. Wenn man an die Meldung denkt, die vor kurzem zu Ludwig II durch die Medien ging … Ich finde das superspannend😃

Louise Bourbon: Ja, nicht wahr? Ich habe mich so gefreut! Ich habe meine ganzen Notizen noch. Vielleicht fotografiere ich mal was davon.

Mitglied: Ich wünsche, das bei ihren Recherchen ihr keine Steine in den Weg gelegt werden. Sie ungeahnte Urkunden etc. findet und dass sie in spätestens 5 Jahren einen ordentlichen Orden/Auszeichnung par excellance dafür bekommt!

Louise Bourbon: Das hat mir gerade ein wenig die Tränen in die Augen getrieben. Vielen vielen Dank.

Mitglied: Ich wünsche ihr bei dem Fleiß und den Recherchen, dass ein Kinofilm draus wird.

Louise Bourbon: Das ist eine tolle Vorstellung. Ich danke Dir.

Welche Charaktereigenschaft des Königs Louis fasziniert Dich am meisten und gibt es eine wesentliche Eigenschaft, die er den heutigen Männlichkeiten voraus hatte?

Oh, das sind viele. Unbedingt hervorzuheben ist sein grandioser Sinn für Humor. Einige bonmots von ihm oder auch der versteckte Sarkasmus sind köstlich. Ich habe schon über seinen Dokumente schallend zu lachen angefangen, weil der Kommentar so unglaublich treffend war. Zudem halte ich ihn für einen hoch intelligenten Mann, der über einiges an Weisheit verfügt. Und dennoch nicht die Herzenswärme verloren hat. Eine wesentliche Eigenschaft? Insgesamt würde ich sagen, dass ich aus der damaligen Zeit die so genannte courtoisie, die Höflichkeit gegenüber den Damen in der heutigen Zeit absolut vermisse. Zum Glück nicht bei meinem eigenen Mann, der ist da nahezu altmodisch. Aber dieses, lass es mich ritterlich nennen, ja, das fehlt mir.
Außerdem: man liest in jeder Zeile, die der König schreibt, den Gedanken an die Verantwortung für sein Volk. Immer wieder steht hinter seinen Ideen: ich bin verantwortlich, und das bedeutet auch, für ihr Wohlergehen. Da ist ein Gewissen zu sehen, das ich mir bei heutigen Politikern unglaublich wünschen würde. Ach ja – und der Herr kann Komplimente machen, da könnte man ein eigenes Buch mit füllen. Da fängt man als Frau automatisch zu lächeln an. Selbst, wenn man das nur liest. Ich möchte übrigens gerade an der Stelle anmerken, dass es mich besonders freut, dieses Interview heute machen zu dürfen. Heute ist nämlich im übrigen der Geburtstag des Königs. Und ich bin in Frankreich. Fantastische Kombination.

Bist Du manchmal beim Wave Gothic Treffen Pfingsten in Leipzig dabei? Da kommen diese verkleideten tollen Könige und noch viel mehr, Barock, Rokoko usw. her.

Bisher leider nicht, Leipzig war eigentlich immer zu weit weg. Ich weiß aber, dass es die Veranstaltung gibt – und ich gehe auch zu ähnlichen, wenn ich in der Nähe bin. Durch meine Dienstreisen und auch dieses ständige Pendeln zwischen Frankreich und Deutschland ist eine genaue Planung für mich in dieser Hinsicht aber meistens recht schwierig.

Wärst Du die Sonnenkönigin, was würdest Du der Welt sagen wollen?

Hört auf, dauernd über meinen Mann her zu ziehen! Gut, das war jetzt gerade sehr spontan, und ich glaube, ich hätte noch etwas mehr zu sagen. Aber auch das ist in ein oder zwei Zeilen relativ schwierig.
Aber eine Botschaft hätte ich in jedem Fall: Dass Liebe immer den Hass besiegt. Die Wahrheit immer die Lüge. Man muss nur warten können.

Wo würdest Du leben wollen, wenn es Dir möglich wäre?

Frankreich, ganz unbedingt. Wenn ich mir das aussuchen kann, in Versailles. Paris, im Marais. Oder irgendwo an der Loire. Mit Ferienhaus in der Bretagne.

Wann würdest Du leben, wenn Du es aussuchen könntest?

Kann ich ganz einfach beantworten. Zur Zeit des Sonnenkönigs. Ja, ich weiß, dass es kein Antibiotikum gab. Und so weiter. Aber auch viele andere Dinge nicht, die mich heutzutage stören.

Ich finde die Frage nach den drei Dingen (keine Menschen), die sie mit in die Arktis nimmt, muss Louise auch noch beantworten. Einfach weil diese Frage inzwischen einfach dazu gehört.

Ganz selbstredend würde ich niemals in die Arktis gehen, ohne meinen Mann. Den nehme ich jetzt einfach mal mit. Und welche drei Dinge? Eine kuschelige Decke, Kerzen und eine Flasche französischen Rotwein. Oder Champagner. Dann frieren wir auch in der Arktis nicht.

Liebe Louise, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Ich wünsche Dir mit Deinen Büchern für die Zukunft alles Gute. Ich freue mich sehr, dass ich Dich kennenlernen durfte und dass Du zu unserem Team gehörst. Noch mal alles Gute für Dich und Grüße an Monsieur.

Wir sind beide ganz entzückt. Und dir möchte ich dafür danken, zu deinem Team gehören zu dürfen. Dieses Netzwerk gehört zu den besten, die ich hier auf Facebook kennen lernen darf und durfte. Vielen vielen Dank.

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