Die Geschichte des Tages: Le Alex Sax & Louise Bourbon – Die Prinzessin wünscht sich…

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Le Alex Sax & Louise Bourbon – Die Prinzessin wünscht sich…

Ein Märchen von Louise Bourbon und Le. Alex Sax

Die Prinzessin wünscht sich…

Louise Bourbon:

Es war einmal eine Prinzessin, die war schön, so schön, dass selbst die Sonne, die doch so vieles gesehen, sich hinter den Wolken verkroch, wenn sie ihrer ansichtig wurde. Das Auge ihres Vaters ruhte mit Wohlgefallen auf ihr, und für ihre Mutter aber war die Gegenwart der Tochter ein stetes Vergnügen. Doch als die Prinzessin dem Mädchenalter zu entwachsen schien und der Zeitpunkt gekommen war, ihr einen Gatten zu suchen, da wurde sie traurig. Denn viele, viele Prinzen präsentierte man ihr, und doch nicht einer weckte in ihr das Verlangen, ihn zu küssen. Und dabei war doch irgendwann genau dieses erforderlich, denn dies hier ist ein Märchen, und im Märchen küssen Prinzen Prinzessinnen immer.
Nun ging die Kunde von einer Prinzessin im Nachbarland, die es an Schönheit und Geist jederzeit mit der unseren hier hätte aufnehmen können. Die Prinzessin hatte einige Bildnisse von ihr gesehen, und ihre Bonmots, die die Runde machten, waren so wohl gesetzt, dass es eine Freude war, sie zu lesen. Die Prinzessin entbrannte zu ihr in inniger Leidenschaft.
Eines Tages, als die Prinzessin, ihren Kummer betrauernd, in den weitläufigen Gärten ihres Vaters auf und ab schritt, näherte sich ihr ein altes Weib, runzlig und bucklig, und fragte: Madame, Ihr beugt Euren Rücken fast so sehr wie ich! Was bekümmert Euch? Die Prinzessin erkannte in ihrer Weisheit, dass die alte Frau eine Fee war. Natürlich ist es eine Fee, das hier ist ein Märchen! Die Prinzessin sagte: Ach, gute Fee, ich soll verheiratet werden. Nun, entgegnete die Fee, wenn es weiter nichts ist! Ihr seid so schön und von solchem Geist, dass Ihr die Zierde am Hofe Eures Vaters seid, der zudem der mächtigste Mann der Welt ist. Und die Königin ist die reizendste Frau der Welt. Welcher Schwiegersohn würde nicht gern an einem solchen Hof sein Gastrecht nehmen? Die Sonne selbst, die sich an so vielen Plafonds Eurer Gemächer befindet, kann nicht anders als zu lächeln.
Nun, erwiderte die Prinzessin, deren Trauer bei diesen Worten nur noch größer wurde, genau das ist ja die Schwierigkeit! Um wie viel glücklicher wäre ich, wäre es eine Prinzessin, die das Gastrecht am Hof meines Vaters nutzen wollte. Um wie viel glücklicher wäre ich, würden meine Lippen das zarte Gegenstück einer Prinzessin und nicht das kratzige Kinn eines Mannes berühren. Von anderen Dingen ganz zu schweigen. Und die Prinzessin wurde so traurig, dass sie sich am liebsten in ein Bassin gestürzt hätte, aber dies war leider streng verboten, denn der Bademeister hatte seinen freien Tag.
Oh, antwortete die Fee erstaunt, da muss ich mich bedenken. Ich kann zwar verzaubern, aber nicht hexen.

Le. Alex Sax:

Aber ich kann zaubern, dachte sich die Fee dann lächelnd und schnippte mit den Fingern. Da wurde Prinzessin Marie Anne schwarz vor Augen und sie fiel sanft, wie auf einer Wolke, zu Boden und in eine selige Dunkelheit.
Irgendetwas kitzelte die Prinzessin alsbald an der Nase. Sie nieste und hustete, wovon sie langsam aufwachte. Sie öffnete zögerlich die Augen und blickte direkt in zehn Augenpaare, die sie besorgt von oben anblickten und leise auf sie einredeten. Marie Anne schwebte inmitten von Engeln. Die Prinzessin erschauerte, als sie deren wunderschöne Augen sah, die mit den fröhlichsten Farben umrandet waren. Und allesamt gehörten sie zu engelsgleichen Frauen. Langsam richtete sich die Prinzessin auf und musste wieder niesen, als sie ein Engelsflügel streifte. Alles war weiss und golden. Es glitzerte wie ein Sternenhimmel vor ihren erstaunten Augen. Die Frauen, die ihr aufhalfen waren in weisse Federn gehüllt, die mit Gold verziert waren. Es war wie ein Traum und die Prinzessin war sich sicher, dass die Fee sie direkt ins Paradies geführt hatte. Bald stand sie in der Frauenschar, inmitten dieser Federwolken und atmete fremde und aufregende Düfte ein. Und weit und breit war kein bärtiger Prinz zu sehen.
Die Frauen schnatterten und streichelten sie zur Beruhigung. Die Prinzessin fand das himmlisch und wollte nie wieder weg von diesem wunderbaren Ort. Endlich waren ihre geheimsten Wünsche erfüllt worden. Sie blickte in die Luft und sah überall glitzernde Lichter und Spiegel bis an die Decke, die die wallenden Federn auf allen Seiten wieder spiegelten.
Plötzlich ertönte eine tiefe männliche Stimme und die gefiederten Engel teilten sich, um eine Gasse zu bilden. Erstaunt sah die Prinzessin nach vorne und schloss kurz geblendet die Augen. Da kam ein goldener Mann. Seine Kleidung glitzerte in der Farbe der Sonne und er hatte schwere güldene Ketten überall. Das musste der König dieses Paradieses sein. Als er vor der Prinzessin stand, verneigte sich diese und küsste ihm ergeben die Hand.
Der König hielt kurz inne, dann klatschte er mit der flachen Hand auf den halbnackten Po der Prinzessin und donnerte: «Man Mädchen, hast du wieder gekokst? Jetzt ist aber Schluss! Los alle auf die Bühne aber plötzlich. Denkt ihr das Paradise läuft ohne eure blanken Hintern oder was?»
Mit Geheul nahmen die Mädchen die erstarrte Prinzessin in die Mitte und zerrten sie aus der Garderobe. Die königliche Hoheit schrie verzweifelt nach der Fee und wusste gleichzeitig, dass es nichts nützen würde. Sie hatte bekommen, was sie sich gewünscht hatte.
Moralité:
Die Prinzessin erwachte aus ihrem Traum,
Und sah zum Glück: es war nur Schaum.
Was als Prinz erscheint, nicht immer einer ist.
Manchmal greift nur Tücke und nur List.
Das echte Glück, ganz wahr und pur,
Findet man beim König nur.

.. ja, und Feen sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren, dachte Prinzessin Marie Anne, als sie im Moulin Rouge über die Bühne stolperte….

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