Geschichte des Tages: Ryek Darkener – Aya Ngena (aus „Spes Impavida“)

typewriter-1007298_1920Geschichte des Tages

Ryek Darkener – Aya Ngena (aus „Spes Impavida“)

Als Kaija die Luke öffnete, sah sie nur Dunkelheit unter sich.
„Siri?“
„Ja, ich bin hier.“
Kaija schloss die Augen und schnalzte mit der Zunge. Sie erkannte, dass alle außer Jeremias anwesend waren und stieg erstaunt hinab. Als sie unten angekommen war, erklang das Geräusch von Streichhölzern, die angerissen wurden. Sie sah einen Tisch und Stühle, hinter denen die anderen sich versammelt hatten. Die Streichhölzer zündeten Kerzen an, die den Raum in weiches Licht hüllten. Alle sahen in Kaijas Richtung. Siri kam zu Kaija, drehte sich um und hob eine kleine Flöte an den Mund, mit der sie einige Töne anspielte. Dann nahm sie die Flöte wie einen Taktstock und gab den Einsatz.

Kaija verfolgte die Darbietung von „Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir“ wie im Traum.

Als der letzte Ton verklungen war, räusperte sich Jeremias, der oben an der Leiter stand. Er schloss die Luke und stieg vorsichtig hinab. „Schiff gesichert und auf Automatik, wie befohlen. Wir sind jetzt in der Hand der Göttin.“
Imara räusperte sich. „Das sind wir allezeit. Sie wird unseren Kurs in den nächsten Stunden überwachen, während wir uns von Kaija verabschieden. Vielen Dank Siri, dass du dir die Mühe gemacht hast. Es erinnert uns daran, dass das Ziel des Kampfes nicht der Tod der Feinde, sondern die Harmonie des Himmels ist. Ich bin dankbar für jeden Weg, der Leid und Tod vermeidet.“
Sie verneigte sich vor Siri, die die Verneigung verlegen erwiderte.
„Wir wollten uns von dir verabschieden, solange du es bei vollem Bewusstsein mitbekommst“, ergänzte Jan.
„Danke euch allen“, antwortete Kaija, sichtlich bewegt. „Nein. Keine Reden mehr. Lasst uns diese Feier genießen. Und auf ein glückliches Wiedersehen hoffen.“

Gegen Ende der Veranstaltung hob Siri die Hand. Die anderen verstummten.
„Ich möchte euch eine seltsame Sache berichten“, begann sie. „Als ich im Datenkabinett nach einem geeigneten Musikstück suchte, bekam ich eine Mitteilung von einem gewissen Falk. Der Kaija wohl sehr gut kennt.“
Kaija war überrascht. „Ja.“
„Falk sagte, ich soll dir Grüße von Njemile Kern ausrichten.“
Kaija schnappte nach Luft und rang um ihre Fassung.
Nach einer kurzen Pause fuhr Siri fort. „Sie bittet darum, dass der folgende Text für immer in unseren Herzen sei.“ Sie räusperte sich und rezitierte:

Gemeinsam sind wir stark
Schau doch die anderen an, die Feiglinge! Sie zittern vor unserer Stärke

Sie klopfte auf dem Tisch einen einfachen Rhythmus und begann zu singen. Es war der Text in der Sprache der Zulu. Nach und nach setzten die anderen ein.

Irgendwo zwischen Mars und Jupiter glitt ein dreißig Meter langes Gebilde durch den Raum. Mit einer Kapsel an der Spitze. Mit einem weit hinausragenden Faden, an dessen Ende sich eine Metallscheibe befand. Es hob sich kaum gegen den Hintergrund ab, war nur zu erahnen, wenn es einen Stern bedeckte. Ein Betrachter wäre darüber verwundert gewesen, dass sich niemand auf der Brücke befand. Noch mehr gewundert hätte ihn, dass, wenn er den Laderaum am unteren Ende des Gebildes betreten hätte, er auf vierzehn Menschen getroffen wäre. Vier Erwachsene zusammen mit zehn Jugendlichen im Alter zwischen acht und achtzehn Jahren. Die gemeinsam um einen Tisch saßen und sangen.

Aya ngena aya phuma aya didi ze la aya, saba magua la

(c) Ryek Darkener

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