Geschichte des Tages: Thomas Dellenbusch – Gott zum Gruße, Weimar

Geschichte des Tages: Thomas Dellenbusch – Gott zum Gruße, Weimar

21.02.17

Die heutige Geschichte des Tages ist nur ein Gedicht.
Aber ich stelle ihm eine persönliche Geschichte voran.

Als ich vor vielen Jahren das erste Mal in meinem Leben Weimar besuchte, empfing mich ein eigentümliches Gefühl der Vertrautheit. Darüber hinaus lag für mich spürbar eine faszinierende Spannung oder Energie in der Luft. Ich unterbrach mein Sightseeing, setzte mich in den Park der Stadt und verfasste dieses Gedicht, in dem ich eben jenes Gefühl der Vertrautheit thematisiere, aber auch durch Verwendung vokabulärer Gegensätze die in der Luft liegende Spannung zum Ausdruck bringen wollte.

Bevor ich wieder abfuhr, kaufte ich mir in der Touristen-Information eine Film-DVD über Weimar als Andenken. Zu meiner Verblüffung, oder um den Tag für mich perfekt zu machen, beginnt die DVD mit einer Geschichte über den dänischen Dichter Hans Christian Andersen. Als dieser Mitte des 19. Jahrhunderts zum ersten Mal Weimar besuchte, überwältigte ihn ein ungeheures Gefühl der Vertrautheit, das er sofort in ein Gedicht fließen lassen musste. Dieses Gedicht wird in dem Film auch zitiert. Andersen benutzt natürlich ganz andere Worte und Zeilen als ich, aber ich war echt baff, dass er inhaltlich das Gleiche aussagte und demzufolge auch spürte. Hier ist nun mein Gedicht über Weimar:

Gott zum Gruße, Weimar
Im schwätz’gen Treiben Deiner Straßen
Heißt Du, des Geistes Muse Heimat
Schweigend still willkommen mich
Deine engen stein’gen Gassen
weiten meiner Seel den Blick
In der alten Fenster trüben Licht
Holst Du vor krummen Mauerfluchten
Geradewegs Vergangenes ins Jetzt zurück
Du hältst in schmalen Häuserschluchten
Mein Lächeln breit, das Haupt gebeugt
Entlockst der Feder mein das Wort
Welches von meines Herzens Nähe zeugt
Zu Dir, des Dichters runzlig jungem Ort

(c) 2011 Thomas Dellenbusch

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