Götz Nitsche

Autoreninterview Götz Nitsche

27.2.2017

 

Das Autoren_Netzwerk freut sich, den Autoren Götz Nitsche zum Interview begrüßen zu dürfen.

Hallo zusammen! Ich bin Götz Nitsche.

Zur Schule ging ich im schönen Freiburg und anschließend studierte ich in Karlsruhe Elektrotechnik. Ich reise gerne, bin ein ausdauernder Schwimmer und begeisterter Surfer. Schon zu Schulzeiten liebte ich das Lesen und das Schreiben. Und so ist mein Beruf zwar das Ingenieurwesen, doch meine Leidenschaft gehört der Schriftstellerei.
Nach der Beendigung meines Studiums reiste ich ein Jahr lang alleine um die Welt und erfüllte mir einige langgehegte Träume. Ich lebte in Panama auf einsamen Inseln, tauchte vor Thailand mit einem Walhai, fuhr mit dem Fahrrad durch Neuseeland und wanderte quer durch das Himalaya-Gebirge. Und ich nahm die Gelegenheit wahr, eine lange mit mir herumgetragene Idee zu Papier zu bringen: Ich schrieb den Roman „Weg Wollen“.
Ein Generationenroman sollte es werden, oder doch zumindest die Geschichte meiner Generation. Eine Reise durch Mittelamerika, eine Reise durch die Emotionen der Jugend bis hin zum Erwachsenenalter, und schließlich eine Reise zu sich selbst. Eine Hommage an die Nullerjahre und eine Geschichte über das Glück und die Liebe.
Es gelang mir, den Roman auf meiner Weltreise fertigzustellen, doch perfektionistisch wie ich bin, sah ich am ersten Wurf noch jede Menge Verbesserungspotenzial. Und so überarbeitete ich ihn fast vier Jahre lang neben meinem Beruf, bis ich ihn schließlich im Herbst 2016 selbstständig veröffentlichte.
Die positiven Rückmeldungen haben mich dazu bewegt, weitere Romanideen zu verfolgen und einen Blog über meine Reisen und das Schreiben zu führen. So arbeite ich inzwischen nur noch vier Tage als Ingenieur – um mindestens einen Tag vollständig für meine Leidenschaft zu haben. In der Hoffnung, eines Tages meine Berufung zum Beruf zu machen.

Herzlichst, Euer Götz

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Hallo Götz, danke, dass Du Dich unseren Fragen stellst. Wie war Dein Jahr rund um die Welt?

Inspirierend. Ich bin auf möglichst originelle Weise und so günstig wie möglich einmal dem Sommer um die Welt gefolgt. Ich bin zum Beispiel durch Neuseeland 3500km mit dem Fahrrad gefahren. Da habe ich Stoff für einige weitere Geschichten mitgebracht.

Da kamen sicher eine Menge Erlebnisse zusammen. Welches hat Dich am meisten geprägt?

Das Alleinreisen an sich hat tiefe Eindrücke hinterlassen. Ich kann mich an Momente erinnern, etwa als ich in Neuseeland nach einem Tag langer Strapazen in einem entlegenen Teil des Landes einen wunderschönen Strand fand und diesen ganz für mich alleine hatte. Das war so intensiv, dass ich ihn gerne mit jemandem geteilt hätte. Gleichzeitig war mir aber auch bewusst, dass es niemals so intensiv gewesen wäre, hätte ich Begleitung gehabt.

Wo wir beim Thema inspirierend sind. Woher nimmst Du Deine Inspiration?

Ich versuche, mir Inspiration direkt zu merken, wenn sie mir im Alltag begegnet. Zum Beispiel wenn man eine Unterhaltung mitbekommt, oder selbst ein intensives Gefühl erlebt. Man hat ja auch immer schon 2-3 Geschichten im Hinterkopf, die man gerne aufschreiben möchte. Sobald ich finde, dass eine Inspiration zu einer der Geschichten passt, schreibe ich sie so schnell wie möglich auf.

Hast Du ein neues Werk in Arbeit?

Mindestens zwei Werke, aktuell arbeite ich an einer Gaunerkomödie, fertige das Exposé dafür an, weil ich sie für das Literaturstipendium der Landeshauptstadt München einreichen werde. Ein einfacher Einbruch geht schief und so haben meine Protagonisten nur 24h Zeit, um sich aus dem Schlamassel zu befreien. „Popkornkino“, wenn man so will, doch auch hier versuche ich einen ähnlichen Tiefgang wie bei „Weg Wollen“ zu erreichen: Die Geschichte wird in Leipzig spielen und ich lasse meine Figuren zwischen Schillerhaus, Pegidademo und Fußballstadion hin und her treiben. Auf ironische Art soll die Zeitgeschichte und aktuelle Politik verwurstet werden, wie ich es schon mit dem ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends in „Weg Wollen“ tat. Das ganze gewürzt mit einer witzigen Portion Philosophie und Psychologie. Parallel verfolge ich den Plan, aus meinen Erfahrungen mit dem Fahrrad durch Neuseeland eine Art halbautobiografische Selbstfindungsgeschichte zu machen.

Hast Du Dich bewusst für den Weg des Sp´lers entschieden? Wenn ja, warum?

Nein, das war eher ein Resultat meiner Ungeduld. Ich hatte den Roman „Weg Wollen“ 4 Jahre lang überarbeitet und am Rande schon Erfahrungen mit den langatmigen Prozessen bei Agenturen gemacht. Daher hatte ich es am Ende gar nicht erst versucht. Inzwischen glaube ich jedoch, dass es langfristig nur mit einer Agentur/Verlag klappen kann.

Warum schreibst Du?

Das ist eine gute Frage! Zunächst mal war es ein Lebenstraum. Einmal einen vollwertigen Roman schreiben!
Aber im Prozess des Schreibens wurde viel mehr daraus. Parallel las ich viel und ließ meine großen Vorbilder in die Geschichte mit einfließen. In der Hoffnung, eines Tages so gut zu sein wie sie. Mein Ehrgeiz wurde immer größer und von der ursprünglichen Idee, eine Geschichte über das Reisen und die Selbstfindung zu schreiben, wurde ein umfangreiches Projekt mit ausschweifender Metaebene. Die subtilen Botschaften meiner Protagonisten und die philosophischen Fragen, die den Leser hoffentlich auch nach dem Lesen noch beschäftigen, wurden schließlich zu meiner Hauptmotivation. Dies soll auch in Zukunft für meine weiteren Projekte gelten.

Welches Erlebnis ist Dir noch sehr präsent von Deiner Reise?

Als ich in Panama einen Zahn verlor zum Beispiel. Mein eigenes Surfbrett rauschte mir in den Wellen in den Mund und weg war mein schönes Lächeln. Mitten im Dschungel vor einer einsamen Insel.
Oder als ich in Nepal den Tharon-Pass auf fast 5500 Meter Höhe zu Fuß überquerte. Da fühlt man sich lebendig. Ein paar dieser Anekdoten habe ich übrigens auf meinem Blog festgehalten, und es werden regelmäßig mehr.

Wie kam Dir die Idee zur Reise?

Ehrlich gesagt: Ich wollte noch nicht arbeiten. Ich hatte das klassische (und vermutlich dumme) Gefühl, dass dies die letzte Gelegenheit zu einer Weltreise wäre. Ich hatte keinen genauen Plan, hatte immer nur Flüge für höchstens ein weiteres Ziel im Voraus. Ich ließ mich treiben, genau das war der Plan.
Heute weiß ich, dass ich neben dem „normalen“ Beruf durchaus mein Leben so einrichten kann, dass Zeit für erfüllenden Hobbies bleibt. Bestes Beispiel ist der Grund für dieses Interview.

Was hat Deine Familie dazu gesagt, wie war es, nach dem Jahr wieder heimzukommen?

Die war erstmal sehr überrascht, dass ich ein ganzes Jahr weg wollte. Die hatten nur so mit ein paar Monaten gerechnet. Aber irgendwann gewöhnt man sich an die Abwesenheit, dann ist es auch egal, ob es ein halbes oder ein ganzes Jahr ist. Es war dann wohl eher ich selbst, der irgendwann keine Lust hatte. Nach acht Monaten war die Luft im Grunde raus und ich wollte nach Hause.
Das Gute daran war: Da ich weniger Sehenswürdigkeiten ansah und eher am Strand in der Hängematte blieb, hatte ich mehr Zeit zum Schreiben.

Welche Projekte hast Du für 2017?

Ich würde sagen, das übergeordnete Ziel ist, mit dem bereits Geschriebenen eine Agentur zu finden. Dies würde ich sowohl mit „Weg Wollen“ als auch mit der begonnen Gaunerkomödie tun. Zwei weitere Ideen habe ich schon relativ weit ausgearbeitet, wobei hier bislang nur das Konstrukt der Geschichte steht, die Kapitel sind noch nicht im Detail geschrieben.
Ich hoffe, so einem möglichen Partner klarmachen zu können, dass ich es durchaus ernst meine und ein guter Partner für eine langfristige Zusammenarbeit bin.

„Weg wollen“ ist ja zum Teil auch gesellschaftskritisch, auch wenn es unter Humor gelistet ist. Nun eine Gaunerkomödie, bist Du auf das Genre „Humor“ festgelegt oder kannst Du Dir vorstellen, auch in anderen Genres zu schreiben?

Ja, das bereitet mir auch ein wenig Kopfzerbrechen. Ich möchte mein Profil als Autor natürlich so gut es geht schärfen. Erst eine melancholisch-philosophische Geschichte – und nun eine Komödie?
Aber im Kern geht es in meinen Ideen immer darum, dass sich eine Person weiterentwickeln muss, und auch in „Weg Wollen“ kommt der Humor nicht zu kurz. Außerdem habe ich mir fest vorgenommen, immer sowohl philosophische als auch psychologische Aspekte mit zu behandeln. Ich mag Charaktere schaffen, die nicht gleich auf Seite eins zu fassen sind. Vielleicht kann das mein Profil sein.

Arbeitest Du mit Agenturen zusammen?

Ich habe es bislang nicht wirklich versucht, habe es aber vor. Im Augenblick ist eine Leserunde auf lovelybooks.de in den letzten Zügen und ich habe ein paar wunderbare Rezensionen bekommen. Diese möchte ich nutzen, um mich demnächst an Agenturen zu wenden.

Würdest Du noch einmal so eine Reise machen? Oder hast Du dadurch genug Material für ein ganzes Leben?

Sehr gerne! Aber der leidige Job erlaubt das derzeit eher schwer. Ich und meine Freundin kompensieren dieses Verlangen ein wenig durch ausgefallene Jahresurlaube. Diesen August werden wir zum Beispiel durch einen völlig menschenleeren Teil Grönlands wandern – das muss dann genug Abenteuer sein bis zum nächsten Urlaub.

War die Idee, ein Buch über Deine Reise zu schreiben, von Anfang an präsent? Hast Du geschrieben, während du unterwegs warst? Oder hast Du erst alles zuhause zu Papier gebracht?

Im Grunde nutze ich ja nur die Orte und deren Stimmung. „Weg Wollen“ ist ansonsten nicht autobiografischer als andere Bücher dieses Genres (ein bisschen was steckt mit Sicherheit immer drin).
Aber ja, ein exotisches Land sollte von Anfang an eine Hauptrolle spielen. Ich nutzte es als Kontrast zu den Rückblicken, die in einer gewöhnlichen, von Beton dominierten deutschen Stadt spielen sollten.
Am Anfang stand nur das grobe Gerüst der Geschichte. Details der Charaktere, Metaphorik usw. kamen nach und nach immer mehr hinzu. Etwa nach einem Drittel wusste ich dann auch, wie die Geschichte enden musste – von da an flutschte es fast wie von selbst.

Hast Du vor, Lesungen zu machen?

Ich wäre dafür offen und hätte Spaß daran. Derzeit habe ich – neben dem normalen Beruf und der Pflege meines Blogs – aber leider zu wenig Zeit, um die Initiative zu ergreifen. Ich hoffe aber, dass sich durch meine Agentursuche und meine Bewerbung um das Literaturstipendium München bald neue Kontakte und Gelegenheiten ergeben. Dann sehr gerne.

Hast Du einen Traum, aufs Schreiben bezogen, den Du Dir erfüllen möchtest?

Ein Traum wäre in der Tat ein Vertrag bei einem großen Publikumsverlag. Ideen für weitere Romane habe ich genug.
Was meinen Anspruch als Schriftsteller angeht, wäre es ein Traum, nicht nur als Unterhaltungsautor wahrgenommen zu werden, sondern als jemand, dessen Geschichten genug Tiefgang haben, um von Feuilletonisten diskutiert zu werden. Die Rückmeldungen in der Leserunde auf lovelybooks waren in der Richtung sehr ermutigend.

Standardfrage an den Weltenbummler: Welche drei Dinge, keine Menschen, nimmst Du mit ins Packeis/Wüste?

Vorausgesetzt, dass genug Essen und Trinken verfügbar ist: Ich liebe die Einsamkeit, daher verzichte ich für eine solch intensive Erfahrung auch gerne auf Begleitung.
Meine Gitarre vielleicht, da hätte ich endlich mal Zeit zu üben. Und dann müsste ich mir ein Buch auswählen, ein möglichst dickes, das mich lange inspiriert. Die gesammelten Werke von Kafka zum Beispiel. Und dann natürlich Schreibzeug, um meine gesammelte Wüsteninspiration aufzuschreiben.

Wie gehst Du mit negativer Kritik um?

Die trifft mich schon sehr, aber ich versuche, mich auf die positiven Rückmeldungen zu fokussieren, die zum Glück in der Überzahl sind.
Im Rahmen der Leserunde schrieb eine junge Dame einen Verriss im Stile eines fiesen Feuilletonisten. Sie schrieb nicht „mir gefällt nicht“ sondern immer in absoluten Worten: „Dieses oder jenes ist schlecht.“ Und das, obwohl dieselben Punkte von anderen Mitlesern zuvor hochgelobt worden waren. Das ging mir zunächst an die Nieren.
Ich hatte kein Bild und keinen Namen dieser Person und das hat mich sehr getroffen. Aber ich fürchte, damit muss man gelegentlich rechnen, wenn sein Buch in der Anonymität des Internets diskutiert wird.

Gibt es Dinge, die Du unbedingt zum Schreiben brauchst? Bestimmte Rituale?

Disziplin. Ich glaube, das ist das A und O. Außerdem schreibe ich auf einem Laptop (nicht von Hand).

Und noch eine Standardfrage: Eine gute Fee erfüllt dir drei Wünsche …

Ich hätte gerne Zeit, Zeit und noch mehr Zeit.
Klar könnte ich sagen, ich wünsche mir einen Verlagsvertrag, aber ich bin sehr ehrgeizig und würde das nicht geschenkt haben wollen. Mit ausreichend Zeit kann ich es früher oder später aus eigener Kraft schaffen.

Brauchst Du Ruhe zum Schreiben oder Musik?

Da bin ich eher der „Ruhe“-Typ. Ich benötige meist eine gewisse Zeit, um wieder in meine Geschichte hineinzufinden. Entweder lese ich hierzu nochmal das letzte Kapitel, an dem ich anknüpfen möchte, oder ich lese das Buch eines anderen Autors, den ich für mein aktuelles Projekt als Vorbild sehe. Ich neige dazu, meinen Schreibstil dann an seinen anzulehnen. Indem ich das weiß, kann ich mir das zunutze machen.

Gibt es ein Genre, das Du nie schreiben würdest?

Ich hoffe, ich trete damit niemandem zu nahe, denn sie sind natürlich sehr beliebt: Aber ich finde klassische Liebesschnulzen schrecklich. Es sind für mich die immer gleichen Geschichten.
Wenn ich einen Liebesroman schreiben würde, dann zum Beispiel über zwei Menschen, die sich bei einem Selbstmordversuch kennenlernen und die die Romantik des Todes vereint. Das wäre mal was Neues. Und ganz wichtig: Das ganze muss bitteschön auch noch witzig sein. Klingt bescheuert? Mag sein, aber ich mag es eben unorthodox.

Was bringt Dich aus dem Schreibrhythmus?

Der Alltag. Leider. Ich habe einen ausführlichen Artikel auf meinem Blog geschrieben, in dem ich die Vorteile des Schreibens auf Reisen berichte. Wenn einfach gar nichts dazwischen kommen kann – keine Arbeit, kein Kochen, nichts – dann kann ich erst so richtig produktiv sein.
Ich erlaube mir mal, den Artikel hier zu verlinken.

Vielen Dank für das offene, ehrliche Interview, Götz, und weiterhin viel Erfolg, auch bei der Verlagssuche.

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