Geschichte des Tages: Uwe Tiedje – A Short Lovestory – Teil 1 – ein modernes Märchen

Geschichte des Tages: Uwe Tiedje – A Short Lovestory – Teil 1

18.03.2017

A Short Lovestory – Teil 1 – ein modernes Märchen

Es war einmal eine Prinzessin, die lebte in einem großen Schloss  jenseits der Berge. Sie war schön, nicht wunderschön, aber schön und als ihr Vater, der König beschloss, das es für sie an der Zeit sei zu heiraten, kam nicht nur ein Edler, nein, es kamen mehrere.

An diesem Tage versammelte der Hofstaat sich früh, um sich die edlen Herren anzusehen, die gekommen waren, um Prinzessin Klaras Hand zu erbitten. Das es zu der Prinzessin sozusagen als Bonus ein halbes Königreich dazugab, beeinflusste die Herren selbstverständlich in keinster Weise.

Der König und die Königin, sowie Prinzessin Klara platzierten sich im großen Empfangssaal auf ihren Tröhnchen und erwarteten die Dinge, die da kommen sollten. Prinzessin Klara war schön anzusehen, als sie in ihrem roten, bodenlangen Kleide mit den gelben, daumengroßen Nelken so dasaß. Der König war sehr stolz auf seine Tochter, nur war ihm ihr Dekolleté etwas zu freizügig. Aber er war ja nur der Vater, auf ihn hörte nie einer.

Also saß Prinzessin Klara so da, ganz in rot mit gelben Nelken und ihrem Dekolleté und hoffte, bangte, erwartete, dass einer der edlen Herren denn auch ihr Interesse fand.

Der Erste der eintrat mit seinem Gefolge, war Sir Humphrey, ein Prinz aus fernen Landen, der dereinstens als Chauffeur für einen hochgestellten Fürsten tätig gewesen war. Als er eine hochrangige Persönlichkeit vor den Flammen bewahrte, wurde ihm der Titel Sir verliehen.

Der zweite, Graf Hans von Bodenfurt, kam allein, da ihn sein Gefolge verlassen hatte, um die besseren Verdienstmöglichkeiten bei Sir Humphrey voll auszuschöpfen.

Auch der Herr von Dunkelheim, eben jener ehemalige Arbeitgeber des Sir Humphrey, hatte sich kurz entschlossen auf die Reise gemacht, um Prinzessin Klara, einst als Sekretärin für ihn tätig (ein dunkles Kapitel ihrer Vergangenheit, dass die Prinzessin geheim hielt), um ihre Hand zu bitten. Nun, da er nach dem tragischen Unfall seiner innig geliebten Gemahlin (böse Zungen behaupteten, er habe endgültig genug von ihrer Nörgelei gehabt), die ein Opfer der Flammen wurde, wieder frei war, hatte er ein Auge auf Prinzessin Klara geworfen, dem diese jedoch geschickt ausgewichen war.

Und zu guter letzt erschien der Bürger Siegbert Boltrecht. Nicht adelig, aber aufgrund seines legendären Knackarsches durchaus nicht chancenlos.

Sie alle erschienen, um die Hand der Prinzessin Klara zu erlangen. Nicht viele, nicht einer, aber immerhin vier. Die königliche Familie nahm die edlen Herren ins Visier und schaute prüfend auf ihr Äußeres.

Sir Humphrey in seinem mausgrauen eintausend Dollar Anzug erinnerte stark an den jungen Burt Lancaster. Allerdings wirkte der Zigarillo zwischen seinen Zähnen etwas deplaciert, ebenso wie die dunkelblaue Melone sich mit dem mausgrauen Anzug biss.

Graf Hans von Bodenfurt hatte seinen Hawaii Urlaub überhastet abgebrochen, verließ die zwei schmachtenden Hula Girls ohne mit der Wimper zu zucken, als er von den Heiratsplänen der Prinzessin Klara hörte. Jedoch aufgrund der knappen Zeit erschien er nun in Bermuda Shorts, Badelatschen und geblümtem Hawaii Hemd. Lediglich den Blumenkranz hatte er unterwegs abgelegt. Seine Augen lagen hinter einer dunklen Sonnenbrille verborgen.

Der Herr von Dunkelheim wirkte äußerlich wie ein Ziegenbock und die beiden Hörner an seiner Stirn sowie sein ewig nachschleifender Klumpfuß irritierten den König doch etwas. Auch die Peinlichkeit, die sich beim Eintritt des Fürsten ereignet hatte, sprach sich in Windeseile tuschelnd herum. Tatsächlich war jemandem die Peinlichkeit passiert, dem Fürsten auf den Schwanz zu treten.

Bürger Siegbert Boltrecht lehnte locker und entspannt am Treppengeländer. Sein muskulöser, sehniger Körper übertraf noch den des berühmten ehemaligen Gouverneurs von Kalifornien, eines ebenso ehemals billigen Schauspielers, und so manche Hofdame sank beim Anblick seines in einer engen Jeans steckenden legendären Knackarsches ohnmächtig zu Boden.

Nachdem der König die Musterung mehr oder weniger zufrieden abgeschlossen hatte, entfernte sich die königliche Familie in den blauen Salon. Der kurze, leise Aufschrei der Königin, als ihr Gemahl ihr lüstern ins Hinterteil kniff, ging in dem lauten Getuschel und Gemurmel des Hofstaates unter.

Der König und die Königin nahmen in breiten, schweren Sesseln Platz, während Prinzessin Klara sich auf der Couch arrangierte.

Auf einen Wink des Königs wurde Sir Humphrey hereingeführt. Er schaute sich aufmerksam um im blauen Salon. Den Blick starr auf das Dekolleté der Prinzessin, harrte er der Dinge, die da kommen würden.  Sir Humphrey zeigte sein strahlendstes Lächeln. Wie sehr ihn das Dekolleté der Prinzessin beeindruckt hatte, zeigte allein schon die Tatsache, dass er tatsächlich sein Zigarillo zwischen den Zähnen hin- und herrollte, was er sonst nie tat.

© Uwe Tiedje

 

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