Geschichte des Tages: Uwe Tiedje – A Short Lovestory – Teil 2

Geschichte des Tages: Uwe Tiedje – A Short Lovestory – Teil 2

A Short Lovestory – Teil 2

Der König und die Königin verließen den Raum, um der Prinzessin Gelegenheit zu geben, den Bewerber allein auf seine Tauglichkeit zu prüfen.
Kaum waren sie verschwunden, setzte sich Sir Humphrey zu der Prinzessin auf die Couch und betrachtete sie mit schmachtendem Blick. Die Prinzessin schaute ihn an und lächelte.
„Würdet Ihr mich gern küssen?“
Sir Humphrey nickte.
„Warum tut ihrs dann nicht?“
Sir Humphrey beugte sich über sie, seine Lippen trafen die ihren, ihre Münder verschmolzen, seine Hand auf ihrem Dekolleté. Endlich schafften sie es, sich voneinander zu lösen.
„Nicht schlecht“, gab die Prinzessin zu. „Würdet Ihr gern…“
Sir Humphrey nickte erneut.
Das Kleid hatte nun sichtbare Mühe, unter der heftigen Atmung der Prinzessin ihr Dekolleté im Griff zu behalten. „Warum tut ihrs dann nicht?“
Sir Humphrey schaute ihr tief in die Augen. „Würdet ihr es denn zulassen?“
Die Prinzessin dachte kurz nach. „Unter zwei Bedingungen.“
„Welche? Sagt sie mir.“
„Nun, ihr müsstet diesen grässlichen Zigarillo entfernen.“
„Kein Problem. Und die Zweite?“
„Ihr müsst Eurer Mutter abschwören, auf immer!“
Sir Humphrey sprang auf und rang die Hände. Verzweifelt begann er, im Raum auf und ab zu gehen. „Ich erfülle Euch alles Prinzessin, aber das … das kann ich nicht tun.“
Bedauernd schaute ihn die Prinzessin an. „Nun, Sir Humphrey, ich werde meinen zukünftigen Gemahl mit keiner anderen teilen, auch nicht mit seiner Mutter.“
Sir Humphrey starrte zu Boden. Seine Gedanken wirbelten. Schließlich nahm er die Hand der Prinzessin, küsste sie sanft und verließ den Raum.
Kaum hatte Sir Humphrey den Raum verlassen, trat Graf Hans von Bodenfurt ein. Sich den Kopf haltend, ließ er sich in einen der schweren Sessel fallen.
„Habt ihr ein Aspirin für mich?“
Die Prinzessin schüttelte den Kopf. „Habt ihr Kopfschmerzen meinetwegen?“
Graf Hans nahm die Sonnenbrille ab, schaute ihr tief in die Augen. „Nein, zu viel Tequila!“
„Würdet ihr denn meinetwegen dem Alkohol entsagen, Graf Hans?“
„Das wäre ein schwerer Kampf für mich Prinzessin“, gestand er ein.
„Und wäre ich Euch diesen Kampf denn wert?“
Graf Hans brauchte nur Sekunden für die Antwort. „Nein Prinzessin. Mein Grundsatz lautet, kämpfe niemals um eine Frau, das kann sie allein viel besser.“
Enttäuscht schaute ihn die Prinzessin an. „Nun denn Graf Hans, dann seid ihr wohl kaum der richtige Gemahl für eine Prinzessin. Für eine solche Frau muss man immer kämpfen. Gegen Drachen, gegen Raubritter ….“
Graf Hans erhob sich und zog die Beine seiner Bermuda Shorts glatt. „Nun Prinzessin, offen gestanden wäre mir das auf Dauer zu anstrengend.“
Sprach es und verließ den Raum, prüfend auf die Uhr schauend. Mit etwas Glück erreichte er noch den Anschlussflug nach Hawaii.
Pech und Schwefel mitbringend, betrat der Herr von Dunkelheim den Raum. „Hallo Klaralein“, begrüßte er sie.
„Prinzessin Klara, wenn ich bitten darf.“
„So förmlich heute?“
Ihre Augen blitzten ihn an, denn an ihre Anstellung bei ihm erinnerte sie sich nur ungern. „Ihr wollt mich also zur Frau?“
Er nickte. „Ja, gerne, wir waren ja mal ein prima Team.“
„Und ich werde dann wohl mal wie Eure Gemahlin enden?“
„Ach, das war doch ein Unfall“, verteidigte er sich. „Ich habe ihr gesagt, versuch das Lavatauchen nicht, aber du kanntest sie ja, sie wusste immer alles besser.“
Die Prinzessin schüttelte den Kopf. „Tut mir leid, Fürst, aber aus uns wird nichts. Es ist mir zu warm bei euch dort unten und ich hätte auch gern einen Gemahl, der etwas menschlicher wirkt.“
„Tja Klaralein, da kann man wohl nichts machen. Wir sehen uns…“
Der Herr von Dunkelheim zwinkerte ihr zu und verließ den Raum.
In freudiger Erwartung auf Bürger Siegbert Boltrecht arrangierte sich die Prinzessin erneut auf der Couch. Der erschien jedoch nicht. Nach längeren Recherchen fand man heraus, das eine der Hofdamen ihn ins Schlepptau genommen hatte und nun wohl erforschte, wie viel an der Legende vom Knackarsch denn nun wahr war.
Enttäuscht musste Prinzessin Klara akzeptieren, dass wohl keiner der Edelmänner der richtige war und dass es an diesem Tage keine Hochzeit geben würde.
Die Jahre gingen ins Land und endlich heiratete die Prinzessin einen Amerikaner, der ein Wasserbett Motel in Kalifornien betrieb und schenkte ihm neun Kinder. Sie lebten, lebten nicht glücklich, aber lebten, aus den Einnahmen des Motels und den Steuern aus dem Königreich, und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

© Uwe Tiedje

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