Geschichte des Tages: Louise Bourbon – Pour la vie de la Reyne; Für das Leben der Königin

Geschichte des Tages: Louise Bourbon – Pour la vie de la Reyne; Für das Leben der Königin

19.04.2017

Pour la vie de la Reyne – Für das Leben der Königin

«Es geht ihr gut. Es war nur der Schreck.»
Der Arzt, einer der wenigen, dem der König vertraut, und nickt diesem beruhigend zu.
Der König gestattet sich ein Seufzen. Sein Gesicht, von Sorgen zerfurcht, glättet sich.
«Ich gehe zu ihr.»
«Ich habe ihr etwas zur Beruhigung gegeben», sagt der Arzt, «sie schläft jetzt.»
Der König nickt.
«Habt Dank, Monsieur.»
Leise tritt er in das kleine Gemach, in das er seine Frau nach dem Vorfall gebracht hat.
Sie liegt hingestreckt auf einem Tagesbett, ihr Atem geht ruhig.
Er sinkt neben ihr auf die Knie, nimmt sanft ihre Hand, haucht einen Kuss darauf.
«Louise», flüstert er leise.
Tränen schießen in des Königs Augen. Um ein Haar hätte er sie verloren.
Ein leichtes Lächeln zeichnet sich auf ihren Lippen ab, doch sie erwacht nicht.
Der König löst sich von ihr, erhebt sich und durchschreitet das kleine Gemach zum Fenster hin.
Er sieht hinaus, seine Augen erfassen die Weite der Umgebung, die immer mehr zur Stadt wird. Noch einmal flüstert er den Namen seiner Frau.
Königin ist sie jetzt, seit einigen Monaten. Er wusste, dass es Widerstand geben würde, damit hat er gerechnet. Eine ehemalige Ordensfrau ist nun Königin von Frankreich. Für die Radikalen eine Sache der Unmöglichkeit. Manche haben sie hinter hervorgehaltener Hand Hexe genannt, andere taten das ganz offensichtlich. Er fragt sich, in wieweit diese unsägliche Frau, die seine Kinder erzieht und die er nicht los wird, in die Angelegenheit verwickelt ist.
Er weiß um die eigenen Pläne dieser Frau.
Der König seufzt noch einmal. Versailles. Er hat es ausbauen lassen, ist vor einigen Jahren mit dem gesamten Hof hergezogen, an den Ort, an dem Louise in seinen Armen seine Frau wurde, vor über zwanzig Jahren jetzt. Er zieht die Schultern zusammen, als ob er fröstele. Immer wieder fragt er sich, ob das richtig gewesen war. Das einst kleine Schloss, ihr Rückzugsort, ihr Refugium, ist zu einem Moloch geworden, der immer mehr Menschen anzieht, aber auch immer mehr Menschen verschlingt.
Des Königs Gedanken schweifen in die Vergangenheit. Immer wieder hat es an diesem Ort Vorfälle gegeben. Er denkt an die Frau, die auf ihn losgestürzt ist, als er, mit Louise und nur einigen wenigen Hofleuten an seiner Seite, vor vielen Jahren die Baustelle besichtigt hat. Es war so schnell, so unerwartet geschehen, dass selbst die Garde nicht rechtzeitig reagierte. Lediglich Louise erkannte die Gefahr und warf sich vor ihn.
«Wenn Ihr den König wollt», sagte sie fest, «müsst ihr zunächst an mir vorbei!»
Die ältere Frau lächelte voller Hohn.
«Sieh an», presste sie zwischen den Lippen hervor, «wo der König ist, da ist seine Hure nicht weit», und spie Louise ins Gesicht.
Diese zog gelassen ein Taschentuch hervor und reinigte sich – Zeit genug für die Garde, endlich zu handeln.
Des Königs Antlitz verdunkelt sich. Louise hatte sich selbst für diese Frau verwendet, die offenbar durch einen Unfall auf der Baustelle ihren einzigen Sohn verloren und darüber verrückt geworden war. Doch ein Angriff auf das Leben des Königs bleibt ein Angriff auf das Leben des Königs. Der Vater des Volkes darf nicht zulassen, dass seine Kinder ihm nach dem Leben trachten. Trotz allen Mitleids kein Pardon. Es würde anderen, die ähnliche Pläne hegten, Tür und Tor öffnen. Und nun hat es die Königin getroffen.
Der König wendet sich um, tritt erneut an das Bett seiner Frau, lässt sich neben ihr nieder, streichelt ihre Wangen.
Er strafft sich. Sie darf ihn nicht genommen werden. Und schon gar nicht auf diese Weise.
Da geht ein leichtes Beben durch ihren Leib. Louise kommt zu sich und öffnet langsam die Lider. Ihr Blick fällt auf ihren Mann. Sie sieht ihm in die Augen, lächelt.
«Louis», sagt sie leise und schlingt ihre Arme um ihn.
«Louise», erwidert er und hält sie fest, ganz fest. Nun fließen seine Tränen offen und tropfen in ihr Haar.
«Es ist doch alles gut gegangen», murmelt sie begütigend. «Lass uns nicht mehr daran denken.»
Die Miene des Königs wird hart. Es wird auch nicht mehr geschehen. Er wird sich mit seiner Frau und dem Hof aufs Land zurückziehen. Fontainebleau. Wenn nur ein Teil des Hofstaates folgt und das Schloss nicht aus allen Nähten platzt, ist es schön dort. Der König lächelt. Vor fast 25 Jahren hat ihrer beider Geschichte dort einen neuen Anfang gefunden, nachdem er Louise in Amboise hatte verlassen müssen. Er denkt gerne an die Zeiten ihrer jungen Liebe zurück, die ihm so einfach erscheint, jetzt, so unbeschwert.
Sein Blick heftet sich erneut auf die Frau, die in seinen Armen liegt und sein Herz besitzt. Zeit zu handeln. Die Hugenotten werden keine weitere Gelegenheit mehr erhalten. Zu lange hat er dem Treiben zugesehen, zugelassen, dass die Fanatiker unter ihnen ihre Macht ausbauen und die seine gefährden können. Seine Macht, aber auch sein Leben. Und nun das der Königin.
Trop c’est trop. Trêve des discussions. Genug ist genug.

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