Eygennutz Verlag


Verlagsinterview Eygennutz Verlag

Das Autoren_Netzwerk freut sich, den Eygennutz Verlag interviewen zu dürfen.

Bianca Stücker wird den Verlag kurz vorstellen und wir werden erfahren, was außer dem, was man auf der Homepage unter Manuskripte lesen kann, noch hinter dem Verlag steckt. Danach könnt ihr Bianca Fragen zum Verlag stellen.

Auszug von der Homepage, Seite „Manuskripte“

Geschmäcker sind verschieden. Im eygennutz-Verlag erscheinen nur Bücher, die uns selbst gefallen. Was wir mögen: Gegenwartsliteratur, Hintergründiges, Skurriles, Komisches, Seltenes und anderweitig Schönes. Was wir nicht verlegen: Genregebundene Unterhaltung. Dafür gibt es nämlich genug andere Verlage.

Wenn Ihr uns ein Manuskript anbieten möchtet, schickt uns doch gern ein Exposé, ein paar Worte zu Euch selbst und eine Leseprobe an: info@eygennutz-verlag.de.

Und damit keine Missverständnisse aufkommen: Wir sind kein Druckkostenzuschussverlag, sondern zahlen jedem Autor/jeder Autorin ein Honorar.

Wir freuen uns auf Ihre Einsendungen!

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eygennutz im www

Bianca Stücker über den Eygennutz Verlag:

Wir verstehen uns als „Anti-Mainstream-Verlag“, das heißt, wir möchten gern all das machen, was in kein Genre passt. Auf diese Idee kamen wir, weil wir vor hatten, genau die Bücher zu veröffentlichen, die wir selbst gern lesen möchten – und die passen häufig einfach in kein Genre.
Es gibt uns inzwischen seit ziemlich genau einem Jahr, in diesem Zeitraum sind vier eygennutz-Bücher entstanden, die von uns lektoriert und gesetzt wurden. In jedem einzelnen steckt eine ganze Menge Arbeit, und natürlich lernen wir immer noch dazu …

Wie seid ihr ausgelastet? Steht das Programm für 2017 schon?

Das steht schon fast, wir haben ja – als Miniverlag – nicht die Möglichkeiten, in kurzer Zeit ein umfangreiches Programm zu gestalten, da ja jedes Buch die gleiche Aufmerksamkeit verdient. Aber wir freuen uns trotzdem immer über interessante Einsendungen.

Habt ihr Beispiele für- was in kein Genre passt?

Alle Bücher, die wir bisher veröffentlicht haben, zeichnen sich durch eine besondere Sprache aus, passen aber nicht wirklich in ein Genre. Wir haben einen sehr ungewöhnlichen E-Mail-Roman, der im Grunde aus der Entwicklung einer Idee für eine ziemlich bizarre Geschichte besteht, und einen „Nachthumor“ – Roman, der sich besonders durch seinen sehr speziellen Sprachwitz auszeichnet. Und eine ausgesprochen untypische Vampirromanreihe, die man wirklich nicht als „Fantasy“ bezeichnen kann.

Wenn man Bücher bei Amazon einstellt, ist man ja beispielsweise immer gezwungen, auch ein entsprechendes Genre anzugeben. Was macht ihr in solchen Fällen?

Man muss auch schon im VLB Genre- bzw. Schlagwort-Angaben machen. Da gibt es aber immer mehrere Möglichkeiten ( nicht nur eine ), sodass wir für jedes Buch die ( hoffentlich ) passenden Schlagwörter zusammenstellen.

Anmerkung: VLB = Verzeichnis Lieferbarer Bücher ( Das Verzeichnis Lieferbarer Bücher ist ein Katalog des deutschen Buchhandels, der über 1,7 Millionen deutschsprachige und teilweise auch fremdsprachige Titel mit bibliographischen Angaben aus 21.000 Verlagen umfasst. )

Habt ihr schon Erfahrungen mit dem Buchhandel? Der ist ja meistens etwas kritischer, wenn man ein Buch nicht sofort kategorisieren kann.

Wir haben für den Vertrieb zunächst die Strukturen eines Print-on-demand-Anbieters genutzt, das war aber nicht zufriedenstellend, weil die Buchläden die Bücher dann nicht zurückschicken können und somit nicht gern bestellen.
Ich denke, dass das für kleine Verlage zwar nicht ganz so wichtig ist – weil die Bücher ohnehin nicht in das Programm der großen Ketten aufgenommen werden -, aber wir kümmern uns aktuell trotzdem um die konventionellen Vertriebswege.

Anmerkung: Print-on-demand = gedruckt wird erst, wenn eine Bestellung vorliegt. Es wird nicht im Voraus gedruckt!

Das heißt es wird nach Verkauf gedruckt um die Kosten so niedrig wie möglich zu halten. Oder verstehe ich das falsch?

Nein, das ist vollkommen richtig, so haben wir angefangen. Die Druckkosten sind ja nicht die einzigen Kosten, die für einen Verlag anfallen, da haben wir erst einmal geschaut, wie das überhaupt zu realisieren ist. Für unser erstes Buch mit fester Auflage, das gerade in Vorbereitung ist, haben wir uns für eine relativ hohe Stückzahl entschieden. Das liegt aber, wie gesagt, daran, dass der entsprechende Autor schon Fans hat.

Was für Werbung macht Ihr? 

Wir verschicken, bisher mit guter Resonanz, Rezensionsexemplare, gezielt und in Absprache mit den Autoren, ansonsten über die sozialen Netwerke, Facebook, Instagram, Twitter, und über unseren Newsletter. Außerdem organisieren wir auch Leserunden bei Lovelybooks, das gehört also noch dazu, und machen gelegentlich Buchtrailer-Videos.

Im Prinzip also das, was man als Selfpublisher auch macht. Woran liegt, im Marketing gesehen, der Vorteil eures Verlages gegenüber dem Selfpublisher?

Vielleicht die Einbindung in ein Programm, das heißt, dass jedes Buch nicht nur einmal beworben/erwähnt wird. Grundsätzlich kann man all dies aber natürlich auch als Selfpublisher tun.

Das klingt, als wäre das etwas für meinen ständigen Genre-Mix. Nehmt ihr auch Bücher einer Reihe an, wo die ersten Teile bereits erschienen sind? Und was für ein Genre nehmt ihr überhaupt nicht?

Wir sind immer auf der Suche nach wirklich ungewöhnlichen oder besonderen Texten. Es ist erstaunlich, wie viele Manuskripte wir bisher schon bekommen haben. Am wenigsten für uns interessant sind Kinderbücher oder klassische Fantasy, würde ich mal ganz grob sagen. Wenn die ersten Teile einer Reihe bereits erschienen sind, müssten uns die weiteren schon SEHR gut gefallen …

Wie seit ihr auf die Idee gekommen den Verlag zu gründen? Was gab den Ausschlag?

Wir schreiben beide auch selbst und haben die verschiedensten Erfahrungen mit Verlagen gemacht. Ich hatte zum Beispiel das Glück, mein Debüt bei Fischer veröffentlichen zu dürfen, das war aber leider eine einmalige Sache. Und irgendwann haben wir überlegt, wie wir uns einen Verlag idealerweise vorstellen würden, und haben einfach selbst einen gegründet …

Wie war die Erfahrung mit Fischer?

Sehr, sehr gut! Es hat bloß leider nicht für einen dauerhaften Programmplatz gereicht.

Wie ist es mit ganz schwierigen Genres wie Lyrik?

Schwierige Schreibe klingt für uns eigentlich ganz gut. Lyrik schließen wir nicht komplett aus – aber: Es muss uns beiden richtig gut gefallen, was natürlich eine sehr subjektive Angelegenheit ist, denn wir machen wirklich nur die Bücher, die wir auch gern lesen würden.

Wie sieht es beispielsweise mit einer Kurztextsammlung zu existentiellen Fragen in einer Prosaform aus?

Das ist auf keinen Fall ein Ausschlusskriterium.

Und wie vertretet ihr das nach außen? Man hat ja bei bestimmten Verlagen meist auch immer bestimmte Genres im Kopf. Legt ihr euch gar nicht fest und entscheidet nur auf Basis der Einsendungen?

Nein, wir legen uns ganz bewusst nicht fest. Und das vertreten wir auch genau so nach außen. Jedes einzelne Buch bekommt die Aufmerksamkeit, die es verdient, das heißt – ein vernünftiges Lektorat und ein passendes Cover, und dann schauen wir mit Hilfe des Autors, wo es z. B. rezensiert werden könnte.

Nach welchen Kriterien hinsichtlich des Themas entscheidet Ihr? Wird das dann doch etwas beliebig? Mich interessieren also die konkreten Argumente, denn im Umkehrschluss argumentiere ich als Autorin, warum ich bei Euch etwas einreiche.

Wir entscheiden, das kann man leider nicht anders sagen, sehr subjektiv, was allerdings nicht heißt, dass es für interessierte AutorInnen gar keine Orientierung gäbe, was uns denn gefallen könnte. Je umfangreicher unser Programm wird, desto deutlicher wird wahrscheinlich – von ganz allein – die Ausrichtung.
Wichtiger als ein bestimmtes Thema ist uns die Herangehensweise bzw. die Umsetzung, und vor allem eine schöne oder besondere Sprache. Mit gutem Sprachwitz kommt man bei uns z. B. schon mal gut an, weil wir beide die gleichen Dinge als lustig empfinden. Nicht so sehr mögen wir klassische Fantasy Geschichten, Krimis oder Kinderbücher.

Wie ist der Erfolg der Autoren? Werden die No-Mainstream Geschichten angenommen? Oder ist es eher eine kleine Nische die bedient wird?

Das hängt von den Autoren ab. Klaus Märkert, ein Autor, der vorher schon einige Bücher veröffentlicht hat, und viel auf Lesungen unterwegs ist, verkauft etwas mehr Bücher, da er ja schon ein paar Fans hat. Bestseller Erfolge erwarten wir erst einmal nicht, aber bisher haben alle Bücher ihre Leser gefunden.

Nun würde mich interessieren, wie hoch die Auflage ist, damit ich mir ein Bild davon machen kann.

Das ist im Moment noch das bereits erwähnte Problem. Wir haben bisher die Option für Verlage eines Print on demand Anbieters genutzt, waren damit aber nur bedingt zufrieden. Darum bereiten wir gerade das erste Buch mit einer festen Auflage vor. Die Auflagenhöhe machen wir individuell von den erwarteten Verkäufen abhängig. Wie es läuft, sehen wir dann in diesem Fall, denn es ist ja der erste Buch mit fester Auflage, wenn es erschienen ist.

Seid ihr mit euren Büchern auch bei Amazon gelistet?

Ja, natürlich. Die Bücher sind ganz normal überall im Handel erhältlich.

Glaub mir, so natürlich ist das leider nicht! Wir hatten schon Verlage hier, die gesagt haben: Nein auf gar keinen Fall Amazon!

Einen Verlag kenne ich auch, die lehnen das ab. Ist ja auch keine schlechte Einstellung, Amazon ist ja nun einmal nicht nur unkritisch zu sehen.

Habt ihr auch schon Lesungen veranstaltet?

Wir sind z. B. mit einem Stand und zwei Autoren am 24. Juni im Rahmen der ExtraSchicht in Hamm präsent, vielleicht ist das für jemanden interessiert der/die im Ruhrgebiet wohnt.

Ist auch für die Zukunft Messe Präsenz geplant?

Das wäre etwas für die fernere Zukunft, denn das ist ja auch eine finanzielle Frage. Da wir allen Autoren ein Honorar zahlen, einen Grafiker beschäftigen usw. , müssen wir genau schauen, dass alles halbwegs wirtschaftlich bleibt.

Wie groß ist derzeit euer Team? Es fällt ja mindestens das Cover, Korrektorat und Lektorat an. Habt ihr alles in eurer Hand, oder gebt ihr etwas nach außen?

Für die Cover beauftragen wir jeweils einen Grafiker, Lektorat und Korrektorat machen wir selbst, genau wie den Satz, weil wir damit beide schon vorher Erfahrung hatten.

Welche Qualifikationen bringt ihr denn für Korrektorat und Lektorat mit?

Ich arbeite unter anderem seit mehreren Jahren an einer wissenschaftlichen Reihe der Folkwang Universität mit.

Hat der Autor Mitentscheidungsrecht, was z. B. das Cover angeht?

Ja, natürlich, wir sind ja auch AutorInnen und verstehen deshalb gut, dass auch der Autor mit dem Cover glücklich sein möchte.

Wirklich, ich finde eure Idee toll, hier sind ja einige, ich inklusive, von nicht ganz festzulegenden Genres betroffen. Und natürlich sollte man auch hinter dem, was man verlegt, stehen. Aber ein Verlag ist ja nicht uneigennützig. Man investiert ja auch Geld hinein. Habt ihr keine Sorge, dass der Anti Mainstream euch wenig Verkäufe bringt?

Das Schlimme ist: Zu diesen Zeiten einen Kleinverlag zu gründen, ist sowieso ein bisschen irrsinnig. Natürlich wäre es schön, wenn das Ganze irgendwann auch Gewinne einbringt, aber das erste Ziel ist zunächst die Kostendeckung, also ganz bescheiden …

Ist das für Euch Hobby, und wenn ja, soll es das bleiben?

Das kommt darauf an, wie man Hobby definiert. Geld verdienen wir damit natürlich im ersten Jahr noch nicht, und wer weiß, ob es jemals so weit kommen wird.
Wichtig ist uns aber – und insofern ist es mehr als ein Hobby – eine professionelle Herangehensweise, daher: Bücher, die durch ihren Inhalt und ihr professionelles Erscheinungsbild überzeugen, und eine vernünftige Vermarktung im Rahmen des Möglichen.

Liebe Bianca, vielen Dank für das ausführliche, offene Interview und die geopferte Zeit. Ich wünsche euch viel Erfolg mit dem Verlag.

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