Geschichte des Tages: Andrea Riemer – Wind und Wetter … Stürme der besonderen Art …

Geschichte des Tages: Andrea Riemer – Wind und Wetter … Stürme der besonderen Art …

20.04.2017

Wind und Wetter … Stürme der besonderen Art …

Wind und Wetter, die Elemente unseres Seins, begleiten uns mit ihren Facetten wie Regen, Sonne, Hagel, Sturm, Nieseln, Graupeln und Gewitter. Ungefragt, kaum beeinflussbar (Gottseidank, denn wir pfuschen ja auch dem Universum ins Handwerk), jeden Tag und jede Nacht zuverlässig vorhanden.
Ohne sie gäbe es keine wahrnehmbaren Unterschiede. Alles wäre eintönig, einfarbig, langweilig. Selbst wenn es mehrere Wochen Sonnenschein oder Regen und Schneefall gibt, empfinden wir es oft schon als … ja, als was … ach es könnte ja schon wieder anders sein. Was anders? Wie anders? frage ich. … und bei Schnee im April, ich meine richtig Schnee, nicht nur angezuckert … wie reagieren wie da?

Wir wollen die Veränderung, wenn wir sie nicht haben. Und wenn wir sie haben, dann mögen wir sie auch nicht. Gottseidank lassen sich Wind und Wetter nicht einhegen, nicht einzäunen, nicht steuern. Zumindest nicht kurzfristig.
Und dann gibt es immer wieder die Stürme, manches Mal aus dem Nichts, dann wieder angekündigt … zwischen Überraschung und Ansage. Stürme gehören zum Leben dazu wie die Flautephasen. Keines von beidem mögen die meisten von uns so recht.

Der Wind bietet ja viele Möglichkeiten … des Auskehrens, des Reinigens, des Durchlüftens. Ja – er dreht das Unterste nach oben. Um in Stürmen bestehen zu können, braucht es einen festen Ankerplatz, einen Herzensplatz im Zentrum des eigenen Seins und auch das tiefe Vertrauen, nicht alles und jedes kontrollieren wollen und auch können.

Achtsamkeit und Maßnahmen, um sich zu schützen, sind natürlich. Angstmache, Panikmache und überbeschützend sein – damit kann ich nichts anfangen.
Damit wird es unmöglich das Halten des inneren Gleichgewichts zu lernen. Die Seelenmuskulatur kann nicht stark werden. Bei jedem Lüftchen beginnt man zu flattern.
Manche Erfahrung wächst dadurch, dass man das Risiko eingeht und sich unerwarteten Herausforderungen stellt. Vieles lässt sich nur durch Erfahrung lernen. Und jeder Sturm im Leben ist eine solche Erfahrung. Sie macht kraftvoller, mutiger, zuversichtlicher, achtsamer und sie zeigt, dass man in der Lage ist, auch einiges auszuhalten.

Besonders spannend sind in diesem Panoptikum Frühjahrsstürme. Mit einer Heftigkeit peitschen sie über den See, diese ganz bestimmten Stürme, die ich sofort erkenne. Ungestüm, sich brutal den Weg ins Neue brechend. Es geht so und gar nicht anders. Über Folgen wird nicht nachgedacht. Denn – nur mit aller oft brachialen Gewalt bricht sich das Neue seine Bahn. Es geht ums Überleben, ums blanke Überleben in einer Welt des Wettbewerbs, des Kampfes, des Ungestümen.
Auch das darf und muss manches Mal sein, vor allem wenn das Alte so beharrlich ist, sich mit aller Macht an das, was ist, klammert. Dann muss schon ab und an ein richtiger heftiger Frühjahrssturm her, der ausfegt, der klar macht, so geht es nicht mehr weiter, der dem Neuen die Bahn bricht und Fakten schafft.

Ja – so sind sie, diese Frühjahrsstürme … Wind und Wetter … Gottseidank durch nicht viel einzuhegen.

aus: Andrea Riemer, Gedanken ZwischenDurch, Potsdam, erscheint im Herbst 2017.

© Andrea Riemer

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2 Kommentare zu Geschichte des Tages: Andrea Riemer – Wind und Wetter … Stürme der besonderen Art …

  1. AutorenimNetzwerk sagt:

    Was nicht ist, kann ja noch werden. Irgendjemand auf der Welt beschäftigt sich sicherlich damit, das Wetter festzulegen, es einzudämmen, leider. Und was die Lebensstürme betrifft, da gebe ich dir Recht. Sie sind manchmal absolut nötig und reinigen die Luft 🙂

  2. So ist es, liebe Andrea. Deine Gedanken zu Wind und Wetter beschreibst Du metaphorisch. Exformationen wie Gleichgewicht, bahnbrechend, Abschluss, Neues sowie Standhaftigkeit, Wildheit, Zorn, Manifestation, Freiheit, Donnerkeil und vielem mehr lassen sich in der Vielzahl je nach Lebenslage daraus ableiten. Gerade der April, der sich in seinem gesamten Ausmaß von der frühlingshaften über die sommerliche bis zur winterlichen Seite zeigt, erfährt sich für mich meist stürmisch, ungeduldig und mit Neugier gepaart. Der Aufbruch zu Neuem.
    Danke. Liebe Grüße, Doreen.

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