Michael Paul

Autoreninterview – Michael Paul

Das Autoren_Netzwerk freut sich, den Autor Michael Paul zum Interview begrüßen zu dürfen. Michael wird sein neues Buch und seine Online Buchhandlung „Bunte Hunde“ vorstellen

Michael Paul studierte Betriebswirtschaft und ist seit 1998 selbstständiger Strategieberater. 2014 wurde sein Debütroman „Wimmerholz“ begeistert von seinen Lesern aufgenommen. Im Februar 2017 folgte sein mit Spannung erwarteter Roman „Das Haus der Bücher“. Seine packenden Romane sind geprägt von einer intensiven Recherche, ohne die diese besondere Art von Romanen nicht möglich wäre. Michael Paul überwindet dabei gekonnt das Unbehagen neuer Leser, sich mitnehmen zu lassen in die dunkle Zeit deutscher Geschichte. Er verbindet eine spannungsgeladene und dramatische Geschichte mit wahren Begebenheiten. Dabei sind Bücherverbrennung, Flucht und Heimat Themen mit erschreckend aktuellem Bezug. Er lebt mit seiner Familie in Südbaden und schreibt zumeist zuhause und in der Toskana.

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Bunte Hunde

Ich muss einfach fragen: was macht ein Strategieberater?

Nun, das ist eine besondere Form der Unternehmensberatung. Ich begleite Geschäftsführer und Unternehmer bei der Entwicklung ihrer Firmen.

Magst du uns etwas über die Onlinebuchhandlung „Bunte Hunde“ erzählen?

Meinen ersten Roman habe ich mit „tredition“ publiziert. Das war richtig gut, die machen das toll und haben mir viel Arbeit abgenommen, von der ich noch keine Ahnung hatte. Der Preis dafür ist, dass die Marge pro Buch sehr niedrig ist bzw. die Bücher dann teuer angeboten werden müssen, damit etwas hängen bleibt. Ich will damit ja nicht reich werden, aber irgendwie tut es schon weh. Also habe ich überlegt, wie ich das ändern kann. Amazon war mein erster Gedanke. Aber in meinem Genre braucht man ein Hardcover.

Also erinnerte ich mich an Richard Mackenrodt, der einen eigenen Verlag gegründet hat. Mit ihm und anderen „Verlegern“ habe ich mich unterhalten. Und so entstand die Idee. Doch ein „Verleger“ bin ich ja nicht. Der muss beurteilen, was sich gut verkaufen wird. Das traue ich mir nicht zu. Also biete ich mit BUNTE HUNDE eine Art spezieller Buchhändler Plattform für Selfpublisher an. Der Online-Shop ist aber nur ein erster Schritt! Wir sind schon 13 AutorInnen, und weitere 3 kommen in den nächsten Tagen dazu. In einem Monat!

Wo liegen da die Vorteile?

Vorteil? Wir werden zu einer Marketing Gemeinschaft. Beispiel: unser aktuelles Gewinnspiel. Alle machen Werbung dafür, so erreichen wir mehr Leute. Wir haben nun durch das Gewinnspiel tolle Zugriffszahlen. Und erreichen immer Aufmerksamkeit für alle Autoren. Wir konzentrieren uns auf die 4 Mainstream-Genre Liebe, Crime, Zeitgeist und Fantasy.  Die Verkaufszahlen stehen da gar nicht im Vordergrund.

Marketing Gemeinschaft klingt gut. Nur hat sich ja die Marge durch die „Bunten Hunde“ nicht geändert. Also ist da eher der Hintergedanke gegenseitige Unterstützung und Hilfe beim Marketing?

Bzgl. meiner eigenen Bücher schon, da ich ja nun als Verleger selbst drucke. Andere Autoren verkaufen da ihre Autorenexemplare. Aber ich zeige jedem, wie es geht. Und vielleicht wird es ja nächstes Jahr dann erste weitere „Bunte Hunde“ – Bücher geben. Dafür gibt es mein Buch nur direkt beim Verlag BUNTE HUNDE und bei Amazon. Der Buchhandel kann es über VLB bestellen. Das funktioniert hervorragend und es verdienen nicht zu viele mit. Und ich kann dem Buchhändler selbst eine ordentliche Marge geben.

[Anmerkung: VLB = Verzeichnis Lieferbarer Bücher ( Das Verzeichnis Lieferbarer Bücher ist ein Katalog des deutschen Buchhandels, der über 1,7 Millionen deutschsprachige und teilweise auch fremdsprachige Titel mit bibliographischen Angaben aus 21.000 Verlagen umfasst. ) ]

Ich bin gerade mitten drin im „Haus der Bücher“ und wieder sehr begeistert über deinen Stil. Sehr beeindruckt bin ich auch über deine genauen Recherchen. Dafür möchte ich dir einfach mal ein dickes Kompliment aussprechen! Aber die Recherchen sind doch sicher oft sehr zeitintensiv, oder?

Ja, die Recherche nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Das sind oft Monate. Für Das Haus der Bücher war ich ja auch 8 Tage in Russland, sozusagen „vor Ort“.

Wie schaffst du das in deinen Alltag zu integrieren? Urlaub vielleicht?

Ich habe meinen Job in den letzten 2 Jahren umgekrempelt, mein Beratungsangebot so neu strukturiert, dass ich feste Zeiten habe, in denen ich meine Kunden betreue, so aber von zuhause aus arbeiten kann und auch feste Tage pro Woche habe, die nur für Verlag und Schreiben sind.

Wie bist du zum Schreiben gekommen?

2005 oder 2006 beschloss ich, eine Autobiografie über die ersten 47 Jahre meines Lebens zu schreiben. Daran habe ich 3 Jahre gearbeitet. Es gibt nur 7 Exemplare davon, für die Familie und war ein extrem spannendes Projekt. 460 Seiten, mit Bildern und der Musik meines Lebens auf CD.  Damit war dann die Lunte angezündet, die Leidenschaft geweckt.  2012 begann ich dann den ersten Roman.

Hat Deine Familie Deine Biografie gelesen und so wie es steht akzeptiert?

Oh, ja, natürlich. Meine Tochter hat es in 3 Tagen verschlungen und stand dann mit Tränen vor mir aus Dankbarkeit. Das war sicher ein Schlüsselerlebnis. So eine Autobiografie hat sehr selbsttherapeutische Züge, obwohl ich das gar nicht deshalb gemacht habe.

Waren einige sauer? Manches kommt doch so ans Tageslicht, was nicht immer gefällt.

Gute Frage. Das ist ein wichtiger Punkt! Meine Eltern haben das Buch nie bekommen. Doch ich habe niemand damit verletzt, sie hätten manches nur nicht mehr verstanden in ihrem Alter. Ich hatte dafür eine Lektorin, Sabine Frigge, die Autobiografien begleitet. Da habe ich viel gelernt. Tatsächlich hatte ich in meiner Jugend auch viel Stress mit den Eltern. Das ist nie weider ganz gut geworden. Aber durch das Schreiben habe ich mein Verhältnis zu den Eltern komplett neu sortiert und das war gut. Ohne dass ich es vorher geplant hatte.

Welcher Schreibtyp bist du? Eher von der Außenwelt abgeschottet und bloß keine Störung oder ist dir Trubel um dich herum einerlei, brauchst ihn sogar?

Ich brauche Ruhe und die perfekte Umgebung. Alleine daheim, im Sommerhaus im Garten, in der Toskana (da besonders gerne). Letztes Jahr habe ich 2 Workshop-Wochen dort organisiert. Und das war richtig toll. Leider ist es schwierig, passende Termine zu finden und die Anreise ist etwas aufwändig.

Das heißt, dieses Jahr wird es keinen geben?

Nein dieses Jahr schaffe ich es nicht, aber nächstes Jahr würde ich das gerne wieder machen.

Wie viele Leute nahmen daran teil?

Wir hatten Platz für 6 Leute. Das kommt immer ein bisschen auf die Zusammensetzung der Gruppe an, da wir uns auf 3 Wohnungen verteilen müssen.

Du musst ins Packeis – nicht in die Toskana – 3 Dinge, keine Menschen, die du mit nimmst

Eine Flache Brunello, ein Buch und Drittens, mein Laptop mit Wlan.

Eine gute Fee erfüllt dir 3 Wünsche …

3 Wünsche… hm, gar nicht so einfach. Es geht mir schon richtig gut gerade. Also sicher noch entspannter mehr Zeit fürs Schreiben zu haben. Materielles ist mir nicht so wichtig. Also kämen eher so kitschige Sachen wie „Gesundheit“ und „Zufriedenheit“ …

Hast du Haustiere?

2 Hunde, kleine schwarze Mischlinge, Luna und Leila. Und 26 Schildkröten.

Thema Werbung – was machst du und wie sind deine Erfahrungen?

Aha, die Königsfrage für jeden Selfpublisher. Klar, Online natürlich, über Facebook und die eigene Website, jetzt auch mit Bunte-Hunde.de, klar. Dann viel im persönlichen Netzwerk und für mich ganz wichtig: Lesungen! Im Mai und Juni stehen 16 Lesungen an, zuerst in der Region hier im Südwesten, dann geht es bis ganz hoch in den Norden.

Das ist für Verlagsautoren auch ein Thema, nicht jeder Verlag macht alles für einen unbekannten Autoren ohne Bestseller-Hintergrund.

Ja, das stimmt leider. Das war für mich als schon lange selbstständigen Unternehmer die Grundlage, es lieber gleich selbst zu machen.

Lesungen wäre meine nächste Frage gewesen – wie bereitest du dich darauf vor? Bist du anfällig für Lampenfieber?

Ich liebe Lesungen und da verkaufe ich gut. Und man hat den direkten Kontakt, baut echte treue Leser auf. Lampenfieber? Na klar, das gehört dazu. Ich habe in den letzten Wochen ein ungefähr 100-minütiges Programm erarbeitet. Leseszenen, Erzählung, Bilder, Videos, also richtig abwechslungsreich.

Welcher Typ Leserin / Leser ist zu Lesungen anwesend?

Meine ersten beiden Roman haben einen Bezug zu Ostpreußen. Ich habe nie gedacht, in wie vielen Familien es einen Bezug dazu gibt, durch die Großeltern etc. Ich habe schon 94-jährige Damen in Lesungen gehabt, die mir erzählt haben, dass sie genau da als Kind gespielt haben, wo mein Roman spielt. Das sind magische Momente. Also grundsätzlich sicher durch das Thema eher die Generation 40 plus, aber ich machen auch Schullesungen für 9 und 10 Klasse.

Zu welcher Tageszeit schreibst du? Schimpft deine Frau, wenn keine Zeit für sie da ist?

Ich bin ein Morgenmensch. Ich schreibe um halb 8, sobald das Haus leer ist, meinen Tagesplan, dann geht es los. Ich bin da sehr diszipliniert. Aber das sind nicht die Schreibphasen. Dann fange ich meist so gegen 9 Uhr an und es geht viellicht bis 18, 19 Uhr. Dann werde ich müde. Nachts kann ich gar nicht schreiben.

Du verkaufst also mehr Hardcover als Taschenbücher?

Dadurch, dass ich viel direkt zu meiner Leserschaft und bei Lesungen verkaufe, habe ich einen ungewöhnlich hohen Anteil an Hardcover im Verkauf und weniger eBooks. Das hängt aber sicher auch an meiner Zielgruppe. Statistisch kaufen nur 22 % der Romanleser ein Hardcover. Bei mir sind es deutlich mehr, sicher 40 %.

Bist du auf ein Genre festgelegt?

Mein Thema ist die Zeit des Nationalsozialismus. Das hat mich schon immer interessiert, schon als kleiner Junge. Aber nicht militärisch oder so, sondern um zu sehen, was da geschah, und warum, wie es passieren konnte. Das wird sicher immer in meinen Romanen ein Thema sein, aber immer gepaart mit einer spannenden Geschichte, die in die wahren Begebenheiten eingeflochten wird. Wie Kate und Leonardo auf der Titanic…

Welches Genre würdest du niemals schreiben und warum nicht?

Horror, Fantasy, Science   Fiction …

Vielen Dank für das Interview, Michael Paul. Viel Erfolg auch weiterhin.

 

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Ein Kommentar zu Michael Paul

  1. Petra Weise sagt:

    Du hast dieses Interview ganz wunderbar zusammengefasst – mir gefällt es ausgesprochen gut und eigentlich sogar besser als während der direkten Befragung. Zudem mag ich ALLE Deine Antworten – außer Nationalsozialismus, denn diesbezüglich sind wir in der DDR derart zugedröhnt worden, dass ich das Thema bis auf sehr private Familiengeschichten nicht mehr ertrage.

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