Chaospony Verlag

Verlagsinterview Chaospony Verlag

Das Autoren_Netzwerk freut sich, den Chaospony Verlag interviewen zu dürfen.
Sandra Lina Jakob wird den Verlag hier kurz vorstellen und danach dürft ihr Fragen stellen.

Gemeinsam können wir in dieser Stunde ergründen, was hinter diesem Verlag steckt, der sich auf seiner Homepage Startseite folgendermaßen vorstellt:

Noch ein Kleinverlag? – Bücher sind Rudeltiere und werden schneller gelesen als geschrieben. Daher sind wir der Meinung, dass im großen Verlags-Universum durchaus noch Platz für einen neuen, klitzekleinen Stern ist. Deshalb sind wir hier.

Bücher? – Bei uns gibt es (bald) Romane in allen Farben des Fantasy-Genre. Und darüber hinaus noch jede Menge anderes in Buchform. Sie alle warten darauf, ein gemütliches Plätzchen in guter Gesellschaft in (d)einem Bücherregal zu finden.

Von der Idee vom Buch – Aller Anfang ist schwer, aber gemeinsam fällt er ein bisschen leichter. Wir gehen gerne unkonventionelle Wege und finden für jeden Autor, für jede Geschichte, für jede Idee die passende Lösung. Melde dich doch einfach mal – wir beißen nicht.

Chaospony Verlag bei Facebook

Chaospony Verlag im www


Sandra Lina Jakob über den Chaospony Verlag:

Der Chaospony Verlag wurde erst vor ganz Kurzem, nämlich im März diesen Jahres, gegründet. Der Auslöser waren meine wieder entdeckte Passion für Bücher, mein ausgeprägtes Helfersyndrom, jede Menge Idealismus und einige Gespräche in denen klar wurde, dass gerade Erstlings – Autoren mit ihren Werken teilweise überhaupt keine oder wenig hilfreiche Antworten von Verlagen erhalten – so kann niemand an sich selbst arbeiten und sich verbessern. Ich möchte genau dort ansetzen – übrigens mit der Hilfe von unfassbar vielen tollen Leuten. Das Start – Genre des Verlags ist dabei der gute alte Fantasy-Bereich, auch wenn das wirtschaftlich vielleicht nicht die beste Entscheidung ist. Aber ich lese eben selbst gerne Fantasy.

Du schreibst, ihr wollt Neu-Autoren helfen. Das birgt sicherlich ein finanzielles Risiko für den Verlag. Neu-Autoren beinhaltet ja quasi, das sie unbekannt sind. Habt ihr euch Gedanken gemacht, wie ihr das abfangen wollt?

Klar. Jeder hat mal klein angefangen. Wir kriegen das hin. Dadurch, dass wir „gebündelt“ auftreten und mit ein paar Ideen im Gepäck, wie man „offline“ richtig auffallen kann, kann man z. B. auf Messen etwas Aufmerksamkeit erzielen. Und dann Stück für Stück gemeinsam wachsen. Das finanzielle Risiko ist mir bewusst, daher lasse ich auch immer nur kleine Auflagen drucken und bestelle lieber öfter nach.

Wie müssen wir uns das vorstellen? Wie viele Leute sind beim Verlag und wie viele kommen von außen dazu?

Im Grunde bin ich der Verleger, alle anderen machen auf freiberuflicher Basis mit. Zur Zeit sind es fünf Lektoren / Korrektoren, vier Autoren und eine Cover-Designerin, neben mir, ich mache das auch.

Auf freiberuflicher Basis … das bezieht sich auf die Lektoren, Korrektoren, Cover Designer? Was kann der Autor von euch erwarten?

Genau. Wobei ein Autor in der Regel ja ebenfalls Freiberufler ist.  Ein Autor kann von uns Lektorat, Korrektorat, Cover, Marketing und sämtliche Unterstützung erwarten, die ihr / ihm hilft, das Buch zu verkaufen und zu vermarkten. Dafür erwarten wir vom Autor eine gewisse Mitarbeit und die Bereitschaft, Lesungen zu halten etc.

Wie ich gesehen habe, habt ihr auch schon ein paar Autoren unter Vertrag genommen. Wie läuft das bei euch genau ab? Auf der Webseite kann man ja noch keine Manuskripte einreichen, oder?

Doch, doch, das kann man. Einfach per Mail schicken, Hinweise dazu stehen auch auf der Webseite . Einige haben sich aber auch über Facebook gemeldet, das ist ganz unterschiedlich.

Auf eurer Website steht: „Und darüber hinaus noch jede Menge anderes in Buchform.“ Frage wäre – wie ist dieser Satz zu verstehen und wären schaurige, teilweise leicht horrormäßige Kurzgeschichten eine Option für „anders in Buchform“?

Es ist extra so schwammig formuliert, weil wir uns da selbst eigentlich keine Schranken setzen möchten. Ich selbst veröffentliche eher „Reinschreibe-“ oder „Ausfüll-Bücher“ – wie auch immer man das nennen möchte. Ich könnte mir aber auch sehr gut Anthologien oder völlig andere Dinge vorstellen. Schaurige Kurzgeschichten – warum nicht?

Erstellt und vertreibt ihr eure Bücher über Amazon oder wie läuft das ab?

Teilweise. Damit es kein finanzielles Desaster wird am Anfang, splitte ich die Auflagen auf und lasse einen Teil Print On Demand über Amazon drucken und einen Teil „regulär“ in einer Druckerei. Daher sind die Titel auch immer über Amazon erhältlich. Die Druckerei -Bücher werden über den Verlagsshop auf der Homepage vertrieben und später auch über den Großhandel – die Verhandlungen stehen für nächstes Jahr auf dem Plan.

Anmerkung: Print-on-demand = gedruckt wird erst, wenn eine Bestellung vorliegt. Es wird nicht im Voraus gedruckt!

Du sagst, ihr macht einen Teil über Amazon, einen Teil der Bücher lasst ihr drucken. Wie finanziert ihr das?

Durch einen privaten Kredit. Daher lasse ich auch nur kleine Auflagen drucken und bestelle lieber öfter nach.

Was für Werbung macht Ihr und wo?

Online über alle verfügbaren Kanäle, dazu zählen auch „unsere“ Blogger, Flyer, Besuch / Stände auf Messen, verschicken von Leseproben / Rezensionsexemplaren etc. Auch wird es professionelle Buch Trailer geben in Zusammenarbeit mit einer Film – Uni.

Sicher kommt man über euch auch ins VLB. Aber stehen die Bücher eurer Autoren auch im Buchhandel?

Klar, ein Eintrag ins VLB gehört ja einfach dazu. Ich kann und werde niemandem versprechen, dass die Titel im Buchhandel stehen werden. Aber ich setze alles daran, dass es so passieren wird. Am Anfang ist ein Verlagsvertreter zwar noch nicht drin, aber ich habe schon Ideen, wie man den Buchhandel auf sich aufmerksam machen kann.

Anmerkung: VLB = Verzeichnis Lieferbarer Bücher ( Das Verzeichnis Lieferbarer Bücher ist ein Katalog des deutschen Buchhandels, der über 1,7 Millionen deutschsprachige und teilweise auch fremdsprachige Titel mit bibliographischen Angaben aus 21.000 Verlagen umfasst. )

Wie sieht es mit Kontakten zum Buchhandel,  Marketing Experten und Messen aus?

An Kontakten zum Buchhandel arbeite ich noch. Marketing Experten habe ich in meinem Netzwerk, die sind auch schon eingespannt. Mindestens eine Messe, die BuCon im Oktober steht dieses Jahr an, eventuell werden es sogar drei. Das kommt ein bisschen darauf an, wann die einzelnen Bücher fertig werden – noch ist ja nichts veröffentlicht.

Wie sehen bei euch die Autoren Tantiemen aus?  – das musst du natürlich nicht beantworten.

Ich kann das gerne beantworten, es sind 5%. Aus dem einfachen Grund, dass mir Erfahrungswerte fehlen und ich Verträge nur dann eingehe, wenn ich mir absolut sicher bin, dass ich sie einhalten kann. Sobald sich eine Tür öffnet und ich sehe, dass mehr möglich ist, habe ich keine Probleme damit, die Verträge bei Bedarf in Absprache neu aufzusetzen. Abgesehen davon fließt im Moment natürlich jeder einzelne Cent in den Verlag zurück, denn nur wenn das Gesamt – Konstrukt wächst, dann ist auch mehr Spielraum für den einzelnen da.

Du hast geschrieben, es gibt 5 %. Worauf? Taschenbuch? Macht ihr nur Taschenbücher oder Ebook auch?

Auf Taschenbücher. eBooks sind 30% vom Nettoverlagserlös. Von den meisten Titeln wird es übrigens auch Hörbücher geben.

Wie sieht es in euren Verträgen mit den Nebenrechten aus? Bleiben die beim Autor oder gehen die an den Verlag über?

Wir halten uns da an den Mustervertrag des Börsenvereins, somit gehen die Nebenrechte an den Verlag über. Das ist auch durchaus sinnvoll, da wir neben den Büchern an sich (Print und eBook) zum Beispiel auch Hörbücher erstellen, Kontakte zu Theatern unterhalten und Zugriff auf eine riesige Palette an Merchandising-Möglichkeiten haben. Um nur ein paar Beispiele zu nennen. Die Autoren haben aber auch hier volles Mitspracherecht und können (sollen!) gerne Wünsche äußern oder gegebenenfalls auch ihr Veto einlegen.

 Wer liest die Hörbücher ein?

Zum Beispiel eine ausgebildete Musical Darstellerin mit Hammer-Stimme und Sprachausbildung.

Wie lang sind bei euch die Vertragslaufzeiten? Beziehen sich Verträge bei euch immer auf einzelne Bücher?

Ja, auf einzelne Bücher. Wenn die Zusammenarbeit funktioniert, spricht aber natürlich nichts dagegen, auch weitere Werke eines Autors anzunehmen. Wer einmal dabei ist, hat also immer einen Fuß in der Tür. Die Laufzeit ist vom Mustervertrag des Börsenvereins übernommen, er endet also quasi nicht von alleine, erst wenn das Urheberrecht endet. Natürlich kann er unter bestimmten Voraussetzungen gekündigt werden.

Wie flexibel seid Ihr beim Verhandeln des Vertrages?

Ziemlich. Es muss aber alles im machbaren Rahmen bleiben. Ich sage es mal so:

Wer unbedingt 15% in seinem Vertrag stehen haben möchte, der ist bei uns falsch. Wir sind keine Gelddruckmaschine, sondern investieren selbst viel Zeit und Energie in die Texte, die Cover und das Marketing. Natürlich könnte ich auch eben diese 15% hineinschreiben – dann wäre aber der Ladenpreis irgendwann so astronomisch hoch, dass kaum mehr Verkaufschancen bestehen. Und damit wird das ganze Unterfangen ziemlich witzlos.

Haben die Autoren bei allem Mitspracherecht? Was gebt ihr vor, was können die Autoren beeinflussen?

Antwort aus dem Bereich Lektorat von Julia Schwaminger:

Wir arbeiten ausschließlich in enger Kooperation mit dem Autor. So wird niemals in den Text eingegriffen, ohne dass der Autor darüber Bescheid weiß und einverstanden ist. Ich selbst arbeite in Word mit den Funktionen Änderungen nachverfolgen und Kommentar. Dabei mache ich Vorschläge, die ich dann mit dem Autor /der Autorin bespreche. Bisher ist es noch nie vorgekommen, dass wir uns nicht einig werden konnten, was ich mal als gutes Zeichen werte.

Antwort von Verlegerin Sandra Lina Jakob:

Sie haben bei allem Mitspracherecht. Eine Sache ist aber für alle verpflichtend und das ist das Lektorat. Nicht lektorierte Bücher werden nicht verlegt. Da bleibe ich hart. Aber natürlich wird nichts über den Kopf des Autors hinweg am Text geändert – eine gewisse Bereitschaft zur Mitarbeit sollte aber vorhanden sein. Beim Cover frage ich auch vorher nach Wünschen und Ideen und passe die Vorschläge dann so lange an, bis alle zufrieden sind.

Der Verlag zahlt Cover, Korrektorat und Lektorat?

Ja. Und Marketing.

Was genau an Marketing? Wenn Ihr das meiste online macht, wo entstehen da Kosten?

Online entstehen kaum Kosten, das ist richtig. Aber „nur online“ reicht halt auch nicht. Es wird für einige Titel professionelle Buch Trailer geben, wir drucken Flyer, Leseproben, schnüren kleine Pakete für interessierte Buchhändler, fahren zu Messen etc. Da kommt schon einiges zusammen.

Das klingt nach einer Menge Kosten und eine riesigen Einsatzbereitschaft.

Das ist das Tolle an Chaospony – alle sind mit Leidenschaft und entsprechend hoher Einsatzbereitschaft dabei.

Habt ihr ein Büro oder arbeitet ihr von zu Hause? Wo ist der Verlagssitz?

Wir sind überall verstreut und alle sind im Homeoffice tätig, ich ebenfalls. Der Verlagssitz ist in Ingelheim am Rhein. Irgendwann ist vielleicht auch mal ein Büro drin, aber Ausgaben, die direkt den Autoren / Lektoren / Korrektoren / Designern zukommen, gehen natürlich vor. Ich arbeite zur Zeit und vermutlich auch noch auf längere Sicht unentgeltlich.

Wie lange dauert es im Schnitt von Einreichung bis Veröffentlichung?

Im Moment ein halbes Jahr. Tendenz ist aber steigend.

Also länger?

Ja. Das Budget muss halt auch noch mitspielen.

Wie viele Bücher wollt Ihr pro Jahr veröffentlichen?

Dieses Jahr werden es 4 bis 6, nächstes Jahr sind bis zu acht angepeilt. Aber ich möchte erstmal den Herbst-Schwung abwarten.

Bei der Verlagsbeschreibung gehe ich davon aus, dass Kinderbücher keine Option bei Euch sind? 

Doch, sind sie. Aber frühestens ab Sommer 2018. Sie werden in einen ganz eigenen Bereich ausgelagert, damit sie sich nicht mit den Dystopien auf einer Webseite streiten. Aber Chaospony Kids wird es geben, ganz sicher.

Nehmt ihr aktuell nur Fantasy oder käme auch ein anderes Genre in Frage?

Fantasy und Dystopie. Eventuell auch noch Science Fiction, andere im Moment eher nicht. Das Programm wird im Laufe der Zeit sicher erweitert, aber wer am Anfang zu viel will, fällt schnell auf die Nase.

Beinhaltet Fantasy nur die klassische Fantasy oder auch andere Subgenres?

Auch Subgenres.

Angenommen es ist eine Dystopie, ein Dreiteiler und zwei Teile sind bereits erschienen. Hätte der dritte Teil Chancen bei euch?

Sprünge in einer Reihe habe ich nicht so gerne, da der Stil des Lektors auch immer unweigerlich etwas mit einfließt und der Leser eine gewisse Erwartungshaltung hat. Daher bin ich da eher skeptisch, lehne es aber nicht kategorisch ab.

Gibt es Autoren Rabatte? Mindestabnahmemengen?

Autoren können so viele Bücher zum Herstellungspreis bekommen, wie sie möchten. Die dürfen halt nicht verkauft werden. Mindestabnahme gibt es keine. Wir sind kein DKZV, auch kein versteckter.

Anmerkung DKZV: Bezieht sich auf einen Druckkostenzuschussverlag, der für die Erstellung einer Buchveröffentlichung von den Autoren selbst einen so genannten Druckkostenzuschuss erhebt, was bei diesem Geschäftsmodell die Übernahme sämtlicher Kosten für die Erstellung bedeutet.

Ist der Verlag dein Hauptberuf? Oder hast du noch einen Brotjob?

Ich bin schon immer selbständig in den Bereichen Webdesign, T-Shirt-Design, Stockfotografie und eigene Bücher habe ich ja auch noch auf dem Markt. Zur Zeit stecke ich die meiste zur Verfügung stehende Zeit zwar in den Verlag, aber durch die anderen Bereiche kommt eben Geld rein. Für den Verlag arbeite ich unentgeltlich.

In welcher Reihenfolge veröffentlicht ihr – erst eBook dann Taschenbuch … ?

Erst Taschenbuch. So ist zumindest der Plan. Aber wie und wann genau, das wird mit den Autoren jeweils genau abgesprochen, wenn es soweit ist.

Wie sieht es mit Misch-Genre aus? Kommt das für euch infrage?

Solange ein Teil der Mischung Fantasy oder Dystopie ist, kein Problem.

Also ich finde das bisher sehr interessant … Klingt nach einer tollen Alternative, für Erstautoren wie mich.

Antwort aus dem Bereich Lektorat von Julia Schwaminger:

Vor allem ist beim Chaospony das Zwischenmenschliche ein großer Faktor. Hier ist jeder von Anfang an per Du. Es wird ein freundlicher, familiärer Umgang gepflegt. Wir verstehen uns alle – egal welche Funktion / Position man hat – als Team.

Antwort von Verlegerin Sandra Lina Jakob:

Das freut mich!

Na, dann werde ich mal ein neues Exposé schreiben. Mein persönlicher Horror, sich kurz fassen … 


Liebe Sandra Lina Jakob, liebe Julia Schwaminger, herzlichen Dank für eure kostbare Zeit und das offene, sehr ehrliche Interview. Ich wünsche euch von Herzen viel Erfolg und alles Gute mit eurer Verlags Idee. Und euren Autoren natürlich nur Bestseller. Vielleicht wiederholen wir das Interview in einem Jahr mal, um zu schauen, wie es gelaufen ist? In diesem Sinne, schönen Abend und danke.

Ja sehr gerne. Ist bestimmt interessant zu sehen, wie bis dahin alles gewachsen ist. Danke euch für die netten Wünsche! Und danke auch meinem Team für die Unterstützung – hier und überhaupt!

 

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