Geschichte des Tages: Ryek Darkener – Don’t lose your head

Geschichte des Tages: Ryek Darkener – Don’t lose your head

08.06.2017

Don’t lose your head

„Was zum Teufel!“ Inspektor Mops blickte missmutig auf den am Boden Liegenden, der in einer Fläche noch nicht überall getrockneten Blutes lag. Der Kopf des Mannes, sauber abgetrennt, war einen Schritt entfernt und schien den ehemals verbundenen Körper erstaunt anzusehen.
Mops drehte sich suchend um. Nichts.
„Inspektor? Vermissen Sie etwas?“ Müller, Mops‘ Assistent, sah seinen Chef fragend an.
Mops räusperte sich. „Ja. Den Toten.“
Müller wies mit der Rechten auf den Torso. „Ich dachte, der liegt da vor uns.“
„Sie wissen, was ich meine. Ich vermisse den Toten, der üblicherweise hier rumsteht, um mir zu sagen, dass er mir nicht sagt, wer ihn umgebracht hat.“
Müller machte einen erleichterten Eindruck. „Das heißt, wir gehen diesmal nach der klassischen Methode vor?“
„Ich weiß zwar nicht, was Sie gerade meinen, aber von mir aus. Was haben wir?“
Müller blätterte in seinen Notizen. „Herrmann Mayer, 48 Jahre alt. War bis vor einem Jahr als Schauspieler am hiesigen Theater tätig. Todeszeitpunkt vor etwa einer Stunde. Tatort: Der Menge des Blutes nach zu urteilen, hier. Niemand der Passanten hat den Mord gesehen. Plötzlich lag er da, ohne Kopf.“
„Warum habe ich das Gefühl, ihn zu kennen?“
„Vielleicht weil er es in letzter Zeit zu einiger Bekanntheit gebracht hat? War recht oft in den Medien.“
Mops runzelte die Stirn. „Ach, dieser Herrmann Mayer? Hm, naja, ich hätte ihn nicht gewählt. Müssen Sie mich jetzt festnehmen?“
Müller sah Mops irritiert an. „Warum?“
„Ich habe ein Motiv. Und eine Sense.“
Mops hörte ein unterdrücktes Lachen in seinem Rücken. Er drehte sich um, starrte in die Luft. Nichts. Er drehte sich zurück zu Müller und grinste. „Eins zu null für mich.“
Müller wischte sich mit der linken Handrückseite imaginären Schweiß von der Stirn. „Puh! Ich dachte schon, Sie meinen es ernst.“
„Das mit der Sense?“
„Sie sagten einmal, Sie gehen damit nur zu Karneval und an Kindergeburtstagen als Tod. Hat sich da etwas geändert? Bestehen Sie auf einem Verhör?“
„Nicht nötig. Ich habe ein Alibi.“
„Sie meinen, eine Leonie?“, feixte Müller.
„Wir waren Schuhe kaufen, als der Mord passierte! Hunderte von Schuhverkäufern können das bezeugen!“
„Und? Hat sie das Passende gefunden?“
„Wieso sie? Sie glauben gar nicht, wie schwer es ist, ein paar schwarze Stiefel zu finden, die stilecht zu einem ‚Freund Hein‘ Kostüm passen.“
Müller schüttelte heftig den Kopf. „Ich glaube, wir kommen im Moment nicht weiter.“
„Sieht so aus. Hatte Mayer Feinde, von denen wir wissen? Todfeinde?“
„Wird recherchiert.“
„Was hat er gemacht, bevor ihm das hier zugestoßen ist?“
„Er scheint bummeln gewesen zu sein. Einige der Passanten, die wir befragt haben, können sich erinnern, ihn gesehen und mit ihm gesprochen zu haben.“
„Aber niemand war dabei, als ihm jemand den Kopf abgeschlagen hat. Am helllichten Tag. Mitten in einer belebten Einkaufszone.“
„So sieht es aus.“
„Hat der Tote andere Verletzungen? Ich meine, außer dieser? Gab es einen Kampf?“
„Unbekannt.“
„Leonie wird sich freuen.“
„Sie sitzt doch bestimmt schon im Keller und wetzt die Messer.“
„Davon gehe ich aus. Sie hat sich sofort nach Ihrem Anruf auf den Weg gemacht. Eigentlich hatten wir uns den heutigen Tag anders vorgestellt. Die Autopsie ist ziemlich unromantisch für warme Körper.“
Mops warf einen Blick auf die Bank, die hinter dem Torso stand
„Waren die Spurensicherer schon am Werk?“
„Nein. Sie warten auf die Freigabe.“
„Gut. Sie sollen sich die Bank zuerst vornehmen.“
„Warum das?“
„So ein Gefühl. Die interessantesten Stücke möchte ich morgen früh auf meinem Schreibtisch haben.“
„Werde ich veranlassen.“
„Danke.“

(Aus meinem aktuellen urban Fantasy Roman „Inspektor Mops – Common Sense“)

(c) 2017 Ryek Darkener

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