Geschichte des Tages: Andrea Riemer – GEDANKEN ZU ZWISCHEN DEN ZEITEN UND DEN WELTEN

Geschichte des Tages: Andrea Riemer – GEDANKEN ZU ZWISCHEN DEN ZEITEN UND DEN WELTEN

10.06.2017

GEDANKEN ZU ZWISCHEN DEN ZEITEN UND DEN WELTEN

Ich mag Zeiten und Welten, also Räume, die nicht definierbar sind. Nein – ich sehe nun nicht physikalische Fragen vor meinem inneren Auge. Ich will eintauchen in etwas Unspezifisches, Gefühltes und doch letztlich Konkretes. Es ist konkret, jedoch nach anderen Maßstäben. Am besten mache ich das kurz vor dem Einschlafen, in einer völligen Entspannung … dann eröffnen sich unbekannte Zeiten und Räume, neue Welten.
Es gibt kaum eine spannendere Zeit als die Zwischenzeit. Zwischen welchen Zeiten, zwischen Ewigkeit und Unendlichkeit? Nicht greifbar, nicht verortbar und daher für viele Menschen gar nicht wahrnehmbar. Ist Zwischenzeit eine eigene Zeit in der Zeit, in welcher Zeit, dazwischen, eingeklemmt, hineingeschoben, hineingepfercht, dazwischen untergebracht, degradiert zum Lückenfüller, zum Lückenbüßer ist? Oder ist es eine kreative Zeit, die einen zwischen Sein und Traum schweben lässt, die Fenster eröffnet, die im sogenannten realen Leben gar nicht sichtbar sind?
Ja – und dann – bewege ich mich so kurz vor dem Einschlafen nicht nur zwischen Zeiten, sondern auch zwischen Welten? Gibt es solche Zwischenwelten? Welchen Welten sind in diesem Kosmos damit gemeint? Zwischen Kulturen, in einer eigenen Welt, bewusst, unbewusst, unterbewusst, überbewusst, die Zwischenwelt als eigener Raum im Raum, wo beginnt der Raum, wo endet der Raum, ist die Zwischenwelt ein eigener Raum, wenn ja, wo finde ich ihn, was mache ich mit ihm, muss ich überhaupt etwas mit ihm anstellen, dieses immer Tun und Machen Wollen und dieses angestrengte Müssen? Das sind Fragen, so kurz vor dem Einschlafen.
Ich weiß, da tummeln sich oft kurz vor dem Einschlafen in dieser wunderbaren Zwischenzeit und der raumlosen Zwischenwelt zwischen Tag und Nacht scheinbar seltsamste Gedanken. Gleichwohl, ich finde sie inspirierend, weil sie mir etwas aufzeigen, das mir während des Tages verschlossen, ja geradezu versperrt ist. Umso lieber halte ich mich auf … in dieser Zwischenzeit und in dieser Zwischenwelt auf, die da ist und die ich nicht herbeiführen kann.
Wahrscheinlich ist es die beste RaumZeit, sich in diesem Zwischen zu tummeln, nein, zu schweben, denn hier kann ich nichts kontrollieren. Tue ich das, dann fällt alles in sich zusammen … und das mag ich nicht.
Also – auf ins Vertrauen des Dazwischen.

(c) Andrea Riemer (bislang unveröffentlichter Text)

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Ein Kommentar zu Geschichte des Tages: Andrea Riemer – GEDANKEN ZU ZWISCHEN DEN ZEITEN UND DEN WELTEN

  1. AutorenimNetzwerk sagt:

    Ist eine ähnliche Situation wie in „Tagträumen“, wenn man mit Gewalt die gerade herrschende Drucksituation erfolgreich verdrängt hat, um für einen Moment abzuschalten, an etwas anderes zu denken, weil gerade die Lösung für die Situation nicht parat ist. Gelingt das, eröffnen sich in diesem „Tagtraum“ oft neue Perspektiven und Lösungsansätze, die einem sonst vielleicht erst viel viel später bewusst geworden wären. Ob das jetzt einer verstanden hat, lach. Du beschreibst den Zustand jedenfalls sehr gut, Andrea 🙂

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