Geschichte des Tages: Andrea Riemer – BEWEGTE ZEITEN … WOHER – WOHIN?

Geschichte des Tages: Andrea Riemer – BEWEGTE ZEITEN … WOHER – WOHIN?

29.06.2017

BEWEGTE ZEITEN … WOHER – WOHIN?

Aus der Unsicherheit dieser verdichteten Veränderungszeit lenken viele nach Außen ab. Dass wir in einem sich länger hinziehenden Bruch mit mehreren Konvulsionen seit Jahren leben, zeigt sich anhand vieler Beispiele. Wir sind heraus auf dem Weg aus einer Welt, in der der Schein über das Sein, die Ware über das Wahre, das Verurteilen über das Verbinden und die Ausgrenzung über die Integration gestellt wurden. Die sehr unspezifisch skizzierten großen Strukturen und Systeme bröckeln. In manchen Bereichen haben sie sich bereits vollkommen aufgelöst, auch wenn dies einem Großteil noch nicht bewusst ist, weil sie schlafen und auch nicht bereit sind aufzuwachen.
Beobachtet man aufmerksam, was sich z.B. in den vergangenen zehn Jahren alles veränderte und in welcher Geschwindigkeit dies vor sich ging, so findet man eine Reihe von Beispielen für Implosion und Kollaps. Erschöpfung, Bore-outs und Burn-outs zeigen sich im Kleinen und im Großen. Depression wird nicht mehr schamhaft verschwiegen. Die Zeitphase hatte Abschnitte, in denen viel Unerlöstes, Unrundes, nicht mehr Passendes an die wahrnehmbare Oberfläche trat und sich oft in verzerrter Form zeigte – ansonsten würde es nicht wahrgenommen werden. Gleichzeitig finden wir viele Menschen in einer Gleichgültigkeit und Lethargie, in einer bemerkenswerten Opferhaltung und Ohn-Macht.
In diesem scheinbaren Widerspruch befinden wir uns – und auch wir selbst schwanken immer wieder zwischen Aufbruch und Stillstand – solange, bis der berühmte Kipppunkt überschritten ist und ein Zurück nicht mehr möglich ist.
Wir spüren mehr denn wir mit dem Verstand wissen, dass alte Muster, die oft über Generationen sehr oft unbewusst und ohne Hinterfragung weitergegeben wurden nicht mehr wirken, nicht mehr dienen, um das Leben so zu gestalten, wie wir es gerne wollen.
Was dürfen wir in diesen wunderbar bewegten Zeiten erkennen: Wir sind begnadete „Anerkennungsjunkie“ damit hochbedürftig und abhängig. So erfüllen wir oft unbewusst Erwartungen im Außen, um dazuzugehören (bonding als Existenzgrundlage). Viele leben in Brauch- und Bedürfnisbefriedigungsgemeinschaften. Alles abzulehnen, zu rebellieren und unbewusst nein zu sagen gehört schon fast zum guten Ton. Viele sind Profientrüster – Wohlwollen scheint ihnen unbekannt zu sein. Sie schwimmen im unendlichen Ozean der Du-Süchtigen, die sich in Problemen anderer ergehen anstatt sich mit den eigenen Fragen auseinanderzusetzen. Opfer und Ohnmächtige findet man ebenfalls gehäuft, denn in diesen Rollen ist keinerlei Handlung erforderlich.
Ich gehe noch einen Schritt weiter. In unserer Realität zeigen sich beispielhaft: die Maskenträger wie die Brave, der Liebe, der Unauffällige, die kleine Maus, die so bedürftig ist und immer Hilfe braucht, der Retter, die Rebellin, der Nein-Sager, die Pflichterfüller, die Prinzipienreiter, der Kritiker, der Immer-in-jeder-Suppe-ein-Haar-Finder, die Überintellektuelle und Superspirituelle, die ach schon so weit ist, der Durchhalter und Durchbeißer, der Ja-aber-Sager, der Schnäppchenjäger, die Sammlerin, der Sich-alles-Verweigerer usw..
All dies entspricht nicht dem, was Menschsein ausmacht und daran werden wir jetzt erinnert. Gleichzeitig: wir begegnen vermehrt vielen großen und kleinen führerlosen Schiffen, die auch immer wieder zusammenkrachen ohne zu wissen warum – zudem ist der Ozean auch noch sehr bewegt.
Wir stellen fest, dass sinnentleerte Strukturen nicht mehr gefördert werden. Und hier stehen wir nun, zumindest die meisten in unserer Gesellschaft.
Wohin nun des weiteren Weges?

© Andrea Riemer
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