Geschichte des Tages: Andrea Riemer – GEDANKEN ZUM KIND SEIN – HEUTE, MORGEN, ÜBERMORGEN

Geschichte des Tages: Andrea Riemer – GEDANKEN ZUM KIND SEIN – HEUTE, MORGEN, ÜBERMORGEN

05.07.2017

GEDANKEN ZUM KIND SEIN – HEUTE, MORGEN, ÜBERMORGEN

Die Kindlichkeit, das Spielerische, das Leichte, das Fantasievolle, das Lachen, das Freudvolle, das tief Glaubende und Vertrauensvolle … sind das Chimären oder war bzw. ist das Realität?

Ich frage mich das immer wieder, wenn ich Erwachsenen begegne. Wo sind all diese Facetten hin verkommen? Sind es Fantasiegebilde? Ist es etwas idealtypisch Wünschenswertes, nach dem man streben kann? Kann man sich Kindlichkeit wieder erarbeiten – was für ein Widerspruch in sich?!
In unserer Höher-Schneller-Weiter-Wettbewerbs-Gier-Gesellschaft gilt die Kindlichkeit als unpassend. Der Tor, der reine Narr, der die Unschuld im Herzen trägt … dies sind Bilder, die kaum wahrgenommen werden. Wenn dann erfolgt lautes und leises Gespött. Dann muss die vielzitierte Naivität herhalten.

Wir sind eine Polaritäts- und Extremgesellschaft mit rationalem Touch und mentaler Spiritualität in vielen Teilen geworden. Die aus dem Herzen kommende Kindlichkeit ist vielen verloren gegangen, oder, nein: sie wurde verschüttet.
Ich beobachte Kinder sehr gerne. Am liebsten habe ich, wenn sie lachen, schreien, fröhlich sind und unbeschwert leben. Ich beobachte Kinder, wenn sie in Schemata hineingepresst werden, wenn sie gedrillt werden, wenn sie Leistung in einem Alter erbringen müssen, die jede Freude nimmt, wenn sie gehetzt von einem Event zum nächsten gebracht werden, wenn sie auf Erwachsensein getrimmt werden, wenn sie angepasst und optimiert werden, …

Das nenne ich eine besondere Form von Kindesweglegung. Der Impuls geht von uns Erwachsenen aus. Wir lassen in unserer Verantwortung für Kinder diesen Druck von außen zu. Wir nehmen unseren Kindern, bewusst und unbewusst, ihre Kindheit. Wir legen diese Kinder weg. Ich schreibe über unsere Kindern in unserer Noch-immer-Wohlstandgesellschaft. Nein – ich schreibe nicht über die geflüchteten unbegleiteten Minderjährigen.
Machen wir doch einen Blick auf die vielen weggelegten Kinder, ehrlich, unverstellt, offen – so wie Kinder eben sind. Und übernehmen wir die jeweilige Verantwortung dafür.

Was wäre wenn wir ach so intelligenten, ach so erfahrenen Erwachsenen wie Kinder einfach einmal „nur“ sind? Können wir das überhaupt? Was heißt „einfach nur sein“? Da wird es schon interessant, denn die Antwort auf diese Fragen können nur die wenigsten geben. Einfach dasitzen und in die Luft schauen und die Gedanken herumrennen lassen, ohne ihnen die ewig ach so wichtige Aufmerksamkeit zu geben? Vor Freude springen? Nur atmen und den Verstand sein lassen? Die innere Stimme wahrnehmen, so uns das überhaupt ohne Übung möglich ist?

Kinder sind wundervolle Beispiele für das „einfach nur Sein“. Sie machen nichts, sie üben nicht dafür, sie sind es aus sich heraus. Solange, bis man es ihnen abtrainiert, ihnen Träumereien unterstellt, die weder Hand noch Fuß haben und womit man später -wann auch immer das sein mag-, womit man also später einmal Geld verdienen kann. Denn ohne Geld gibt es kein Überleben in dieser Giergesellschaft.
Gerade darum plädiere ich auch für Erwachsene, immer wieder einmal „einfach nur zu sein“. Dann, und nur dann werden Erwachsene erfahren, was der nächste Schritt im eigenen Sein ist.

Nur darum geht in diesen bewegten Zeiten.

(c) Andrea Riemer
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