Geschichte des Tages: Angelika Dyllong – Parkhaus der zerschellten Träume

Geschichte des Tages: Angelika Dyllong – Parkhaus der zerschellten Träume

07. August 2017

Parkhaus der zerschellten Träume

Beim Öffnen der schweren Eisentür schlug ihm ein bestialischer Mief entgegen. Eine widerliche Wolke aus alter abgestandener Luft gemischt mit den Ausdünstungen alter Windeln oder Hundekotsäcke umhüllte ihn augenblicklich. Es roch wie auf einer Müllhalde, nach rostendem Metall und nach irgendwelchen Resten. So wie es stank, hätte es auch der Abfall einer Metzgerei sein können und nicht der Lagerraum in einem Parkhaus. Seinem Parkhaus. Im Dunkel der Abstellkammer war ein unförmiges Etwas zu erkennen, dass an den Wänden schulterhoch gestapelt war. Auf dem Boden befand sich eine dunkle, klebrige Lache, die fast bis zur Tür reichte. Für einen Schritt hinein war kein Platz mehr. Und durch den Odeur der aus dem Vorhof der Hölle zu kommen schien, hatte er auch kein Bestreben, dem näher zu kommen. Angeekelt warf er die Tür wieder zurück ins Schloss.

Langsam aber sicher arbeitete sich dieser Hauch, der direkt aus den schlimmsten Gassen des Paris des 17. Jahrhunderts zu kommen schien, den Tentakeln eines Tintenfisches gleich am Türrahmen entlang und wollte seiner Gefangenschaft entfliehen.

Andy wandte sich angeekelt ab und schritt zurück zu den Parkdecks. Er sah das Auto und Erinnerungen fluteten sein Gehirn.

Der intensive Kuss, wie ihre Zunge langsam und neckend in seinen Mund dringt, wie ihre Zunge mit seiner spielt und Versprechungen macht, die sich über die plötzlich enge Brust und mit einem Kribbeln in seinem Bauchnabel den Weg hinunter zu seinem Schwanz bahnen. Ihre Finger, die zärtlich sein Gesicht und seinen Hals umfassen, ihre Hände, die sich vor Verlangen fest in seinen kurzen Haaren festkrallen. Ihre Arme, die ihn umschlingen, weil sie fast den Halt verliert und dann dieses kurze atemlose Stöhnen, dass tief aus ihrem Hals zu kommen scheint. Seine Hände wandern etwas tiefer unter ihren Mantel. Er will spüren, was er den ganzen Nachmittag nicht ignorieren konnte: diesen sich hebenden und bebenden Busen, der ihn an seine Mutter erinnert hatte. Besitzergreifend umfasste er ihre Hüfte aus strich dann zärtlich nach oben. Der Handballen flog leicht wie ein Kolibri über den glatten Stoff ihrer Bluse. Sie fühlte sich so herrlich warm und weich an. Am Ort seiner Begierde angekommen zögerte er kurz, um die Lust zu steigern. Zuerst legte er auf beiden Seiten die Fingerspitzen am Dekolleté auf und lies sie sanft darüber streichen, dann umschloss er beide Brüste und wiegte sie leicht hin und her. Mit dem Daumen suchte er nach ihren Knospen und umkreiste sie wieder und wieder. Als sie sich ihm entgegen bog wusste er, dass sie mit nach Hause kommen würde.

Er erinnerte sich gern daran. Lächelnd stieg er ein und steckte den Autoschlüssel ins Zündschloss. Das Date war wirklich gut verlaufen. So wie viele davor bereits. Dieses Parkhaus war einfach keine Option mehr. Der Lagerraum in dem verlassenen Flügel war einfach zu voll. Er brauchte einen neuen Ort für dieses Pack, für diese Mädchen, die einfach viel leicht zu haben waren.

(c) Angelika Dyllong

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