Geschichte des Tages: Nadin Brunkau – Der Andere

Geschichte des Tages: Nadin Brunkau – Der Andere

10.08.2017

Der Andere

Er sagt zu ihm, er solle es tun!
Würde er sonst nie wieder sorglos ruh´n!
Keine Ruhe würde er mehr vor ihnen finden
Und solle endlich aufhören, Zeit zu schinden
Er sagt ihm, was seine Aufgabe ist.

Der Andere fröstelt allein bei dem Gedanken daran,
wie um alles in der Welt, war er geraten in diesen Bann?
Dazugehören, einer von ihnen hatte er sein wollen,
den Stein einmal angestoßen, sah er ihn nun erschreckend rollen
Er hört, was seine Aufgabe ist.

Sie stehen sich gegenüber, schweigend miteinander kämpfend,
die Gedanken im Kopf rasen unendlich, nicht endend
Der Andere kennt sich gut, weiß er wird es niemals schaffen,
der Erste wünscht aufrichtig, der Andere würde endlich aufhören zu gaffen,
Er hat doch gesagt, was er von ihm erwartet.

„Einer von uns willst du doch sein?!“
Spricht der Erste und tritt unruhig von einem Bein auf das andere.
„Ich weiß, aber das was ihr plant ist nicht richtig!“
Der Andere nimmt all seinen Mut zusammen und sich selbst endlich wichtig
Er hat gehört, was er tun soll.

„Du bist ein Feigling und ein ganz Elender dazu!“
Sie sehen sich beide an in der zum Bersten gespannten Ruh`
„Du bist schon viel zu weit mit uns gegangen!“
Der Andere sieht es ein, er ist in dieser Situation aussichtslos gefangen.
Er hat gehört, was als nächstes kommt.

Der Erste sieht ihn hämisch grinsend an
„Wenn du das machst, erzähl ich von deinem Schiss keinem Mann!“
Der Andere hadert, hin und her gerissen,
nimmt schließlich den Spiritus wider besseren Wissens.

Der Rest der Gruppe ist plötzlich dazu gekommen
Der Andere hat das Gratulationsbier widerwillig genommen.
Sie jubeln, sie grölen, immer lauter werden sie
Der Andere ist entsetzt, verzweifelt: „Das vergesse ich nie!“

Die Flammen bahnen sich ihren Weg durch das Haus
Die Untergebrachten sind zu diesem Zeitpunkt nicht zu Haus.
Wenn sie später ahnungslos wiederkehren
Gleichen sie nach diesem feigen Anschlag ein weiteres Mal Kriegsversehrten.

Der Andere duckt sich weiter hinten im Schatten
Beobachtete entsetzt die Anderen, die Spaß an dem Spektakel hatten
Frei hatte er sein wollen, für sich selbst entscheiden,
so sieht er doch nun, so viele seinetwegen leiden.

Hatte der Andere sich einen Platz mit dieser Mutprobe erkämpfen wollen,
so sah er nun erschrocken ein, dass das neue Gefängnis begonnen hatte zu rollen.
Zu rollen, in eine Richtung, ungebremst und nicht von ihm gelenkt,
die Freiheit, die er suchte, hatte er hier mit seiner Seele verschenkt.

(C) Nadin Brunkau

LIFESCAPES ICH,DU UND ES

 

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