Special Text: Andrea Riemer – Begegnung im Hier und Jetzt … oder:  Wo steige ich ein …?

Special Text: Andrea Riemer – Begegnung im Hier und Jetzt … oder:  Wo steige ich ein …?

10.10.2017

Begegnungsbild 1 – Begegnung im Hier und Jetzt … oder: 
Wo steige ich ein …?

Be-geg-nung – seltsam, dass ich dieses Wort teile, aufteile…
Was geschieht bei der Begegnung, in der Begegnung?
Wer kommt mir ent-gegen … Sie, Du, Wir, Ich?
Was beeinflusst uns in unserer Wahrnehmung…
Rein in die alten Schuhe, die so bequem sind, so vertraut –
Ich lasse Dir gar keine Chance, anders zu sein, Dich zu zeigen, wie Du bist
Du meinst – ich fantasiere?!
Du lachst?
Blick Dich um, schau über Deinen heißgeliebten Tellerrand …
Was könnte das denn bedeuten, wenn Du dich aus dem bekannten Fenster lehnst, neugierig bist, gar den Mund aufmachst? – Gilt natürlich auch für mich.
Eine glatte Missachtung des gesellschaftlichen Comment?
Wie also verhält sich Frau in der Begegnung?
Wie verhält sich Mann in der Begegnung?
Wer darf was warum mit welchem Ziel?
Wie verhalten wir uns? …
Wir sind doch größtenteils begnadete Masken- und Rollenträger.
Und diese Masken und Rolle sind so unbequem und schwer, dass eine Begegnung gar nicht zustande kommen kann – und gleichzeitig sind sie unendlich vertraut.
Ach wie viele Masken tragen wir übereinander – so viele, dass wir uns derart gut versteckt haben und nichts, gar nichts mehr von uns übrig ist.
Wir leben in einem Dauermaskenball.
Ich nehme mich gar nicht aus …
Die Dominanz der Rolle, der Maske – die Persona.
Die Maske – ach, sie ist mir so lieb und teuer, so gewohnt, so bequem.
Nur nicht zeigen, was und wer ich wirklich bin.
Nur nicht erkennen, was Du wirklich bist – natürlich auch wer ich bin.
Die Wahrhaftigkeit, ja die vielzitierte Wahrhaftigkeit – sie kann wehtun, blenden, tief graben, Unschönes zeigen, Schönes zum Vorschein bringen.
Die Wahrhaftigkeit ist jedoch nie gemütlich, schlendert nie gemächlich lässig daher … Hallo, da bin ich …
Was wünschst Du Dir?
Ehrlichkeit, Lebendigkeit, Dynamik, Nähe, Wertschätzung, Kraft, Einlassen in der Begegnung?
Was ist tief in Dir verankert?
Die Angst, verpflichtet zu werden, zu einer Rolle, die mir so gar nicht mehr entspricht und die Du so gerne hast, weil sie bequem für Dich ist?
Die Angst, sich zu outen, zu öffnen und im Kern erkannt zu werden – und nackt und verletzlich dazustehen – ohne Hintertüre, ohne momentanen Ausweg – mit dem Rücken zur Wand?
Und so begegnen wir aneinander zielsicher vorbei.
Bleiben in der allseits beliebten Unverbindlichkeit als
Begegnungskern –
Unverbindlichkeit und Begegnung – das geht so rein gar nicht.
Also – was tun wir?
Wir begeben uns gnadenlos auf die Suche und landen in der Orientierungslosigkeit im sich anbahnenden Zerfall.
Und wo enden wir, Du und ich?
Vielleicht im Wunschdenken – ach – wie schöne wäre
es wenn ….
Wenn was?
Der Konjunktiv als Tod jeglicher Begegnung, jeglichen Lebens?
Die schöne Möglichkeit als nie realisierter Wunschtraum?
Ich meine, dass Du und ich immer den Weg wählen kann, jedoch nicht die Menschen, denen wir begegnen.
Genau das macht Begegnung so aufregend, so spannend, so herausfordernd, so zerschmetternd, so erschütternd, so berührbar, so unendlich vielfältig – zwischen Dir und mir…
Jenseits dieses Dauermaskenballs.
aus: Begegnungen (unveröffentlichtes Lesungsprogramm – wird erstmal am 21.10.2017 im Rahmen einer Lesung in Raisting am Ammersee präsentiert – zur Ausstellung „Von Angesicht zu Angesicht“ – dazu gibt es auch einen Vortrag zum Thema)

(c) Andrea Riemer Schriftstellerin

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