Fehnland Verlag

Verlagsinterview Fehnland Verlag

Vor etwas über 6 Monaten gründete Michael Kracht seinen Fehnland Verlag.

In diesem Interview wird er den AutorInnen den Verlag vorstellen und eine Stunde lang Fragen zum Verlag beantworten.

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Michael Kracht über den Fehnland Verlag:

Ich bin Quereinsteiger, habe erst kurz vor der Pensionierung begonnen, mich mit dem Schreiben und mit Büchern allgemein zu beschäftigen. Entstanden ist die Idee zur Verlagsgründung aus unserer Schreibgruppe, die mit einer Krimi-Anthologie vor einem Jahr an die Öffentlichkeit getreten ist. Im April habe ich dann den Fehnland-Verlag gegründet. Und bis heute sind bereits 7 Bücher erschienen.

Michael, es wurde dir vorgeworfen, dein Verlag sei ein DKZV. Das ist einer der Gründe, warum wir über das Interview gesprochen haben. Möchtest du das hier richtig stellen?

Ja, es steht der Vorwurf im Raum, wir wären ein DKZV. Das ist ausgemachter Quatsch. Keiner meiner Autoren hat irgendetwas bezahlen müssen. Natürlich verkaufe ich die Bücher auch direkt an Autoren – mit 50% Rabatt. Alles – wirklich alles – bezahle ich selber!

Dies kann ich als Autorin bestätigen. Ich habe nichts bezahlen müssen. Außer Nerven und Angstschweiß und die ein oder andere Debatte mir Roland Blümel. 

Erst einmal Glückwunsch zur Verlagsentscheidung. Das war eine clevere Entscheidung. Du bist Alleinkämpfer?

Ja, bisher bin ich Alleinkämpfer. Ich habe ein paar nebenberufliche Helfer – Coverdesigner, Lesezeichendesigner – aber (fast) alles andere mache ich selbst.

Du sagtest gerade, du bist ja Einzelkämpfer. Oder Alleinkämpfer. Wer macht Korrektorat und Lektorat?

Korrektorat und Lektorat mache ich weitgehend selber, ich habe einen Mit-Lektor – Roland Blümel, der mir bei einigen Büchern schon geholfen hat.

Wie hast du dir die notwendigen Kenntnisse erarbeitet? Der Gewerbeschein ist wahrscheinlich noch das einfachste bei der Verlagsgründung.

Der Gewerbeschein ist tatsächlich das Geringste. Ich hatte etwas „Vorkenntnisse“, weil ich vorher einige Zeit als Lektor gearbeitet hatte.

Wenn du allein 7 Bücher herausgebracht hast, ist das eine stramme Leistung. Hast du bereits weitere in Arbeit?

Ja, es sind weitere Bücher in Vorbereitung. Im Moment 6.

Wird sich auch irgendwann dein Team erweitern?

Team Erweiterung ist ein schwieriges Kapitel. Ich hatte früher mal eine eigene Firma, mit Personal – und mit viel Ärger. Wenn ich alleine arbeite, bin ich auch alleine für alle Fehler verantwortlich.

Was ist für dich Kriterium für die Annahme eines Manuskripts?

Das Manuskript muss mir gefallen – das ist der erste und wichtigste Kriterium.

Wie lange dauert es, bis du auf die Einsendung eines Manuskripts reagierst?

Wenige Tage.

Wie findest du deine Autoren?

Die Autoren finden mich. Und ich musste auch schon einige Manuskripte ablehnen.

Schließt du Verträge über ein Buch ab oder hast du schon etablierte Verlagsautoren?

Ja, alle Verlagsautoren kriegen Verträge. Standardverträge nach VS/Verdi-Norm. Und ja – es gibt bereits etablierte Verlagsautoren. Und da kommen auch ständig welche dazu.

Hat der Autor Mitspracherecht am Cover und Titel?

Ja die Autoren haben Mitspracherechte. Aber die letzte Entscheidung fälle ich.

Wer macht bei euch die Cover?

Ich habe zur Zeit zwei Coverdesigner, Mikki Patrick und Dennis Wilkinson. Die meisten Cover hat Mikki gemacht.

Willst du etwas zum Autorenhonorar verraten? Wie sind da die Regelungen?

Das Autorenhonorar wird individuell ausgehandelt – so, dass ich es mir leisten kann und der Autor zufrieden ist. Hat bisher immer geklappt.

Prozentual oder fester Betrag?

Prozentual.

Welche Genre werden von deinem Verlag vertreten?

Zur Zeit haben wir Krimis, Thriller und Gesellschaftsromane im Angebot. Und eine jährliche Regional-Anthologie, die Fehnlandgeschichten.

Du sagtest, dass dir in erster Linie die Manuskripte gefallen müssen, würdest du daher auch eine Erweiterung der Genre in Betracht ziehen?

Ich habe mich auf einige wenige Genre „eingeschossen“. Vor allem Genre, die ich selber gerne lese. Das heißt im Umkehrschluss, dass ich Genre, die ich nicht lese, wohl auch kaum verlegen werde – darunter fällt z. B. ChickLit oder Fantasy – damit kann ich selber wenig anfangen. Ausweitungen der Genre sind schon in Arbeit: Im nächsten Frühjahr erscheint ein Roman aus der Reihe „Historische Romane“.

Würdest du auch Gedichte verlegen?

Gedichte – Nein. Eine meiner Autorinnen – Lisa Weichart – schreibt wunderschöne Gedichte. Aber da bin ich der falsche Verleger. Ich bin eher kühler Norddeutscher – weniger Romantiker.

Wie sieht euer Marketing aus?

Marketing und Werbung sind naturgemäß für einen Kleinverlag ein schwieriges Feld. Ich mache vor allem Online-.Werbung. Außerdem gibt es für alle Bücher individuelle Lesezeichen, und bei Bedarf Flyer.

Sind Messeauftritte des Verlags geplant?

Wir sind in der nächsten Woche mit einem eigenen Stand auf der Buch Berlin. Und im nächsten Jahr bin ich – zumindest als Besucher – auch in Leipzig.

Wie sieht’s mit der Blogger-Szene aus?

Ja, wir haben Blogger. Allerdings nicht sehr viele.

Und wie steht ihr zu dem Thema Blogger?

Blogger sind sehr hilfreich – man muss aber die richtigen finden.

Wie findet man den guten Blogger, der nicht nur Gratisexemplare bunkert sondern fehlerfrei rezensiert?

Ich schaue mir die bisherigen Rezensionen der Blogger an, und auch, wo sie erschienen sind. Und wenn ich das Gefühl habe, es geht nur um kostenlose Bücher, ist der Blogger das letzte Mal dabeigewesen.

Organisierst du Lesungen? Oder kümmern sich die Autoren selbst? Oder unterstützt du sie?

Ich unterstütze unsere Autoren gerne bei Lesungen. Selber organisieren – aus der Ferne – ist schwierig. Ich kenne ja meistens dir örtlichen Verhältnisse nicht.

Ich finde es generell sehr mutig, in dieser Zeit einen Verlag zu gründen. Dank Amazon und Co sind die Zeiten für Verlage ja nicht mehr ganz so rosig.

Verlegen kommt von Vor-Legen. Ja, die Konditionen sind für Kleinverlage nicht einfach – aber es geht!

Ich nehme an, du bedienst Print und eBook? arbeitest du mit einer Druckerei zusammen?

Ja, Print und eBook. Und in Ausnahmefällen auch Hardcover. Ich lasse die Print in Polen drucken – habe da sehr gute Erfahrungen gemacht.

Wo werden die Bücher verkauft?

Die Prints auf allen Plattformen, die von den Barsortimentern beliefert werden, einschließlich Amazon. Die eBooks bei Amazon (über KDP) und bei Libreka für alle anderen Formate. Libreka ist ein Großhändler für eBooks, die beliefern alle Portale.

Werden Auflagen gedruckt oder geht das On Demand?

Ich drucke immer Festauflagen – nicht On Demand.

Magst du uns die Auflagenhöhe verraten? Z. B. vom Kuckucksparadies? 

Ich fange meistens mit 200 oder 300 er Auflagen an. Habe aber inzwischen bei 3 Titeln schon nachdrucken müssen. Das Kuckucksparadies ist inzwischen in der 2. Auflage – sowohl beim Hardcover, wie auch beim Taschenbuch – jeweils 150.

Auf deiner Homepage ist ja ersichtlich, dass du einen Shop betreibst, über den die Bücher erhältlich sind, ebenso, dass Buchhändler sie über Barsortimenter erhalten können. Vertreibst du noch über andere Vertriebswege, wie Onlineanbieter?

Ja, die Bücher sind z. B. auch über Amazon erhältlich.

Planst du auf lange Sicht, die Bücher im Buchhandel zu präsentieren?

Die Bücher sind alle im Buchhandel präsent. Ich arbeite mit den drei großen Barsortimentern zusammen, und die beliefern alle Buchhandlungen in Deutschland. Das sieht dann so aus, dass z, B. Libri bei einer Neuerscheinung auf einen Schlag 30 Exemplare ordert.

Hast du Buchhandlungen, die bereits Bücher vom Verlag ausliegen haben oder sind sie „nur“ bestellbar?

Ja es gibt Buchhandlungen, in denen meine Bücher ausliegen – zum Beispiel hier vor Ort. Und ich weiß, dass in Regensburg mehrere Buchhandlungen unsere Bücher ganz prominent auf Tischen ausliegen haben.

Kleinverlage haben es ja insgesamt schwer – arbeitest du mit anderen Kleinverlagen zusammen?

Ja, wir arbeiten mit anderen Kleinverlagen zusammen – auf freundschaftlicher Basis. Aber mehr in der Form von Hilfestellung, weniger in direkter Zusammenarbeit.

Wenn ich fragen darf – trägt sich der Verlag schon mit 7 Büchern selbst ? Die Frage musst du natürlich nicht beantworten.

Kein Problem! Nein, der Verlag trägt sich natürlich bisher nicht selbst. Ich habe kräftig investiert. Aber ich sehe inzwischen Monat für Monat Erträge, die mich „fröhlich“ stimmen. Und aussichtsvoll.

Wie viele Publikationen pro Jahr hast du geplant? Wenn man viel selbst machen muss, sind die Kapazitäten ja etwas eingeschränkter.

Ich hatte anfangs geplant, pro Jahr 6 Bücher zu verlegen. Jetzt habe ich 7 Bücher nach 7 Monaten. Und für das nächste Jahr sind 6 Bücher fest eingeplant – und weitere Manuskripte sind schon angekündigt. Aber ich denke, dass bei etwa 10 Titeln pro Jahr meine Kapazität erschöpft sein wird.

Setzt du Prioritäten nach deinem absoluten Lieblingsgenre oder werden die Autoren in der zeitlichen Reihenfolge veröffentlicht?

Ich versuche, streng nach Auftragseingang zu arbeiten – ist aber manchmal schwierig. Z. B. wenn an einem Manuskript noch viel Arbeit erforderlich ist, und ein anderes praktisch „fertig“ daliegt.

Wie viele Stunden hat dein Arbeitstag?

Also mein Arbeitsalltag – 12 Stunden sind wohl normal. Wobei ich das im Gegensatz zum früheren „Berufsleben“ als nicht so schlimm empfinde. Jetzt mache ich ja etwas, was mir Spaß macht.

Was sagt deine Familie zum Verlag?

Meine Familie sagt JA zum Verlag – wenn ich zwischendrin auch mal den Laptop aus der Hand lege. Und bereit bin, an Urlaub zu denken. Und mich an der Hausarbeit beteilige.

Und selbst schreiben? Das bleibt auf der Strecke?

Ja – leider! Aber jetzt sind die Anfangshürden überwunden. Jetzt kann ich auch wieder ans Schreiben denken.

Ich habe den Eindruck, du möchtest nichts besonderes machen (auf den Verlag bezogen, nicht auf die Bücher). Das meine ich nicht negativ! Du machst einfach was dir Spaß macht und das mit Leidenschaft. Liege ich da richtig oder hast du ein Alleinstellungsmerkmal?

Alleinstellungsmerkmale – wahrscheinlich eher nicht. Es gibt rund 2000 Verleger in Deutschland – wie soll man sich da allein stellen?

Kümmerst du dich auch um die PR?

Ja, PR mache ich selber – soweit möglich.

Wer macht eure Homepage?

Die Homepage mache ich selber.

Bist du an einem Verband angeschlossen?

Ich bin im Börsenverein, im VfLL.

Vielen Dank für das offene und ehrliche Interview, lieber Michael Kracht. Wie es sich anhört, hast du alles im Griff und deine Autoren sind bei dir in guten Händen. Ich wünsche dir und deinen Autoren alles Gute und viel Erfolg. 

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Ein Kommentar zu Fehnland Verlag

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Verlagsinterview Fehnland Verlag

Vor etwas über 6 Monaten gründete Michael Kracht seinen Fehnland Verlag.

In diesem Interview wird er den AutorInnen den Verlag vorstellen und eine Stunde lang Fragen zum Verlag beantworten.

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Michael Kracht über den Fehnland Verlag:

Ich bin Quereinsteiger, habe erst kurz vor der Pensionierung begonnen, mich mit dem Schreiben und mit Büchern allgemein zu beschäftigen. Entstanden ist die Idee zur Verlagsgründung aus unserer Schreibgruppe, die mit einer Krimi-Anthologie vor einem Jahr an die Öffentlichkeit getreten ist. Im April habe ich dann den Fehnland-Verlag gegründet. Und bis heute sind bereits 7 Bücher erschienen.

Michael, es wurde dir vorgeworfen, dein Verlag sei ein DKZV. Das ist einer der Gründe, warum wir über das Interview gesprochen haben. Möchtest du das hier richtig stellen?

Ja, es steht der Vorwurf im Raum, wir wären ein DKZV. Das ist ausgemachter Quatsch. Keiner meiner Autoren hat irgendetwas bezahlen müssen. Natürlich verkaufe ich die Bücher auch direkt an Autoren – mit 50% Rabatt. Alles – wirklich alles – bezahle ich selber!

Dies kann ich als Autorin bestätigen. Ich habe nichts bezahlen müssen. Außer Nerven und Angstschweiß und die ein oder andere Debatte mir Roland Blümel. 

Erst einmal Glückwunsch zur Verlagsentscheidung. Das war eine clevere Entscheidung. Du bist Alleinkämpfer?

Ja, bisher bin ich Alleinkämpfer. Ich habe ein paar nebenberufliche Helfer – Coverdesigner, Lesezeichendesigner – aber (fast) alles andere mache ich selbst.

Du sagtest gerade, du bist ja Einzelkämpfer. Oder Alleinkämpfer. Wer macht Korrektorat und Lektorat?

Korrektorat und Lektorat mache ich weitgehend selber, ich habe einen Mit-Lektor – Roland Blümel, der mir bei einigen Büchern schon geholfen hat.

Wie hast du dir die notwendigen Kenntnisse erarbeitet? Der Gewerbeschein ist wahrscheinlich noch das einfachste bei der Verlagsgründung.

Der Gewerbeschein ist tatsächlich das Geringste. Ich hatte etwas „Vorkenntnisse“, weil ich vorher einige Zeit als Lektor gearbeitet hatte.

Wenn du allein 7 Bücher herausgebracht hast, ist das eine stramme Leistung. Hast du bereits weitere in Arbeit?

Ja, es sind weitere Bücher in Vorbereitung. Im Moment 6.

Wird sich auch irgendwann dein Team erweitern?

Team Erweiterung ist ein schwieriges Kapitel. Ich hatte früher mal eine eigene Firma, mit Personal – und mit viel Ärger. Wenn ich alleine arbeite, bin ich auch alleine für alle Fehler verantwortlich.

Was ist für dich Kriterium für die Annahme eines Manuskripts?

Das Manuskript muss mir gefallen – das ist der erste und wichtigste Kriterium.

Wie lange dauert es, bis du auf die Einsendung eines Manuskripts reagierst?

Wenige Tage.

Wie findest du deine Autoren?

Die Autoren finden mich. Und ich musste auch schon einige Manuskripte ablehnen.

Schließt du Verträge über ein Buch ab oder hast du schon etablierte Verlagsautoren?

Ja, alle Verlagsautoren kriegen Verträge. Standardverträge nach VS/Verdi-Norm. Und ja – es gibt bereits etablierte Verlagsautoren. Und da kommen auch ständig welche dazu.

Hat der Autor Mitspracherecht am Cover und Titel?

Ja die Autoren haben Mitspracherechte. Aber die letzte Entscheidung fälle ich.

Wer macht bei euch die Cover?

Ich habe zur Zeit zwei Coverdesigner, Mikki Patrick und Dennis Wilkinson. Die meisten Cover hat Mikki gemacht.

Willst du etwas zum Autorenhonorar verraten? Wie sind da die Regelungen?

Das Autorenhonorar wird individuell ausgehandelt – so, dass ich es mir leisten kann und der Autor zufrieden ist. Hat bisher immer geklappt.

Prozentual oder fester Betrag?

Prozentual.

Welche Genre werden von deinem Verlag vertreten?

Zur Zeit haben wir Krimis, Thriller und Gesellschaftsromane im Angebot. Und eine jährliche Regional-Anthologie, die Fehnlandgeschichten.

Du sagtest, dass dir in erster Linie die Manuskripte gefallen müssen, würdest du daher auch eine Erweiterung der Genre in Betracht ziehen?

Ich habe mich auf einige wenige Genre „eingeschossen“. Vor allem Genre, die ich selber gerne lese. Das heißt im Umkehrschluss, dass ich Genre, die ich nicht lese, wohl auch kaum verlegen werde – darunter fällt z. B. ChickLit oder Fantasy – damit kann ich selber wenig anfangen. Ausweitungen der Genre sind schon in Arbeit: Im nächsten Frühjahr erscheint ein Roman aus der Reihe „Historische Romane“.

Würdest du auch Gedichte verlegen?

Gedichte – Nein. Eine meiner Autorinnen – Lisa Weichart – schreibt wunderschöne Gedichte. Aber da bin ich der falsche Verleger. Ich bin eher kühler Norddeutscher – weniger Romantiker.

Wie sieht euer Marketing aus?

Marketing und Werbung sind naturgemäß für einen Kleinverlag ein schwieriges Feld. Ich mache vor allem Online-.Werbung. Außerdem gibt es für alle Bücher individuelle Lesezeichen, und bei Bedarf Flyer.

Sind Messeauftritte des Verlags geplant?

Wir sind in der nächsten Woche mit einem eigenen Stand auf der Buch Berlin. Und im nächsten Jahr bin ich – zumindest als Besucher – auch in Leipzig.

Wie sieht’s mit der Blogger-Szene aus?

Ja, wir haben Blogger. Allerdings nicht sehr viele.

Und wie steht ihr zu dem Thema Blogger?

Blogger sind sehr hilfreich – man muss aber die richtigen finden.

Wie findet man den guten Blogger, der nicht nur Gratisexemplare bunkert sondern fehlerfrei rezensiert?

Ich schaue mir die bisherigen Rezensionen der Blogger an, und auch, wo sie erschienen sind. Und wenn ich das Gefühl habe, es geht nur um kostenlose Bücher, ist der Blogger das letzte Mal dabeigewesen.

Organisierst du Lesungen? Oder kümmern sich die Autoren selbst? Oder unterstützt du sie?

Ich unterstütze unsere Autoren gerne bei Lesungen. Selber organisieren – aus der Ferne – ist schwierig. Ich kenne ja meistens dir örtlichen Verhältnisse nicht.

Ich finde es generell sehr mutig, in dieser Zeit einen Verlag zu gründen. Dank Amazon und Co sind die Zeiten für Verlage ja nicht mehr ganz so rosig.

Verlegen kommt von Vor-Legen. Ja, die Konditionen sind für Kleinverlage nicht einfach – aber es geht!

Ich nehme an, du bedienst Print und eBook? arbeitest du mit einer Druckerei zusammen?

Ja, Print und eBook. Und in Ausnahmefällen auch Hardcover. Ich lasse die Print in Polen drucken – habe da sehr gute Erfahrungen gemacht.

Wo werden die Bücher verkauft?

Die Prints auf allen Plattformen, die von den Barsortimentern beliefert werden, einschließlich Amazon. Die eBooks bei Amazon (über KDP) und bei Libreka für alle anderen Formate. Libreka ist ein Großhändler für eBooks, die beliefern alle Portale.

Werden Auflagen gedruckt oder geht das On Demand?

Ich drucke immer Festauflagen – nicht On Demand.

Magst du uns die Auflagenhöhe verraten? Z. B. vom Kuckucksparadies? 

Ich fange meistens mit 200 oder 300 er Auflagen an. Habe aber inzwischen bei 3 Titeln schon nachdrucken müssen. Das Kuckucksparadies ist inzwischen in der 2. Auflage – sowohl beim Hardcover, wie auch beim Taschenbuch – jeweils 150.

Auf deiner Homepage ist ja ersichtlich, dass du einen Shop betreibst, über den die Bücher erhältlich sind, ebenso, dass Buchhändler sie über Barsortimenter erhalten können. Vertreibst du noch über andere Vertriebswege, wie Onlineanbieter?

Ja, die Bücher sind z. B. auch über Amazon erhältlich.

Planst du auf lange Sicht, die Bücher im Buchhandel zu präsentieren?

Die Bücher sind alle im Buchhandel präsent. Ich arbeite mit den drei großen Barsortimentern zusammen, und die beliefern alle Buchhandlungen in Deutschland. Das sieht dann so aus, dass z, B. Libri bei einer Neuerscheinung auf einen Schlag 30 Exemplare ordert.

Hast du Buchhandlungen, die bereits Bücher vom Verlag ausliegen haben oder sind sie „nur“ bestellbar?

Ja es gibt Buchhandlungen, in denen meine Bücher ausliegen – zum Beispiel hier vor Ort. Und ich weiß, dass in Regensburg mehrere Buchhandlungen unsere Bücher ganz prominent auf Tischen ausliegen haben.

Kleinverlage haben es ja insgesamt schwer – arbeitest du mit anderen Kleinverlagen zusammen?

Ja, wir arbeiten mit anderen Kleinverlagen zusammen – auf freundschaftlicher Basis. Aber mehr in der Form von Hilfestellung, weniger in direkter Zusammenarbeit.

Wenn ich fragen darf – trägt sich der Verlag schon mit 7 Büchern selbst ? Die Frage musst du natürlich nicht beantworten.

Kein Problem! Nein, der Verlag trägt sich natürlich bisher nicht selbst. Ich habe kräftig investiert. Aber ich sehe inzwischen Monat für Monat Erträge, die mich „fröhlich“ stimmen. Und aussichtsvoll.

Wie viele Publikationen pro Jahr hast du geplant? Wenn man viel selbst machen muss, sind die Kapazitäten ja etwas eingeschränkter.

Ich hatte anfangs geplant, pro Jahr 6 Bücher zu verlegen. Jetzt habe ich 7 Bücher nach 7 Monaten. Und für das nächste Jahr sind 6 Bücher fest eingeplant – und weitere Manuskripte sind schon angekündigt. Aber ich denke, dass bei etwa 10 Titeln pro Jahr meine Kapazität erschöpft sein wird.

Setzt du Prioritäten nach deinem absoluten Lieblingsgenre oder werden die Autoren in der zeitlichen Reihenfolge veröffentlicht?

Ich versuche, streng nach Auftragseingang zu arbeiten – ist aber manchmal schwierig. Z. B. wenn an einem Manuskript noch viel Arbeit erforderlich ist, und ein anderes praktisch „fertig“ daliegt.

Wie viele Stunden hat dein Arbeitstag?

Also mein Arbeitsalltag – 12 Stunden sind wohl normal. Wobei ich das im Gegensatz zum früheren „Berufsleben“ als nicht so schlimm empfinde. Jetzt mache ich ja etwas, was mir Spaß macht.

Was sagt deine Familie zum Verlag?

Meine Familie sagt JA zum Verlag – wenn ich zwischendrin auch mal den Laptop aus der Hand lege. Und bereit bin, an Urlaub zu denken. Und mich an der Hausarbeit beteilige.

Und selbst schreiben? Das bleibt auf der Strecke?

Ja – leider! Aber jetzt sind die Anfangshürden überwunden. Jetzt kann ich auch wieder ans Schreiben denken.

Ich habe den Eindruck, du möchtest nichts besonderes machen (auf den Verlag bezogen, nicht auf die Bücher). Das meine ich nicht negativ! Du machst einfach was dir Spaß macht und das mit Leidenschaft. Liege ich da richtig oder hast du ein Alleinstellungsmerkmal?

Alleinstellungsmerkmale – wahrscheinlich eher nicht. Es gibt rund 2000 Verleger in Deutschland – wie soll man sich da allein stellen?

Kümmerst du dich auch um die PR?

Ja, PR mache ich selber – soweit möglich.

Wer macht eure Homepage?

Die Homepage mache ich selber.

Bist du an einem Verband angeschlossen?

Ich bin im Börsenverein, im VfLL.

Vielen Dank für das offene und ehrliche Interview, lieber Michael Kracht. Wie es sich anhört, hast du alles im Griff und deine Autoren sind bei dir in guten Händen. Ich wünsche dir und deinen Autoren alles Gute und viel Erfolg. 

 

 

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