Mai-Kristin Linder

Autoreninterview Mai-Kristin Linder

Mai-Kristin Linder, geboren 1991 in Berlin, bekam in der ersten Klasse das wohl spannendste Spielzeug der Welt geschenkt – das Alphabet – und fing sofort an, Geschichten zu schreiben. Bis heute hat sie keine Pause gemacht. „Henker und König“, das während ihres Studiums der Literatur-, Politik- und Islamwissenschaften (hier lernte sie – oh Freude! – noch mehr Alphabete kennen) in Kiel und in der Türkei  entstand, ist das erste Werk von ihr, das den Augen der Öffentlichkeit präsentiert wird.

Streuner Buch

Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Ich war etwa 6 Jahre alt, als ich das Alphabet einigermaßen beherrschen lernte. Zeitgleich schrieb ich meine ersten Geschichten auf. Ich übernahm darin alles, was ich irgendwo sah und hörte und faszinierend fand (was so gut wie alles war). Es gab darin Kisten, in denen man für immer verschwinden konnte, Drachen in Käfigen und Löcher im Boden, durch die man hüpfen konnte, um in völlig anderen Welten wieder herauszukommen. In der 3. Klasse war ich bereits schreibsüchtig und füllte reihenweise Schulhefte mit meinen Geschichten. Ich weiß gar nicht, wo ich die Schulaufgaben da noch reingequetscht habe.

Bist du der klassische Plotter oder schreibst du direkt aus dem Kopf und arbeitest dann nach?

Wenn ich direkt aus dem Kopf schreiben würde, dann könnte mir, glaube ich, überhaupt gar keiner folgen. Normalerweise lege ich mir ein Notizbuch an, das ich mit Plot- und Charakterentwürfen vollkritzle, und an dem ich all meine ungebremsten kreativen Ergüsse auslasse. Dann fange ich an, meinen Roman möglichst geordnet auf den PC zu übertragen, und bringe den ganzen Plot noch einmal völlig durcheinander.

Bist du Verlagsautor oder Selfpublisher oder beides?

Ich habe schnell gemerkt, dass ein Buch mit fast 1000 Seiten von einer unbekannten Autorin eher ungern von Verlagen angenommen wird, da es ein nicht unerhebliches finanzielles Risiko darstellt. Ich tat mir dann eine Weile sehr leid. Dann taten mir auch die anderen AutorInnen leid, die so lange Bücher schreiben und sie nicht zu einem Zweiteiler machen wollen, und schließlich habe ich einen kleinen Verlag gegründet, um mir und anderen damit zu helfen.

Wie gehst du ein neues Buch an? Wie entwickelt sich die Idee? Woher bekommst du deine Inspiration?

Meistens überfällt mich die Inspiration in ganz banalen Alltagssituationen: wenn ich an einem frostkalten Januarnachmittag über den ALDI-Parkplatz gehe, wenn ich eine Pflanze gieße … Aber ganz oft schreibe ich auch die Träume auf, die ich in der Nacht hatte,  und lasse Stimmungen oder Szenen daraus zu Geschichten wachsen.

Schreibst du direkt in den PC oder machst du dir wie viele andere erst handschriftliche Notizen?

Ich schreibe prinzipiell auf alles, was ich gerade zur Hand habe. Dabei ist der PC meine erste Wahl, aber es mussten auch schon Kassenzettel herhalten.

Wie gehst du mit Störungen um, wenn du schreibst?

Ich reagiere furchtbar zickig. Leider härtet das konsequente Störenfriede nur ab und verschreckt Paket-Boten. Es ist also keine gute Art, damit umzugehen.

Magst du kurz anreißen, worum es in „Henker und König geht?

Es fällt mir immer schwer, einen Buchinhalt nur kurz „anzureißen“, aber ich werde es gern versuchen:

Zunächst mal gibt es darin einen Mann, der mit aller Gewalt König eines Landes wird, um das rachsüchtige Lebensziel seiner Eltern zu erfüllen, von deren Erwartungen an ihn er ziemlich besessen ist. Als er alles erreicht hat, was sie je von ihm wollten, gerät er in die Krise, herausfinden zu müssen, wer er selbst eigentlich ist. Von außen betrachtet verwandelt er sich dadurch zum klassischen Vorzeigebösewicht, der einige sehr schlimme Dinge tut. Ihm entgegen stellen sich ein seelisch völlig kaputter Henker und eine rebellische Tollpatschin. Es kommt zu vielen interessanten Begebenheiten mit Magie, Liebe und mystischen Wesen – aber mehr sage ich dazu jetzt mal nicht.

Arbeitest du an einem weiteren Buch?

Klar! Wieder gibt es Magie, aber diesmal keine andere Welt. Das Buch beginnt in der Türkei, spielt aber teilweise in Bremen und im Saarland. 100 Seiten hab ich schon!

Gibt es ein Genre, indem du nicht schreiben würdest / könntest?

Nein. Aber ich glaube, es würde mir schwerfallen, für alles, was ich schreibe, eine Genre-Schublade zu finden.

Welche Autoren liest du? Inspirieren sie dich?

Ich lese grundsätzlich erst einmal ALLE Autoren. Und alle, die ich lese, inspirieren mich auch. Weniger allerdings die Geschichten, die sie schreiben, als ihr Schreibstil. Als ich zum Beispiel einmal tief in einer Bret Easton Ellis-Phase drin war, habe ich gemerkt, dass die Geschichte, die ich schrieb, auf einmal ganz düster und gleichgültig anmutete, obwohl ich das gar nicht so geplant hatte.

Wie geht deine Familie mit deiner Schreiberei um? Unterstützt sie dich?

Sie unterstützt mich absolut! Wenn ich im Schreibprozess drin bin, sieht man mir sogar nach, wenn ich meine Hausarbeiten nicht erledige. Man stellt mir auch ab und zu Kaffee an den PC. Und natürlich sind meine Familienmitglieder meine allerersten Testleser.

Hast noch Zeit für Hobbies nebenbei?

Wenig. Aber singen kann man ja auch unter der Dusche und Tangoschritte kann man üben, während man Essen macht.

Hast du einen Traum, den du dir unbedingt erfüllen möchtest? Bestsellerautor gilt nicht, das werden wir schon.

Bestsellerautorin müsste es auch gar nicht sein. Ich bin zufrieden, wenn Leute meine Bücher lesen und sie spannend oder berührend finden – das können zwei Leute oder 10000 Leute sein. Die Zahl ist mir egal. Darüber hinaus träume ich von der ultimativen Erfahrung, irgendwann Mutter zu werden.

Sollte ein Buch von dir verfilmt werden, hättest du bereits Hauptdarsteller im Hinterkopf? Wer würde es werden?

Johnny Depp müsste auf jeden Fall mitspielen. Einfach nur, damit ich die Chance habe, ihn vielleicht am Film-Set zu treffen! Nein, wirklich, ich habe noch nie darüber nachgedacht. Die Bücher sind eh immer besser als der Film.

Wie (oder wo) findest du deine Leser?

Meine Taktik ist, überall nach ihnen Ausschau zu halten. Im Moment sind mein wichtigstes Medium die sozialen Netzwerke, aber ich bin noch am Herumprobieren und habe viele seltsame Ideen, die ich aber hier noch nicht preisgeben möchte.

Hattest du schon Lesungen?

Nope. Aber sie kommen zwangsläufig auf mich zu. Spätestens wahrscheinlich im Juni bei der Langen Nacht der Kultur in Bremerhaven. Ich muss gestehen, am liebsten würde ich mich klonen und dann meinen Klon dazu zwingen, das für mich zu machen, denn ich bin jetzt schon nervös, wenn ich an das Wort „Lesung“ nur denke. Ich bin ein Mensch, der lieber E-Mails schreibt, als jemanden anzurufen – wie soll ich mich da trauen, vor so vielen Leuten was vorzulesen! Das komische daran ist, dass ich in meinem Beruf regelmäßig vor vielen Leuten sprechen muss, aber da stört es mich irgendwie nicht.

Hast du irgendwelche Laster – Fahrzeuge gelten nicht?

Kaffee und Schokolade!

Machst du selber Werbung für deine Bücher und wenn ja, wie?

Ich mache Werbung anhand von Gewinnspielen in sozialen Netzwerken, versuche, von Bloggern und von der Presse gesehen zu werden (indem ich sie kontaktiere, natürlich), lasse mich von euch interviewen …

Hörst du Musik beim Schreiben? Wenn ja, irgendetwas bestimmtes?

Oh ja. Nicht immer, aber sehr oft. Es muss Musik sein, die zu der Szene passt, an der ich gerade schreibe, oder Musik, die meinen Hauptprotagonisten gefallen würde. Das geht über alle Musikrichtungen hinweg. Wer sich auskennt, könnte sogar darauf kommen, dass die weibliche Hauptperson in „Henker und König“ nach einer türkischen Sängerin benannt ist. Außerdem gibt es ein Lied von einer Mittelalterband – „Des Königs Henker“ – , das gut zu meinem Buch passt und das ich deshalb immer gern dazu gehört habe. Für das neue Buch lasse ich im Moment immer Five Finger Death Punch laufen. Von denen hat meine Hauptprotagonistin sicherlich auch ein paar Lieder auf dem Smartphone.

Wenn du nicht mehr schreiben könntest…

… dann würde ich versuchen, meine Geschichten zu malen, zu singen … irgendwie anders auszudrücken.

Hast du einen Tipp für jemanden, der mit dem Schreiben anfangen möchte?

Ich hab das Gefühl, es gibt Leute auf der Welt, die Lust haben, mal ein Buch zu schreiben. Vielleicht, weil sie denken: Mein Leben ist ja schon ganzschön interessant gewesen. Oder weil ihnen öfters Leute sagen: „Du solltest echt ein Buch schreiben, weißt du das?“ Natürlich soll jeder machen, wozu er Lust hat, und eine krasse Erfahrung ist es so oder so, sich mit sich selbst so sehr auseinander zu setzen, dass man ein Buch aus sich herausfließen lassen kann. Sicher kommen da bei dem ein oder anderen ganz unvermutete Dinge hoch. Aber es gibt eben auch noch Leute, die schreiben müssen, einfach, weil sie nicht anders können, weil sie das Gefühl haben, ohne schreiben würden sie verrückt werden. Letztere interessieren mich persönlich ehrlich gesagt etwas mehr. Wenn jemand erst Tipps einholen muss, um mit dem Schreiben anzufangen, dann hätte ich keine so große Lust, sein Buch zu lesen.

Deine drei Wünsche an die gute Fee?

  1. Frieden, Vernunft und Fairness überall auf der Welt
  2. Gesundheit für alle, die ich liebe
  3. Unendlich viele Wünsche freihaben

Vielen Dank für das offene Interview, Mai-Kristin Linder, und weiterhin viel Erfolg.

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