Petra Weise

Autoreninterview Petra Weise

29.01.2018

Petra Weise wurde 1954 in Freiberg/Sachsen geboren, wo sie in der Bergakademie in der wissenschaftlichen Bibliothek lernte und arbeitete.

Sie lebte viele Jahre mit ihrer Familie in Frankfurt/Main und München und seit 1997 mit ihrem Mann in Chemnitz.

Sie schreibt Kurzgeschichten und Romane, in denen sie vom oft nicht alltäglichen Alltag erzählt.

In ihrer freien Zeit erholt sie sich gern bei langen Wanderungen mit ihrem Hund, liest oder spielt Klavier.

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Wie bis du zum Schreiben gekommen?

Als ich mit meinen zwei kleinen Kindern Hausfrau war und somit viel Zeit hatte, absolvierte ich den Fernkurs „Große Schule des Schreibens“ in Hamburg. Ich schickte in jedem Monat eine Geschichte ein, deren Thema und Anschlagzahl vorgegeben war und die ausführlich lektoriert wurde. Am liebsten wäre ich Schriftsteller geworden. Das klappte zwar nicht, doch ich veröffentlichte einen kleinen Teil dieser Geschichten viele Jahre später über BoD (Books on Demand) unter dem Titel „Eine verhängnisvolle Diagnose“.

Bist du der klassische Plotter oder schreibst du direkt aus dem Kopf und arbeitest dann nach?

Ich schreibe direkt aus dem Kopf, halte aber Ideen und Sätze auf alphabetisch sortierten Karteikarten fest. Meine Texte lese ich ständig nach, um in Schreibfluss zu kommen oder Ergänzungen einzufügen.

 Bist du Verlagsautor oder Selfpublisher oder beides?

Ich veröffentliche über BoD und nehme hin und wieder an Verlags-Ausschreibungen und -Anthologien teil.

 Wie gehst du ein neues Buch an? Wie entwickelt sich die Idee? Woher bekommst du deine Inspiration?

Manchmal lese ich über ein Ereignis oder höre einem Gespräch zu, das mich inspiriert. Zu meinem „Der andere Vater“ sah ich einen Fernsehbeitrag, in dem ein zwölfjähriges Mädchen erst beim Tod ihres vermeintlichen Vaters erfährt, dass dieser gar nicht ihr leiblicher Vater ist. Kein einziges Familienmitglied wollte ihr die Frage nach ihrem wirklichen Vater beantworten. Das beschäftigte mich so sehr, dass ich daraus einen Roman formte.

 Schreibst du direkt in den PC oder machst du dir wie viele andere erst handschriftliche Notizen?

Ich schreibe direkt in den PC. Handschriftlich halte ich nur Ideen und Bemerkungen fest.

Wie gehst du mit Störungen um, wenn du schreibst?

Ich habe etwa zwei Stunden am Tag festgelegt, in denen ich schreibe. Das ist die Zeit, in der mein Mann Mittagsschlaf hält (lach). Stören könnte einzig der Paketdienst, der bei mir klingelt.

Magst du kurz anreißen, worum es inMütter und Töchter geht?

Darin schreibe ich über meine Mutter. Sie hat bzw. hatte einen derart schwierigen Charakter, dass sich mir dieses Thema schon vor Jahren aufdrängte. Jetzt lebt sie im Pflegeheim und ist sanftmütiger geworden, was gleichzeitig meinen Roman etwas abflacht und mich möglicherweise zwingt, spannende Zusatzgeschichten auszudenken.

 Arbeitest du an einem weiteren Buch?

Ja, ich habe noch einen Kurzgeschichten-Band in Arbeit mit Urlaubs- bzw. Reisebegebenheiten. Ich liebe Kurzgeschichten, weil ich dabei schnell zum Punkt kommen kann und direkte und eindeutige Aussagen bevorzuge. Ausschmücken fällt mir eher schwer.

 Gibt es ein Genre, indem du nicht schreiben würdest / könntest?

Fantasie oder gar Horror sind gar nicht nach meinem Geschmack, auch keine seichten Liebes-Schmonzetten.

 Welche Autoren liest du? Inspirieren sie dich?

Früher mochte ich Ingeborg Bachmann, die mir heute bis auf wenige Ausnahmen zu kompliziert ist. Wogegen Aitmatov mir inzwischen zu flach ist. Ich liebe die Schreibweise von Bernhard Schlink und Haruki Murakami, weil beide kurze und klare Sätze bevorzugen, wobei mir von ihnen nicht alle Titel gefallen.

 Wie geht deine Familie mit deiner Schreiberei um? Unterstützt sie dich?

Mein Mann und mein Sohn lesen gern alle meine Texte und sind meine ersten Kritiker. Doch halten sie sich konsequent beim Entwerfen der Geschichten heraus. Sie interessieren sich dafür, wie meine Lesungen verlaufen sind.

 Hast noch Zeit für Hobbies nebenbei?

Ich habe einen lebhaften Hund (Husky-Mischling), der täglich hinaus in den Wald möchte, was auch mir viel Freude bereitet. Natürlich lese ich sehr gern – meist am Abend im Bett zwei Stunden. Und ich spiele jeden Tag Klavier.

 Hast du einen Traum, den du dir unbedingt erfüllen möchtest? Bestsellerautor gilt nicht, das werden wir schon.

Nein, ich bin absolut zufrieden mit meinem Leben und möchte nichts daran ändern. Wenn ich keinen Hund mehr habe, möchte ich noch so fit sein, dass ich wieder Schifahren (ein weiteres großes Hobby) kann. Ich liebe die Alpen sehr, besonders im Winter.

 Sollte ein Buch von dir verfilmt werden, hättest du bereits Hauptdarsteller im Hinterkopf? Wer würde es werden?

Vielleicht Audrey Tautou für die Hauptperson Marion in „Der andere Vater“.  

 Wie (oder wo) findest du deine Leser?

Die meisten Leser finde(n) (m)ich vermutlich im Internet. Wo ich mich aufhalte und mit wem ich spreche, sie alle erfahren mehr oder weniger freiwillig, dass ich Bücher schreibe. Meist funktioniert das, wenn ich mit meinem Hund unterwegs bin und ich „Mein Hund Benno“ erwähnen kann. Ich spreche auch regelmäßig Buchhändler an, die allerdings wegen des geringen Gewinns ungern bei BoD ordern.

 Hattest du schon Lesungen?

Ja, doch könnten es mehr sein. Am liebsten würde ich in jeder Woche einmal lesen (was wohl oben in die Kategorie Traum gehört), wobei mir kleinere Gruppen bis maximal zwanzig Personen angenehm sind. Zeitzeugengespräche, bei denen ich natürlich für meine dreiteilige Biografie werbe, habe ich schon mit mehr als achtzig Zuhörern durchgeführt.

 Hast du irgendwelche Laster – Fahrzeuge gelten nicht?

Diesbezüglich halte ich mich für eher langweilig, weil ich ein eher disziplinierter Mensch mit kühlem Kopf bin. Ich kann und will nicht lügen, was mein Umfeld oft als unangenehm empfindet.

 Machst du selber Werbung für deine Bücher und wenn ja, wie?

Ich werbe vor allem auf Facebook, ansonsten bei zufälligen Gesprächen und natürlich bei Lesungen. Und ich habe immer Visitenkarten mit meinen Buchtiteln einstecken.

 Hörst du Musik beim Schreiben? Wenn ja, irgendetwas bestimmtes?

Beim Schreiben meiner Geschichten bevorzuge ich absolute Ruhe. Musik höre ich, wenn ich Briefe oder Texte im Internet verfasse. Es müssen melodische, sanft begleitende Titel sein wie von Chicago, Tom Petty, Man at Work, Sheryl Crow, Michael learns to Rock u.ä. Hardrock höre ich lieber konzentriert und nicht nebenbei.

 Wenn du nicht mehr schreiben könntest…

wäre ich mit Sicherheit kreuzunglücklich, denn ich glaube, dass ich nur schreibend leben kann. Das Schreiben ist meine Heimat, hierbei fühle ich mich wohl und kann mich vollkommen frei ausdrücken.

 Hast du einen Tipp für jemanden, der mit dem Schreiben anfangen möchte?

Zuerst sollte man ganz viel lesen und auch viel sprechen, sich obendrein über Autoren und Möglichkeiten zur Veröffentlichung informieren. Erst dann kann man sicher sein, was man wirklich will, was zu einem passt. Dann sollte man sich von der allgemeinen Meinung nicht (mehr) irritieren lassen und sich selbst und seiner eigenen Art und Weise treu bleiben.

 Deine drei Wünsche an die gute Fee?

Zuerst wünsche ich, dass mir mein geliebter Alltag erhalten bleibt, dann sollten meine Bücher möglichst viele Leser finden bzw. viele Leute meine Bücher finden und meine Geschichten mögen und zum Schluss wünsche ich mir, dass mir genug Zeit bleibt, meine vielen Ideen für weitere Romane umzusetzen.


Vielen Dank für das offene Interview, Petra Weise, und weiterhin viel Erfolg.

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Ein Kommentar zu Petra Weise

  1. Rudolf Köster sagt:

    Ein Interview wie ihre Bücher: ehrlich und authentisch! Petra Weise antwortet hier, wie sie schreibt – eben mitten aus dem Leben!

    Weiter so Petra!
    Rudolf

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