Special Text: Nina De – Und dort das leere Blatt …

Special Text: Nina De – Und dort das leere Blatt …

03.02.2018

Und dort das leere Blatt …

Ich bin kein Freund von Essays, nie gewesen. Zu kurz, zu vielsagend, zu zutreffend. Und jetzt sitze ich hier und versuche dieses leere Blatt mit einem derartigen Erguss zu füllen, nur um mir selbst zu beweisen, dass ich es kann. Doch die Worte, die mir einst so einfach von der Hand gegangen sind, sind fort.
Als wären sie nie da gewesen, sitze ich hier und versuche das zu tun, was ich immer getan habe. Aber Ideen, Worte, Gedanken, die früher einfach da waren, verbergen sich hinter einer Mauer aus Schweigen.
Hätte mich vor einem halben Jahr jemand gefragt wie sich schreiben anfühlt, hätte ich gesagt: Wie Fahrradfahren. Man wird besser, je regelmäßiger man es tut, aber ganz verlernen kann man es nicht. Witzig wie wenig es bedarf, um eine Meinung zu ändern. Denn mit einem Mal sitze ich vor einem Manuskript, in das ich so viel Vertrauen, so viel Hoffnungen hatte, wie in noch keines davor. Aber die Wahrheit ist, es ist ein Desaster. Ein chaotischer Haufen, aus aneinandergereihten Szenen, aus Charakteren ohne Tiefe, aus Worten die sich lesen, als würde man Sägespäne kauen. Dabei war ich der festen Überzeugung mein bisheriges Meisterwerk erschaffen zu haben. Aber die goldene Medaille, die ich mir erträumte, stellt sich nun als ein zusammengepresstes Brikett aus falschem Ehrgeiz heraus. Als der überheblichen Wunsch, sich allein dadurch zu bessern, rationaler an das Werk heranzugehen. Ein wenig bedachter, ein wenig … besser. All diese Rationalität steht jetzt dort auf dem Papier, in ihrer ganzen kahlen Hässlichkeit. Und all das Herzblut, das ich früher zwischen meinen Zeilen fand, ist fort. Diese Tatsache macht mir mehr Angst als ich zugeben will, denn zum ersten Mal tue ich etwas, was ich nie zuvor beim Schreiben getan habe. Ich zweifle. Noch während ein Satz das Weiß der Seite füllt, frage ich mich, ob er gut ist, oder wieder nur ein Schritt in die falsche Richtung. Und mit einem Mal ist nichts mehr wie es war …

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